Nachrichten Januar 2018


GESELLSCHAFT: Die Aufnahmerituale niederländischer Studentenverbindungen geraten in die Kritik.

Hilversum. LM/NRC/VK. 11. Januar 2018.

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Durch die Reportage der niederländischen Fernsehsendung Rambam, für die Aufnahmerituale einiger Studentenverbindungen mit versteckter Kamera gefilmt wurden, geraten die Verbindungen erneut in die Kritik. Quelle: NiederlandeNet/CC BY-NC-SA 2.0

Die Aufnahmerituale von studentischen Verbindungen sorgen in den Niederlanden alljährlich für Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr führten die Aufnahmerituale an niederländischen Universitäten vermehrt zu ernsthaften Maßnahmen. Innerhalb eines Jahres wurden Studentenverbindungen in fünf Städten abgemahnt oder ihnen wurden die Zuschüsse gekürzt. Jetzt hat die niederländische Sendung Rambam, die für ihre enthüllenden Reportagen bekannt ist, geheime Aufnahmen von mehreren Aufnahmeritualen gemacht, was wiederum Konsequenzen für die Verbindungen hat.

In Groningen lief im letzten Jahr ein Essen einer Studentenverbindung in einem Sushi-Restaurant aus dem Ruder, in Delft zog sich ein Student während des Aufnahmerituals eine schwere Gehirnerschütterung zu und in Maastricht hatten sich Studenten die Zungen verbrannt, nachdem sie brühend heiße Getränke trinken mussten. All diese Vorfälle führten zu Bestrafungen der jeweiligen Studentenverbindungen. Dem Historiker Pieter Caljé zufolge, der sich auf Studentenkulturen spezialisiert hat, sei es nichts Neues, dass Universitäten versuchten, den Studentenverbindungen ihre Grenzen aufzuzeigen. Doch noch nie hätten so viele Universitäten gleichzeitig die ausschweifenden Aufnahmerituale sanktioniert. Das eingreifende Handeln der Universitäten könne mit der Groninger Studentenverbindung Vindicat atque Polit in Verbindung gebracht werden, die beispielsweise im Jahr 2016 in den Fokus der Berichterstatter rückte, als ein Anwärter mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus kam, nachdem sich ein Mitglied der Verbindung auf seinen Kopf gestellt hatte. Auch kam es aufgrund einer Bewertungsliste von weiblichen Studenten zu einer Sexismus-Debatte.

Die niederländische Fernsehsendung Rambam der Rundfunkanstalt BNNVARA hat eine Undercover-Reportage über die Aufnahmerituale verschiedener Studentenverbindungen gedreht, die heute Abend ausgestrahlt werden soll. Bei der Reportage wurden mehrere Studenten mit versteckten Kameras zu den Aufnahmeritualen geschickt. Die Aufnahmen haben schon jetzt für neue Sanktionen gesorgt. So sind die Studentenverbindungen UVSV aus Utrecht, zu der nur Frauen zugelassen sind und die RSC RVSV aus Rotterdam bei akademischen Feierlichkeiten nicht mehr willkommen. Ihnen wurden auch die Verwaltungsgelder gestrichen. Dass sogar die Bildungsstätten die Beziehungen mit den Stundenverbindungen abbrechen, ist ungewöhnlich, schreibt die niederländische Tageszeitung de Volkskrant und stellt die Frage, ob das die Kehrtwende in Bezug auf den Umgang mit Stundenverbindungen einläuten könne.

Rambam hat als erste Fernsehsendung heimlich Aufnahmerituale in Groningen, Utrecht, Leiden und Rotterdam gefilmt. Die Studenten, die die Aufnahmen gemacht haben, trugen Brillen, die mit Kameras ausgestattet waren und konnten so die Rituale aufnehmen. Für die Methode der versteckten Filmaufnahmen ist Rambam mittlerweile bekannt und steht dafür teilweise auch in der Kritik. Die Leitung der Rotterdamer Studentenverbindung kritisierte, dass die Aufnahmen von Rambam der Verbindung schaden würden.  Ein Interview mit der Tageszeitung NRC Handelsblad, das am Samstag erscheint, soll einige Darstellungen aus der Reportage zurechtrücken.
Die niederländische Tageszeitung NRC Handelsblad sprach mit dem Anwalt Otto Volgenant über die Methode der versteckten Kamera und fragte, ob dadurch nicht der Pressecodex verletzt werde, doch Volgenant sagte, dass die Aufnahmerituale der Studentenverbindungen ein Gegenstand der öffentlichen Debatte seien und anders nicht hätten gefilmt werden können. Deshalb sei die Methode der Fernsehsendung in diesem Fall gerechtfertigt.

Was heute Abend in der Reportage zu sehen sein wird, nahm die Tageszeitung de Volkskrant mit einem Artikel vorweg. So würde viel herumgebrüllt, manchmal würden Anwärter zu Handlungen gezwungen, ein Mädchen erzähle, dass es angespuckt wurde, ein anderes, dass sie ihre Medikamente für ihr Asthma habe abgeben müssen. Einige der Undercover-Studenten würden von ihren negativen Erfahrungen berichten, doch auch positive Erlebnisse würden geschildert – ein Aufnahmeritual könne also auf ganz verschiedene Weise durchgeführt und erlebt werden.

Die Reportage von Rambam hat auf jeden Fall bereits vor der Ausstrahlung dafür gesorgt, dass einige Studentenverbindungen sanktioniert wurden. Diese Reaktionen zeigen deutlich, dass die niederländischen Universitäten seit dem letzten Jahr in Bezug auf Studentenverbindungen härter durchgreifen und negative Ereignisse bei Aufnahmeritualen Konsequenzen mit sich bringen. Ob die Sanktionen und auch die Reportage von Rambam die Aufnahmerituale oder die Strukturen der Studentenverbindungen verändern werden, wird sich erst mit der Zeit zeigen.


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