Nachrichten Januar 2018


GESELLSCHAFT: Weniger Vorfälle in der SIlvesternacht in den Niederlanden

Amsterdam. SB/NRC/VK. 04. Januar 2018.

Flagge
Während des Jahreswechsels von 2017 auf 2018 kam es zu deutlich weniger Vorfällen als noch im Jahr zuvor, Dennoch gibt es ein Todesopfer zu beklagen. Die niederländische Polizei geht davon aus, dass illegales Feuerwerk an dem Unfall beteiligt war, Quelle: NiederlandeNet/CC BY-NC-SA 2.0

Rot, grün, blau, gelb – der Himmel erstrahlt in der Silvesternacht in den buntesten Farben. Alle umarmen sich, wünschen sich ein fröhliches neues Jahr. Aber auch brennende Autos, schwere Verletzungen durch Feuerwerk und Angriffe auf Polizisten, Rettungsdienstmitarbeiter und Feuerwehrleute gehören zum Jahreswechsel dazu. Diese negativen Begleiterscheinungen waren in den Niederlanden im vergangenen Jahr zu einem großen Problem geworden. So groß, dass lautstark über das Verbot von privatem Feuerwerk diskutiert wurde. Es kam nicht soweit – trotzdem wurden dieses Jahr mehr Maßnahmen ergriffen, um „de nacht van oud en nieuw“, wie es in den Niederlanden heißt, so friedvoll wie möglich ablaufen zu lassen.

Ein Toter, 472 Verletzte und 12,9 Millionen Euro Gebäudeschäden. Das war die alarmierende Bilanz des Jahreswechsels 2016/2017. Kritik an privatem Feuerwerk gibt es zwar schon länger in den Niederlanden, aber nach Bekanntgabe dieser Zahlen und einer hitzigen mediengetragenen Debatte formten die Feuerwerksgegner eine immer breitere Front. Im World Wide Web haben 1.200 Organisationen und 50.000 Privatpersonen im sogenannten Feuerwerksmanifest ihre Unterschrift für ein Verbot von Konsumentenfeuerwerk geleistet. Das sind noch mehr als im letzten Jahr. Damals waren es rund 900 Organisationen und 31.000 Menschen, die sich an dem Feuerwerksmanifest beteiligten. Tatsächlich scheint um das früher allseits beliebte Feuerwerk ein echter Richtungsstreit ausgebrochen zu sein. Die Fronten zwischen Feuerwerksgegnern und Befürwortern sind verhärtet. Während die Politik noch zögert, Schritte zu unternehmen, werden Institutionen wie der Onderzoeksraad voor Veiligheid und Stichting Maatschappij en Veiligheid immer nachdrücklicher. Sie wollen Knaller und Raketen verboten sehen und setzen stattdessen auf mehr professionelle Feuerwerksshows.

Trotz der öffentlichen Debatte blieben die Feuerwerksbestimmungen zum Jahreswechsel 2017/2018 ohne große Änderungen. Ähnlich wie letztes Jahr gaben die Niederländer insgesamt 68 Millionen Euro für Raketen, Böller und Co. aus. Die Anzahl der Niederländer (einer von fünf), die angaben, selbst Feuerwerk zünden zu wollen, ist seit Jahren konstant und änderte sich auch dieses Jahr nicht nennenswert. Vor allem junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren kaufen und zünden privat Feuerwerk.

