WIRTSCHAFT: Albert Heijn wirbt in Belgien mit „holländischen Preisen“ und Rabattaktionen

Belgien, LM/NRC/VK, 20. Februar 2019

Die niederländische Supermarktkette Albert Heijn hat in Belgien zurzeit 42 Filialen. Im vergangenen Monat kündigte der Supermarktriese an, diese Zahl verdoppeln zu wollen und ließ erstmalig eine große Rabattaktion in Belgien folgen: 3 Artikel kaufen, 1 Artikel bezahlen. Diese 1+2-Aktion sorgte in Belgien für große Aufregung – die Kunden freuten sich über den Rabatt, die Konkurrenten ärgerten sich über die Schleuderpreise und befürchten einen „urholländischen Supermarktkrieg“ im eigenen Land. Auch Jumbo, die niederländische Supermarktkette, die stets mit den günstigsten Preisen wirbt, will das Nachbarland zukünftig erobern und befeuert Albert Heijns Dumping-Pläne mit diesem Vorhaben nur noch mehr.

Die Supermarktkette Albert Heijn wächst im Nachbarland Belgien munter weiter – was die stets wachsende belgische Fangemeinde erfreut, und die belgischen Konkurrenten beunruhigt. Die niederländische Tageszeitung Volkskrant beschreibt die durch die drastische 1+2-Rabattaktion entstandene Einkaufssituation, bei der man einen Artikel bezahlt, und zwei gleiche Artikel gratis erhält, als ein "Rabattwalhalla". Überall seien in den Albert-Heijn-Filialen Rabatt-Schilder zu sehen gewesen, fast alle Obstsorten seien im Angebot und überall seien Bonusprodukte ausgezeichnet gewesen, die an den Rabattaktionen teilnehmen.

Was für viele belgische Kunden einem Rabatt-Paradies gleicht, ruft bei dem belgischen Einzelhandelsspezialisten Jorg Snoeck Skepsis hervor. Snoeck ist sich sicher, dass diese Aktion vor allem mit den Plänen der anderen großen niederländischen Supermarktkette zu tun hat: Jumbo will zukünftig ebenfalls den belgischen Markt erobern. Bisher hat Albert Heijn eigentlich nur wirklich mit dem Billiganbieter Colruyt konkurrieren müssen – mit Jumbo im Anmarsch setzt Albert Heijn jetzt also die Rabattmaschinerie in Gang und leitet so den von der Volkskrant als „urholländisch“ bezeichneten Supermarktkrieg ein.

Zuvor waren die Spezialgebiete der Supermarktketten in Belgien gleichmäßig aufgeteilt: Colruyt konnte stets alle Schnäppchenjäger für sich gewinnen, Delhaize überzeugte mit Qualität und Delikatessen und Carrefour ist vor allem in Wallonien beliebt. Die deutschen Ketten Lidl und Aldi änderten daran bisher wenig. 2011 eröffnete Albert Heijn schließlich die ersten Filialen in Belgien und warb schon damals mit 1+1-Rabattaktionen und „holländischen Preisen“. Albert Heijn konnte sich schnell zwischen Colruyt und Delhaize einordnen. 2016 fusionierte der Albert-Heijn-Besitzer Ahold schließlich mit dem belgischen Delhaize. Die anfänglichen Pläne besagten, dass die belgischen Albert-Heijn-Filialen mit den Delhaize-Filialen fusionieren sollten, doch Anfang des Jahres kündigte Ahold-Delhaize an, dass man die Anzahl der Albert-Heijn-Filialen verdoppeln wolle. Kurz darauf folgte die 2+1-Rabattaktion.

Die belgische Organisation unabhängiger Supermärkte warnte umgehend davor, dass die Wirtschaft großen Schaden nehmen werde, wenn die anderen Supermarktketten beim Kampf um den niedrigsten Preis mitmachten. Die Regierung leitete eine Untersuchung nach möglichen Verstößen in Bezug auf das belgische Verbot ein, Waren mit Verlust zu verkaufen, um den Marktanteil zu vergrößern.

Die belgischen Konkurrenten von Albert Heijn bemängeln vor allem, dass Albert Heijns Vorgehen nicht fair sei, denn die niederländische Supermarktkette beziehe die Produkte aus den Niederlanden, wo die Löhne niedriger seien, wodurch Albert Heijn einen größeren Spielraum für Rabattaktionen habe, als die belgischen Ketten. Sie befürchten, dass sie dazu gezwungen werden, beim dem Preiskrieg mitzumachen, was letztendlich zu Kündigungen oder gar zum Bankrott führen könnte. Wenn Sie mit den niederländischen Preisen mithalten wollten, müssten sie sich mit niedrigeren Margen begnügen, was wiederum zu Einsparungen an anderen Stellen führen würde.

Die belgische Supermarktkette Colruyt sieht sich schon jetzt durch die 1+2-Aktion mit diesem Problem konfrontiert. Seit der Rabattaktion von Albert Heijn wimmelt es in den Colruyt-Filialen nur so von roten Rabattschildern, die eine Reaktion zu Albert Heijns Aktion darstellen – denn Colruyt wirbt schließlich mit den niedrigsten Preisen in Belgien. Vermutlich hat der „urholländische Supermarktkrieg“ in Belgien damit bereits seinen Anfang genommen.