KULTUR: 2019 steht im Zeichen Rembrandts

Amsterdam, LM/NRC/Trouw, 05. Februar 2019

In den Niederlanden wurde in diesem Jahr erneut ein Rembrandtjahr ausgerufen, um den niederländischen Maler anlässlich seines 350. Todesjahres zu würdigen. Im ganzen Land gibt es über das Jahr verteilt 19 verschiedene Ausstellungen zum Thema „Rembrandt und das Goldene Zeitalter“. 10 Ausstellungen haben eine direkte Verbindung zu Rembrandt und seinem Schaffen, während sich die übrigen Ausstellungen mit dem Goldenen Zeitalter auseinandersetzen. Ende Januar wurde das Rembrandtjahr 2019 im Mauritshuis in Den Haag von Prinzessin Beatrix eröffnet. Dass die Eröffnungszeremonie in Den Haag stattfand, und nicht in Amsterdam, wo sich die meisten Rembrandt-Werke befinden, weist bereits auf die Tourismus-Strategien der Organisatoren von NBTC Holland Marketing hin: Die Aufmerksamkeit soll nicht weiter auf die sowieso schon von Touristen überfüllte Stadt gelenkt werden, sondern auf kleinere unbekanntere niederländische Städte.

Amsterdam wird trotzdem wieder im Fokus stehen – denn das Reichsmuseum zeigt vom 15. Februar bis zum 10. Juni die Ausstellung „Alle Rembrandts“, bei der zum ersten Mal alles von Rembrandt aus der eigenen Sammlung ausgestellt wird: 22 Gemälde, 60 Zeichnungen und 300 Radierungen. Im Sommer folgt die Ausstellung „Lang lebe Rembrandt“, für die das Publikum Kunstwerke einsenden darf, die von Rembrandt inspiriert wurden. Eine Auswahl dieser Kunstwerke soll dann im Reichsmuseum ausgestellt werden. Ebenfalls im Sommer beginnt die bereits angekündigte Restaurierung der Nachtwache, die öffentlich im Ausstellungsraum durchgeführt wird. Das Rembrandtjahr wird schließlich mit der Ausstellung „Rembrandt-Velásquez“ abgeschlossen. Der Museumsdirektor des Reichsmuseums, Taco Dibbits, bezeichnet Rembrandt als einen der besten Künstler überhaupt. Es sei somit eine der Hauptaufgaben des Reichsmuseums, Rembrandts Kunst für alle Generationen zugänglich zu machen. In diesem Jahr gehe es auch darum, Rembrandts Lebensgeschichte bekannter zu machen – über van Gogh oder Picasso wüssten die Leute bereits sehr viel, die Biografie von Rembrandt sei vielen jedoch nicht bekannt. Aus diesem Grund soll bei der Ausstellung „Alle Rembrandts“ vor allem der Mensch hinter den Kunstwerken im Fokus stehen. Oftmals würden die Zeichnungen und Radierungen viel über Rembrandt preisgeben und einen intimen Einblick in seine direkte Umgebung zulassen.

Doch nicht nur das Reichsmuseum in Amsterdam, sondern auch das Rembrandthuis an der Jodenbreestraat, wo Rembrandt von 1639 bis 1658 lebte und arbeitete, präsentiert ein umfangreiches Programm, um das Rembrandtjahr 2019 zu begehen. Zurzeit gibt es dort die Ausstellung „Rembrandt’s social network“ zu sehen, die erste von drei Ausstellungen in diesem Jahr. Zusätzlich fand bereits ein Rembrandt-Festival statt. Amsterdam wird folglich wohl oder übel weiterhin der Touristenmagnet schlechthin sein, auch wenn andere niederländische Städte mit ansprechenden Ausstellungen aufwarten. Wer wirklich alle Ausstellungen besuchen möchte, kann die Städte Middelburg, Dordrecht, Delft, Den Haag, Leiden, Haarlem, Hoorn, Enkhuizen und Leeuwarden besuchen.

Vor allem das Mauritshuis in Den Haag verfolgt diesmal ein besonderes Konzept: Es stellt alle 18 Werke von Rembrandt aus, die irgendwann einmal als „echte Rembrandts“ angesehen wurden. Von diesen 18 Werken wurde bei fünf Werken festgestellt, dass sie nicht von Rembrandt stammen, bei zwei weiteren bestehen noch immer Zweifel an der Echtheit. Hierbei handelt es sich um „Studie van een oude man“ aus dem Jahr 1650 und „Tronie van een oude man“, das zwischen 1630 und 1631 entstanden ist. Das Mauritshuis wird diese beiden Gemälde nach der Ausstellung „Rembrandt und das Mauritshuis“ selbst untersuchen, um weitere Hinweise auf den Künstler der Gemälde zu finden. In der Ausstellung geht das Mauritshuis offen mit den falsch zugewiesenen Gemälden um und macht genau das zum Thema: Warum wurde jedes der 18 Gemälde in die Sammlung aufgenommen und wie kam es dazu, dass einige später nicht mehr Rembrandt zugeordnet wurden?

Verantwortlich für den Großteil der „falschen“ Rembrandts ist der ehemalige Museumsdirektor Abraham Bredius. Zwar kaufte er ebenfalls einige der schönsten Werke Rembrandts, wie beispielsweise „Saul en David“ und „Homerus“, doch irrte er sich vereinzelt in seiner Einschätzung bestimmter Gemälde, die er erwarb. Ein Beispiel hierfür ist das Bild „Studie van een oude vrouw“, das Bredius 1890 kaufte. Schnell entstand eine Debatte über die mäßige Qualität des Portraits, über den „schiefen Mund und die ausdruckslosen Augen“. Trotzdem hatte Bredius das Gemälde als authentisches Rembrandt-Werk ausgestellt. Seit den fünfziger Jahren ist jedoch klar, dass das Gemälde von einem unbekannten Künstler stammt.

Da in den vergangenen Jahren immer wieder große Rembrandt-Ausstellungen stattfanden, zum Beispiel 2015 „Late Rembrandt“ im Reichsmuseum, und 2006 ebenfalls ein Rembrandtjahr gefeiert wurde, besteht die Gefahr, dass sich bei den Kulturtouristen eine gewisse Überdrüssigkeit einstellen könnte. Um dem entgegen zu wirken, hat jede Ausstellung im Rahmen des diesjährigen Rembrandtjahres ein anderes Thema, zusammen sollen die Themen eine Geschichte bilden – nur „Alle Rembrandts“ hat kein spezielles Thema.

NBTC Holland Marketing geht davon aus, dass 600.000 Besucher mindestens eine der Ausstellungen besuchen werden, davon werden ca. 250.000 vermutlich aus dem Ausland anreisen, vor allem aus Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Durch diese Touristen werden schätzungsweise 145 Millionen Euro in die niederländischen Kassen fließen. Das Rembrandtjahr wird folglich zusätzliche Touristen anspülen und vielleicht geht der Plan auf, und der ein oder andere Tourist findet nicht nur den Weg nach Amsterdam, sondern auch in eine der anderen sehenswerten Städte.