POLITIK: Schulstreiks für das Klima

Den Haag, Ester Adriana Mocking/NOS/Nu, 22. Februar 2019

Weltweit kommen aktuell tausende Jugendliche und Studenten zusammen, um für das Klima zu demonstrieren. Sie fordern ein Umdenken in der Klimapolitik und einen Ausstieg aus der Kohleenergie. Ins Rollen gebracht hat das die 15-jährige Greta Thunberg, die selbst bereits seit Monaten jeden Freitag die Schule schwänzt, um vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren.  
In den Niederlanden zieht es die Jugendlichen ebenfalls auf die Straßen. Enttäuscht von der Regierung und der nicht durchgeführten Umsetzung des Klimaabkommens, rief die Aktionsgruppe Youth For Climate NL am Donnerstag, den 7. Februar, zum Schulstreik und Protestmarsch in Den Haag auf.

Laut Angaben der Organisation nahmen schätzungsweise 15.000 Schüler teil. Einen Tag später bekam die Organisation über Twitter eine Einladung von Ministerpräsident Mark Rutte persönlich. Schon eine Woche nach dem Protestmarsch kam ein Gespräch mit sechs Mitgliedern der Youth For Climate NL Gruppe und Mark Rutte und Eric Wiebes, dem Minister für Wirtschaft und Klima, zustande. Laut Rutte war es eine feurige Debatte. Die Jugendlichen seien kritisch und aufgebracht gewesen, weil das Land ihren Klimazielen nicht nachkomme. Mark Rutte betonte allerdings, dass die Niederlande im europäischen Vergleich bereits sehr hohe Ambitionen im Bereich der Klimapolitik hätten. Youth For Climate NL möchte den Politikern klarmachen, dass politische Veränderungen herbeigeführt werden müssen, weil es sonst keine sichere Zukunft für die heutige Jugend gibt. Rutte gestand sich ein, dass die Klimaziele der letzten Jahre nicht erfüllt wurden und hat nichts gegen Streiks einzuwenden, findet aber, dass diese nicht während der Schulzeit stattfinden sollten.

Durften die Schüler ohne Erlaubnis an der Demonstration in Den Haag teilnehmen?
Tatsächlich erlauben viele Schulen das sogenannte „Klimaatspijbelen“. Die meisten Schulen erlaubten dies aber nur unter bestimmten Bedingungen. Schüler brauchten die Erlaubnis der Eltern und mussten zusätzlich noch ein Beweisbild in Den Haag machen, auf dem sie selbst abgebildet waren. Der Interessenverband niederländischer Schulvorstände und Schulen, VO-Raad, gibt an, dass die Entscheidung, die Schüler als fehlend zu melden, bei den Schulen liegt. Die Schulen haben erst eine Meldepflicht, wenn Schüler innerhalb von 4 Wochen mehr als 16 Stunden fehlen.

Wie die Zukunft aussieht, ist noch ungewiss. Mittlerweile ist auf jeden Fall deutlich geworden, dass der Schulstreik für ein besseres Klima in Europa Zuspruch findet. Nahezu überall finden sich Schüler zusammen und kämpfen für Veränderungen. Die Youth For Climate NL Gruppe hat zum erneuten Streik am 14. März aufgerufen, da sie mit den Ergebnissen ihres Gesprächs mit Mark Rutte noch nicht zufrieden ist. Youth For Climate NL ist natürlich nicht die einzige Organisation in den Niederlanden. Die Students for Climate NL Gruppe organisiert ebenfalls mehrere Streiks und setzt sich für ein besseres Klima ein; neben diesen beiden Organisationen gibt es noch viele weitere.
Es bleibt abzuwarten, ob die Streiks dauerhaft für ein Umdenken in der Klimapolitik sorgen werden. Fakt ist aber, dass ein Großteil der Jugendlichen in Europa seine Sorgen um die Zukunft und das Klima in Form von Schulstreiks nach außen trägt.