Nachrichten MÄRZ 2018


WIRTSCHAFT: Niederlassung der Hauptgeschäftsstelle von Unilever in Rotterdam

Rotterdam. LM/VK/NRC/Trouw 15. März 2018.

Die Hauptgeschäftsstelle von Unilever wird in Rotterdam niedergelassen. Dies gab der britisch-niederländische Konzern am Donnerstagmorgen bekannt. In den letzten Monaten haben die Niederlande und Großbritannien sich darum bemüht, die Hauptgeschäftsstelle im eigenen Land anzusiedeln. Da die Entscheidung nun zugunsten der Niederlande ausgefallen ist, wird Unilever juristisch gesehen ein niederländisches Unternehmen. Während der Beschluss für die Niederlande ein wirtschaftlicher Erfolg ist, stellt er für die britische Premierministerin Theresa May einen herben Rückschlag dar.

Bisher hatte der Lebensmittel- und Kosmetika-Konzern Unilever zwei Hauptgeschäftsstellen in Rotterdam und London. Der Hauptsitz in London wird geschlossen, somit befindet sich der einzige Hauptsitz dann in Rotterdam. Durch die Fusion der Hauptgeschäftsstellen soll die Firmenstruktur vereinfacht werden. Diese Entscheidung hat nicht nur Auswirkungen auf die Organisation des Konzerns, sondern auch auf die Börse. In Zukunft gibt es nur noch einen Unilever-Anteil. Bisher gab es getrennte niederländische und britische Anteile an der Börse. Der Konzern hinter Marken wie Dove, Axe, Knorr, Ben & Jerry’s und Omo zählt 3100 Arbeitnehmer in den Niederlanden und 7300 in Groß-Britannien. Weltweit beschäftigt Unilever 169.000 Arbeitnehmer. Neue Arbeitsplätze in Rotterdam werden durch die Umstrukturierung laut Unilever nicht geschaffen. 

Ein weiterer Grund für den Beschluss Unilevers, die britischen und die niederländischen „Hälften“ zusammenzufügen, ist der ungewollte Übernahmeversuch des amerikanischen Unternehmens Kraft Heinz im vergangenen Jahr. Unilever hatte das Angebot abgelehnt und stattdessen beschlossen, Maßnahmen zu ergreifen, um unerwünschte Übernahmeversuche zu verhindern. Zu diesen Maßnahmen gehören auch Kosteneinsparungen, weshalb die Doppelstruktur des Unternehmens infrage gestellt werden musste. Schon seit der Fusion der niederländischen Margarine Unie und der britischen Lever Brothers 1930 war der Konzern in zwei Zweige unterteilt. Diese Struktur stellte stets einen hohen Kostenpunkt dar, der durch eine einzige Hauptgeschäftsstelle nun aus der Welt geschaffen werden soll. Eine weitere Maßnahme zur Einsparung war der Verkauf der Brotaufstrich-Sparte im vergangenen Jahr. Zusätzlich soll die Logistikkette effizienter aufgebaut werden und auch die Werbung soll länger in Umlauf sein. Insgesamt ist es das Ziel Unilevers, bis 2020 sechs Milliarden Euro einzusparen.

Die Reaktion des niederländischen Wirtschaftsministers Eric Wiebes fiel sehr positiv aus. Es seien sehr gute Neuigkeiten, denn Unilever sei natürlich ein großartiges Unternehmen, äußerte Wiebes gegenüber der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Die Niederlande hätten gezeigt, dass im Land ein reizvolles Niederlassungsklima herrsche, das Land sei auf vielen verschiedenen Gebieten wettbewerbsfähig. Auch würde sich die Entscheidung Unilevers positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken. Der niederländische Gewerkschaftsbund FNV sieht das etwas kritischer und weist darauf hin, dass Unilever in der letzten Zeit vor allem Arbeitsplätze abgebaut habe. Die Veränderungen in Bezug auf die Hauptgeschäftsstelle sollen aber keine Folgen für die Arbeitnehmer in beiden Ländern haben.

Für die britische Regierung hingegen ist es keine gute Neuigkeit, dass die Hauptgeschäftsstelle in Rotterdam eingerichtete werden soll. Theresa May bemüht sich gerade darum, Groß-Britannien auch nach dem Brexit als attraktives Land für große Unternehmen zu präsentieren. Und große Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, sorgen für Betriebsamkeit und stimulieren die Wirtschaft.