Nachrichten Januar 2018


WIRTSCHAFT: Kijkshop meldet Konkurs an

Zaltbommel. EF/NRC/VK/NOS/Trouw. 24. Januar 2018.

Scheine Big
Nach über 40 Jahren steht das niederländische Unternehmen Kijkshop nun vor dem Aus, Die Konkursanmeldung hat die Schließung von allen 70 Filialen zur Folge undd auch rund 400 Mitarbeiter verlieren nun ihren Arbeitsplatz, Quelle: Jurijn Timon de Vos/NiederlandeNet

Die niederländische Einzelhandelskette Kijkshop hat Konkurs angemeldet. Das teilte Björn Serving, ein schwedischer Investor und Geschäftsführer des Unternehmens Listérus & Partners, am Montagabend mit. Doch damit nicht genug: Mit der Konkursanmeldung werden außerdem alle 70 Filialen, die bis zuletzt versuchten, mit Online-Giganten wie MediaMarkt, bol.com und Coolblue zu konkurrieren, sowie die Zentrale und der Online-Shop des Unternehmens geschlossen. Rund 400 Mitarbeiter verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Serving ließ wissen, dass zurzeit von einem Insolvenzverwalter geprüft werde, ob ein Verkauf und ein damit verbundener Neustart einer abgespeckten Variante des Kijkshops möglich sei.

Bereits seit Jahren kämpft das Unternehmen, welches sich vor über 40 Jahren mit dem Verkauf von Non-Food-Artikeln wie Elektronik und Schmuck einen Namen gemacht hat, mit roten Zahlen. Allein seit 2014 musste die Einzelhandelskette einen Verlust von rund 20 Millionen Euro hinnehmen. Dies hatte zur Folge, dass im letzten Jahr bereits fast ein Viertel aller Filialen auf Veranlassung des schwedischen Unternehmens Listérus & Partners, welches die Einzelhandelskette Kijkshop im Jahr 2015 übernahm, schließen musste. Zu ihren Plänen gehörte eine drastische Veränderung der Verkaufsstrategie.

Die zahlreichen Filialen hatten sich einst dadurch ausgezeichnet, dass alle Artikel neben ausführlichen Produktbeschreibungen in Vitrinen ausgestellt waren. Eine Beratung durch einen fachkundigen Mitarbeiter war daher nicht von Nöten. Kunden, die sich für ein Produkt entschieden hatten, konnten die Artikelnummer auf ein dafür vorgesehenes Formular eintragen und diesen bei einem Mitarbeiter an der Kasse abgeben, der das Produkt lediglich aus dem Lager zu holen brauchte. Das damals noch innovative Konzept aus dem Jahr 1973, welches heute doch stark an eine Art Offline-Webshop erinnert, wurde nicht nur von den Kunden gut angenommen, sondern wirkte sich auch  günstig auf die dadurch überaus geringen Personalkosten aus. Zu den Hochzeiten zählte das Unternehmen mehr als 100 Filialen in den Niederlanden. Auch in Belgien war Kijkshop kurzzeitig mit 14 Filialen aktiv.

Dieses Konzept verlor über die Jahre allerdings stark an Effizienz. Außerdem veränderten sich auch die Einkaufsgewohnheiten vieler Menschen. Das Online-Shopping wurde immer beliebter. Zwar investierte Kijkshop sehr schnell in einen guten Webshop, der Wechsel vom Offline- zum Online-Shopping ging dennoch mit großen finanziellen Belastungen für die ansässigen Geschäfte einher. Letztendlich wurde sogar das Firmenlogo zu Kijkshop.nl verändert, um auf diese Weise den Online-Handel des Unternehmens zu betonen – sehr zum Entsetzen der Mitarbeiter, die der Meinung waren, dass die Chefetage sich nur noch sekundär für die einzelnen Filialen interessiere.

Im Laufe der Jahre wurden schließlich weitere Verkaufsstrategien ausprobiert. Beispielsweise wurden einzelne Artikel aus den Vitrinen geholt und in großen Behältern beziehungsweise auf Paletten als Angebot präsentiert. Darüber hinaus versuchten es einige Filialen mit jahrelangen ‚Alles muss weg‘-Kampagnen, die den Kunden suggerierten, es würde sich um einen Räumungsverkauf handeln, bei denen noch das ein oder andere Schnäppchen zu machen sei. In Wahrheit handelte es sich dabei allerdings um zweiwöchige, sich abwechselnde Rabattaktionen.

Von diesen Verkaufsstrategien nahm das schwedische Unternehmen im Jahr 2015 allerdings Abstand. Statt ortsansässiger Filialen setze Listérus & Partners auf Webshops, in denen Kunden ihre Empfehlungen zu bestimmten Produkten kundgeben konnten. Sofern sich Kunden nach eifrigem Austausch für ein Produkt entschieden hätten, würde dieses von Kijkshop geliefert. “Wenn wir uns nicht verändern, bin ich davon überzeugt, dass wir es nicht schaffen werden“, so Servings. Im August vergangenen Jahres brachte Kijkshop daher zusätzlich die Verbraucher-App ‚Kijk Bij Mij‘ auf den Markt. Das Konzept dieser App funktioniert wie folgt: Empfiehlt ein Verbraucher in einem Life-Gespräch über die App ein Produkt, welches dann auch gekauft wird, erhält derjenige, der das Produkt empfohlen hat, eine Provision. Für diese Online-Plattform sammelte Kijkshop im August vergangenen Jahres bei einer Crowdfunding-Kampagne etwa 1 Million Euro. Unabhängig von Kijkshop.nl bleibt diese App, die in den ersten sechs Wochen ihres Bestehens bereits 100.000 mal gedownloadet wurde, weiterhin bestehen. Wie sich die Lage rund um das Einzelhandelsunternehmen Kijkshop entwickelt, bleibt zunächst abzuwarten.