Nachrichten Januar 2018


WIRTSCHAFT: Erneuter Betrug im Landwirtschaftssektor

Den Haag. LM/NRC/VK. 25. Januar 2018.

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Der Landwirtschaftssektor sorgt in den Niederlanden erneut für negative Schlagzeilen. Im großen Stil wurden Zahlen gefälscht, die die Phosphatregelungen betreffen. Quelle: NiederlandeNet/CC BY-NC-SA 2.0

Im letzten Jahr sorgte der Düngerbetrug in den Niederlanden für Schlagzeilen – in diesem noch jungen Jahr sind es nun falsch registrierte Kühe, die für Unruhe im Landwirtschaftssektor sorgen. Am Dienstag meldete die Landwirtschaftsministerin Carola Schouten der Tweede Kamer, dass Milchbauern offenbar im großen Stil ihre Kühe falsch registriert haben und dadurch gegen die Phosphat-Regelungen verstoßen haben. Die Nederlandse Voedsel- en Waren Autoriteit (NVWA) hat durch Stichproben 45 Betriebe ausgemacht, die Zahlen gefälscht haben.

Im letzten Jahr wurden neue Regelungen getroffen, um den Phosphatausstoß schnellstmöglich zu senken und somit den Europäischen Normen nachzukommen. Die Phosphatgrenze war in den vergangenen Jahren um Millionen Kilo überschritten worden, sodass der „Phosphatreduktionsplan“ im Jahr 2017 das Blatt wenden sollte. Die Lösung für das Phosphatproblem sollte darin liegen, weniger Kühe zu halten, denn weniger Mist bedeute automatisch auch weniger Phosphat. Die Phosphatregeln wurden komplizierter, Bauern müssen sich an eine bestimmte Menge Phosphat halten, die auf ihrem Bauernhof ausgestoßen werden darf, und diese Menge hängt von der Menge der Kühe ab, die sie im Juli 2015 hatten. Die Bauern müssen folglich eine konstante Anzahl von Kühen halten, um den Phosphatwert nicht zu überschreiten und können ihren Betrieb nicht ausbauen.

Damit der Phosphatausstoß eines jeden Bauernhofs im Blick behalten werden kann, müssen Bauern ihre Kühe registrieren und ebenfalls angeben, welche Kühe besamt wurden und somit Kälber erwarten und welche Kühe bereits gekalbt haben. Und hier bietet sich die Möglichkeit zum Betrug: Eine Kuh gilt als vollwertig bzw. erwachsen, wenn sie bereits gekalbt hat – hat sie noch nicht gekalbt, wird sie als Färse registriert. Für eine Kuh, die bereits gekalbt hat, wird eine Phosphateinheit von 1,0 berechnet, für Färsen lediglich eine Phosphateinheit von 0,5. Dementsprechend kann ein Betrieb mehr Kühe halten, wenn sich unter ihnen viele Färsen befinden, da der berechnete Phosphatausstoß durch die Färsen niedriger gehalten wird. Deshalb haben viele Betriebe in den Niederlanden angegeben, dass eine Kuh Zwillinge oder Drillinge bekommen hat, um andere Kühe vor dem Erwachsenen-Status zu schützen und somit mehr Färsen im System zu haben, sodass die Phosphat-Werte auf dem Papier niedriger sind.

Die Nederlandse Voedsel- en Waren Autoriteit kam dem Betrug auf die Schliche, weil sie unwahrscheinlich hohe Geburtenraten von Zwillingen und Drillingen im System feststellte. Normalerweise bekommen nur drei bis fünf Prozent der Kühe Zwillinge oder Drillinge. Im letzten Jahr waren es bei 5.700 Betrieben plötzlich fünf bis zehn Prozent und bei 2.000 Betrieben sogar mehr als zehn Prozent. Daraufhin überprüfte die NVWA 93 Betriebe, die unwahrscheinlich viele Zwillings- und Drillingsgeburten registriert hatten. Dabei kam heraus, dass von diesen 93 Betrieben 45 Betriebe die Zahlen gefälscht hatten. Diese Betriebe sind nun gesperrt. Sie dürfen keine Kühe zu- oder abführen, so lange die Administration nicht stimmt.

Die Bauernorganisation LTO Nederland zeigte sich überrascht, als am Dienstag bekannt gemacht wurde, dass viele Betriebe auf diese Art und Weise die Zahlen gefälscht hatten. Der neue Skandal erschütterte das Vorstandsmitglied Dirk Bruins. Er kritisierte, dass der Landwirtschaftssektor schon wieder für negative Schlagzeilen sorge und dass die Umweltregeln erneut nicht so genau genommen worden seien. Für den gesamten Landwirtschaftssektor sei das äußerst schädlich, so Bruins. Die Ministerin Carola Schouten sagte am Dienstag auch umgehend ein Experiment ab, bei dem es um weniger strenge Regeln für 700 Betriebe gegangen wäre. Das sorgt bei den entsprechenden Betrieben natürlich für Unmut.

Den bisherigen Untersuchungen zufolge scheint der Kälberbetrug organisiert gewesen zu sein. Selbst Betriebe, die im letzten Jahr nicht vom Phosphatplan betroffen waren, haben mitgemacht. Es seien also nicht nur einige „faule Äpfel“, die die Zahlen gefälscht haben, sondern ein großer Teil der Milchbauern. Damit ist das bisherige Vertrauen, das dem Landwirtschaftssektor vom Ministerium entgegengebracht wurde, langsam aber sicher verspielt. Nachdem Ministerin Schouten nach dem Düngerbetrug dem Sektor selbst die Initiative überließ, über Lösungen nachzudenken und ihn einen Plan aufstellen ließ, scheint der Kälberbetrug jetzt ein Skandal zu viel zu sein, der für den Landwirtschaftssektor höchstwahrscheinlich nicht folgenlos bleiben wird.