Den ausgebliebenen Änderungen der Rahmenbedingungen zum Trotz ging die Zahl der Zwischenfälle in der Neujahrsnacht auf beinahe allen Ebenen zurück. So sank beispielsweise die Zahl der Zwischenfälle mit Feuerwerk um 27 Prozent von knapp 3.000 auf nur noch etwa 2.000 Vorfälle. Auch die Zahl der Übergriffe gegen Polizisten, Rettungsdienstmitarbeiter und Feuerwehrleute gingen merklich zurück und zwar von 77 auf nur noch 43 Prozent. Das meldeten sowohl die Polizei als auch das Openbaar Ministerie. Auch wurden 22 Prozent weniger Menschen festgenommen als im letzten Jahr. Gegen diesen allgemeinen Trend ist nur eine Zahl gestiegen. Es waren mehr Jugendliche in Zwischenfälle verwickelt als noch im Jahr zuvor. Bezogen auf die „Großen Vier“: Utrecht, Amsterdam, Den Haag und Rotterdam, fiel nur die letztgenannte Stadt negativ auf. Vor allem im Stadtteil Rotterdam-Rijnmond ging es heiß her. Dort bekamen Rettungsdienste und Feuerwehr mit 896 Hilferufen doppelt so viele Anrufe wie im Jahr zuvor.

Insgesamt sprach die Polizei jedoch in ihrem Pressebericht von einem „beherrschbaren Jahreswechsel“. Es wurde sowohl weniger zu früh abgeschossenes Feuerwerk registriert als auch weniger Vandalismus, wie zum Beispiel das in die Luft jagen von öffentlichen Mülltonnen und Abfallbehältern. Was aber sind die Gründe für die verhältnismäßig friedliche Nacht? Im bereits erwähnten polizeilichen Pressebericht benennt Liesbeth Huyzer dafür vor allem drei Gründe. Zum einen habe die Polizei mit dem Näherrücken des neuen Jahres vermehrt den Verkauf von illegalem Feuerwerk bekämpft. Zum anderen waren in der Nacht selbst mehr Kräfte der Polizei mobilisiert worden und schließlich habe auch das Wetter eine entscheidende Rolle gespielt. Bei Regen und mäßigen bis starken Böen waren viele Menschen schlicht zu Hause geblieben.
Auch dieses Jahr ist jedoch ein Toter zu beklagen. Bereits am Samstagmittag starb ein 39-jähriger in Swifterbant, ein kleines Dorf in der Provinz Flevoland. Noch sind die genauen Umstände seines Todes nicht geklärt. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass der 39-Jährige illegales Feuerwerk angezündet hatte. Die zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren, die Zeuge des Unglücks wurden, haben keinen körperlichen Schaden erlitten.

Trotz des Rückgangs der Zwischenfälle birgt die Silvesternacht große potentielle Risiken. Die Diskussionen um das Feuerwerk werden also auch im Jahr 2018 vermutlich nicht verstummen. Dabei ist das Zünden von Feuerwerk tief in der europäischen DANN verankert. Bereits im 15. Jahrhundert wurde Feuerwerk gebraucht, um Hochzeiten, Geburten und Taufen zu zelebrieren. Damals wurde das Feuerwerk häufig noch von Apothekern hergestellt. Anfang des 19. Jahrhunderts eröffnete im niederländischen Leeuwarden die erste Feuerwerkskörperfabrik. Damals war es jedoch nicht die Nacht des Jahreswechsels, in der Feuerwerk vor allem am Himmel zu sehen war. Viel eher galt der Mai als Feuerwerksmonat, da hier die meisten Bauernhochzeiten stattfanden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Feuerwerk schließlich zu einem Symbol des Wohlstandes. Das alles  ist nachzulesen in „Vuurwerk door de eeuwen heen“ von Historiker Jan Lenselink. 

Im Jahr 2015 nahm das Nederlands Centrum voor Volkscultuur en Immaterieel Erfgoed das Zünden von privatem Feuerwerk an Silvester in der Liste der zu wahrenden Traditionen auf. Risiko gegen Tradition: Ein Dilemma, für das es schon jetzt futuristische Lösungsvorschläge gibt. So plädiert Maxim Hartman von der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad für ein Feuerwerk, das nur über Kopfhörer zu hören ist. Digitales Feuerwerk? Die Zukunft verspricht spannend zu werden. Auch in Sachen Feuerwerk.