GESUNDHEIT: Entschädigung für Betroffene des Chrom-VI-Skandals in Tilburg

Tilburg, LM/NRC/VK, 19. Februar 2019

Nachdem im vergangenen Jahr zuerst der Chrom-VI-Skandal beim niederländischen Militär für Aufregung gesorgt hatte (NiederlandeNet berichtete), begann im November ein Untersuchungsausschuss einen weiteren Fall genauer unter die Lupe zu nehmen: Zwischen 2004 und 2012 mussten ungefähr 800 Arbeitslose für das Reintegrationsunternehmen tROM arbeiten und dabei in Tilburg für das Spoorwegmuseum (dt. Eisenbahnmuseum), NedTrain und NS unter anderem alte Züge schleifen und streichen. Hierbei wurde den Untersuchungen zufolge Chrom-VI freigesetzt, das die Gesundheit der Arbeiter stark gefährdet haben kann. Die Untersuchungskommission urteilte, dass die Gemeinde Tilburg, NS/NedTrain und das Eisenbahnmuseum bei der Bereitstellung eines sicheren Arbeitsplatzes versagt haben und für mögliche entstandene Gesundheitsschäden verantwortlich sind.

Das Urteil der unabhängigen Untersuchungskommission, die von Peter van der Velden, dem ehemaligen Bürgermeister von Breda, geleitet wurde, fiel vernichtend aus. Zusammen mit dem Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt kam die Kommission zu dem Schluss, dass NedTrain, ein Wartungsunternehmen der Niederländischen Eisenbahngesellschaft NS, wusste, dass beim Abschleifen der Eisenbahnwaggons der krebserregende Stoff Chrom-VI freigesetzt wurde. Allerdings teilte NedTrain diese Information nicht mit der Gemeinde Tilburg und dem Eisenbahnmuseum – den beiden anderen Partnern des umstrittenen Projekts.

Diesen Umstand bezeichnete van der Velden als schockierend. NedTrain habe darüber hinaus auch nicht auf die Beschwerden der Arbeiter reagiert, als diese berichteten, dass das Arbeiten bei tROM nicht sicher sei. Die Arbeiter mussten nahezu ohne Schutzkleidung und Abzugsvorrichtungen die alten Züge schleifen. Durch das Schleifen wirbelte der Schleifstaub mit dem Chrom-VI-Anteil durch alle Räume der Halle. Der Untersuchungsausschuss bemängelte auch, dass die Sicherheitsvorschriften bei dem Reintegrationsbetrieb anders gehandhabt wurden, als normalerweise bei NS/NedTrain. Auch die Gemeinde Tilburg habe ihre Sorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern und Teilnehmern des tROM-Projekts verletzt, indem sie unter anderem nicht die Zusammensetzung des Schleifstaubs untersuchen ließ.

Der Tilburger Bürgermeister Theo Weterings entschuldigte sich nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses umgehend für das Leid, das Hunderten Tilburgern angetan wurde. Er schäme sich für das, was geschehen sei. Auch die niederländische Eisenbahngesellschaft NS entschuldigte sich und räumte Fehler ein.

Am vergangenen Montag stimmte der Tilburger Gemeinderat dem Vorschlag zu, den Betroffenen des Chrom-VI-Skandals von Tilburg eine Entschädigung von 7.000 Euro zu zahlen. Betroffene, die mittlerweile aufgrund des Stoffes erkrankt sind oder zukünftig erkranken, sollen darüber hinaus bis zu 40.000 Euro erhalten.

Einige Betroffene des Chrom-VI-Skandals wollen die Entschädigungsregelung der Gemeinde beim Richter anfechten, da sie mit einer höheren Entschädigung gerechnet hatten. Remco op ‘t Hoog, der 2010 für den Reintegrationsbetrieb tROM gearbeitet hatte, klagt seitdem über Probleme mit seinem Gebiss, er habe einige Zähne verloren und sein Zahnfleisch blute regelmäßig. Zwar wisse er, dass europäische Mediziner zu dem Schluss gekommen seien, dass Gebissprobleme nichts mit dem Stoff Chrom-VI zu tun hätten, doch wisse er ebenfalls, dass amerikanische Wissenschaftler dazu eine andere Meinung hätten und dass er seit der Arbeit für tROM diese Probleme habe.

Wie viele Menschen beim Arbeiten für das tROM-Projekt durch den Stoff Chrom-VI bisher erkrankt sind, ist nicht bekannt. Das Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt konnte nicht feststellen, ob alle Beschwerden der Betroffenen durch den giftigen Stoff verursacht wurden.