WIRTSCHAFT: Blokker-Käufer gefunden

Amsterdam, SF/NOS/NRC/Trouw, 1. April 2019

Der Familienkonzern Blokker blickt auf eine 123-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Doch Tradition und Erfahrung können auch vor tiefgreifenden Änderungen nicht schützen, denn die Einzelhandelskette wird nun aus der Familienhand genommen. Blokker – seit über zwei Jahren in der Krise – wird ab demnächst von dem bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Michiel Witteveen gemanagt. Der baldige Besitzer, der bis vor kurzem noch selbst einen passenden Käufer für Blokker suchte, ist jedoch kein unbeschriebenes Blatt: Witteveen entstammt der Familie hinter der gleichnamigen Damenmodekette. Die Hoffnung ist groß, dass der Neubesitzer das Überleben von Blokker sichern kann.

Michiel Witteveen genießt das volle Vertrauen der Familie Blokker. Nicht umsonst war er bislang als Aufsichtsratsvorsitzender in der Blokker Holding tätig. Das Unternehmen, das spezialisiert auf Haushaltswaren ist, unterhält Filialen in der Benelux und Surinam. Insgesamt beschäftigt der Konzern 4.700 Angestellte. In der Krise hat Blokker jedoch mehrere Tausend Stellen abgebaut, auch wurden rund 220 Geschäfte in Belgien und den Niederlanden geschlossen. Darüber hinaus musste sich die Blokker Holding von Subunternehmen wie dem Spielwarenhändler Intertoys oder der Deko-Kette Xenos trennen. Mit einem neuen Besitzer, so hoffte man, sollte die Krise, die sich nach dem Tod des jahrzehntelangen Geschäftsführers Jaap Blokker 2011 anbahnte, dann endgültig der Vergangenheit angehören. Ein schwerer Schritt für die Familie Blokker, deren Urgroßvater Jacob mit seinem Geschäft für günstige Eisen- und Holzwaren im Jahre 1896 den Grundstein für den Großkonzern legte.

Wie hoch der Kaufbetrag für Blokker sein soll, darüber gibt die Blokker Holding keine Auskunft. Fest steht aber, dass Witteveen eine Mitgift der Familie Blokker erhalten wird – ein Vertrauensbeweis. Im NRC Handelsblad ist die Rede von 280 Millionen Euro, die die Familie Blokker in den Konzern investieren will. Aus Unternehmenskreisen ist indes zu hören, dass der Betrag deutlich niedriger anzusiedeln ist. So oder so: Die Blokkers unterstützen Witteveens Kursänderung. Er möchte raus aus dem Hochpreissegment, denn Blokker hat bereits seit Jahren mit der Konkurrenz von Billiganbietern wie HEMA, Action oder bol.com zu kämpfen. Die Produktpalette soll dementsprechend umgestaltet werden; zudem möchte Witteveen weiter in IT-Systeme und moderne Vertriebszentren investieren. Der Umstrukturierung zum Trotz soll ein Versprechen von Witteveen aus dem letzten Jahr bestehen bleiben: „Es werden keine Geschäfte schließen.“

Die Gewerkschaft CNV reagierte erleichtert über den Blokker-Deal. „Für alle Beschäftigten sind das gute Neuigkeiten, weil man schon lange hörte, wie schlecht es um Blokker steht“, so Gewerkschafter Martijn den Heijer in der Tageszeitung Trouw. „Jetzt dämmert eine neue Zukunft.“ Mit dem Kauf wird Witteveen auch Eigentümer zweier Discountketten, Marskramer und Big Bazar. Wie gesagt, werden sich die Blokkers nicht gänzlich aus dem Konzern zurückziehen: Neben den zugesagten Millionen-Investitionen werden sie einen Großteil der Geschäftsimmobilien behalten. Für eine persönliche Stellungnahme war Neueigentümer Witteveen bisher nicht zu erreichen. „Er ist einfach kein Showman“, sagt PR-Experte Ernst-Jan Smids, der Witteveen seit Jahren kennt.