Nachrichten Februar 2018


POLITIK: Der ehemalige Ministerpräsident Ruud Lubbers ist gestorben

Rotterdam. LM/NRC/VK. 15. Februar 2018.

Am vergangenen Mittwoch ist Ruud Lubbers, der langjährige Ministerpräsident der Niederlande, im Alter von 78 Jahren in Rotterdam gestorben. Rudolphus Franciscus Marie Lubbers, besser bekannt als Ruud, hat mit seiner Politik vor allem die 1980er Jahre in den Niederlanden geprägt. 21 Jahre lang hat Lubbers eine Hauptrolle in der niederländischen Politik gespielt. 12 Jahre davon bekleidete er das Amt des niederländischen Ministerpräsidenten.

Ruud Lubbers war schon früh ein Unternehmer, ein echter Macher. Schon im Alter von 24 Jahren musste er in Krimpen aan den Ijssel die Firma seines Vaters übernehmen, da dieser plötzlich verstorben war. Zusammen mit seinem Bruder musste er die Leitung der Firma Hollandia übernehmen. Während er den Betrieb weiterführte, war er Mitglied im katholischen Arbeitgeberverband Christelijke Jonge Werkgevers Vereniging und trat der KVP (Katholische Volkspartei) bei. Als Den Uyl, der Parteivorsitzende der PvdA, auf der Suche nach mehr oder weniger progressiven Katholiken für sein Kabinett war, wurde er auf Lubbers aufmerksam und so fand sich dieser 1973 mit gerade mal 34 Jahren in der Rolle des Wirtschaftsministers wieder und wurde später zum Parteivorsitzenden der CDA.

1982 wurde Lubbers schließlich zum Ministerpräsidenten gewählt. Lubbers Regierungsstil zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass er immer lösungsorientiert und zielgerichtet war. Es zählte weniger, wie ein Problem gelöst wurde, sondern viel mehr, dass Probleme gelöst wurden. Dieser Führungsstil führte zu Lubbers Spitznamen „oplossingenmachine“ (dt. Lösungsmaschine) oder „variantenman“ (dt. Variantenmann). Von der amerikanischen Wochenzeitschrift wurde er „Ruud Shock“ getauft, nachdem er zwei Jahre im Amt war. Lubbers war ein Mann vom Fach: Er kannte jeden Bericht bis ins kleinste Detail, er interessierte sich nicht für die eine richtige Lösung, sondern suchte nach realistischen, praktisch ausführbaren Möglichkeiten. Bei dieser Suche zeichnete er sich durch unermüdliche Vernunft, Geduld und Flexibilität aus. Der niederländische Politiker Elco Brinkman (CDA) sagte über Lubbers: „Er ist die Personifikation eines Kompromisses“. Mit dem Begriff „No-nonsense“ wurde Lubbers Herangehensweise oftmals betitelt. Er sei ein gut abwägender Ministerpräsident gewesen, der immer auch noch Raum für Progressives gelassen hätte, so die niederländische Tageszeitung De Volkskrant. Auch Lubbers selbst sagte im Jahr 2000, dass die „pragmatische no-nonsense Politik“ das Gesicht seiner Politik gewesen sei.

1989 teilte Ruud Lubbers mit, dass er keine weitere Regierungsperiode im Amt des Ministerpräsidenten bleiben wolle und äußerte, dass Elco Brinkman ein vielversprechender Kandidat sein könne. Doch seine Meinung änderte sich und so kamen auch die Namen Andriessen, Deetman und Kooijmans ins Gespräch. Am Ende gab Lubbers bekannt, er würde für Ernst Hirsch Ballin stimmen. Das Verhalten Lubbers‘ bezüglich seines Nachfolgers und der große Stimmenverlust bei der Wahl hinterließen einen faden Beigeschmack in Bezug auf die ansonsten sehr positiv wahrgenommene Amtszeit Lubbers‘.

Lubbers verließ die Welt der Parteipolitik und wollte Präsident der Europäischen Kommission werden, doch der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) verhinderte dies mit einem Veto. Lubbers hatte Kohl zur Zeiten der Wiedervereinigung gegen sich aufgebracht, da er sich äußerst zurückhaltend zur Wiedervereinigung geäußert hatte. Daraufhin wurde Lubbers für das Amt des NATO-Generalsekretärs vorgeschlagen, doch diesmal sprachen sich die Amerikaner gegen Lubbers aus. Im Jahr 2001 wurde Lubbers schließlich UN-Flüchtlingskommissar. Von diesem Amt musste er im Jahr 2005 aufgrund von Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurücktreten, doch beteuerte er stets seine Unschuld. Als Lubbers wieder in die Niederlande zurückgekehrt war, setzte er sich für Nachhaltigkeit und den Umweltschutz ein.

Die niederländische Tageszeitung NRC Handelsblad betitelt Lubbers anlässlich seines Todes als „übermäßig intelligente Sphinx, die ihren Stempel auf die 1980er Jahre gedrückt hat“, während die niederländische Tageszeitung De Volkskrant Lubbers als „Mitgestalter der Niederlande, wie wir sie heute kennen“ bezeichnet. Die beiden Zeitungen sind sich demnach darin einig, dass Ruud Lubbers seine Spuren in der Geschichte der Niederlande hinterlassen hat.