Nachrichten Februar 2018


BILDUNG: Nachbarsprachen im Fokus

Den Haag. LM/NRC/VK. 06. Februar 2018.

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Immer weniger Niederländer sprechen Deutsch oder Französisch – stattdessen gilt die englische Sprache als inoffizielle Zweitsprache der Niederländer. Einer Studie zufolge sollte das jedoch geändert werden. Quelle: NiederlandeNet/CC BY-NC-SA 2.0

Der Deutschunterricht und der Französischunterricht spielen an niederländischen Schulen nur noch eine unbedeutende Nebenrolle. Eine Studie der Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen (KNAW) rückt jetzt die Bedeutsamkeit der Nachbarsprachen und auch der eigenen Landesprache näher in den Fokus. Die äußerst intensive Nutzung der englischen Sprache hingegen wurde kritisiert.

Die Zeit, in der die meisten Niederländer mühelos Französisch und Deutsch sprechen konnten, ist vorbei, resümiert Aleid Truijens, Redakteurin der niederländischen Tageszeitung De Volkskrant. Auch eine gute Ausbildung sei schon lange kein Garant mehr dafür, dass jemand die Sprachen der Nachbarländer beherrsche. Stattdessen, so Truijens, würden alle nur noch eine einzige moderne Fremdsprache sprechen: Englisch. Das Fach Englisch sei ein fakultatives Prüfungsfach, wohingegen Deutsch und Französisch nur noch Wahlfächer sind.  Daraus resultiert, dass nur noch 17 Prozent der niederländischen Schüler im Sekundarbereich Französisch als Prüfungsfach wählen und nur noch 32 Prozent das Fach Deutsch.

Aus der immer geringer werdenden Schülerzahl in den Fremdsprachen Deutsch und Französisch resultiert, dass es immer weniger Studenten der deutschen und  französischen Philologie gibt. Daraus folgt wiederum, dass es immer weniger Übersetzer und Lehrer für diese Sprachen gibt und dass immer weniger Spezialisten auf den Gebieten der deutschen und französischen Kultur in den Niederlanden ausgebildet werden. Durch die geringere Bedeutung, die diesen Fächern in der niederländischen Unterrichtslandschaft beigemessen wird, entsteht somit eine Art Teufelskreis, der dazu führt, dass die beiden Nachbarsprachen immer weiter aus dem niederländischen Alltag verdrängt werden.

Gleichzeitig gerät die englische Sprache vermehrt ins Fadenkreuz. In den Niederlanden gibt es viele Studiengänge, die auf Englisch angeboten werden. Viele Niederländer verwenden die englische Sprache im Alltag und auch im Arbeitsumfeld. So ist es für Arbeitnehmer aus dem Ausland, die langfristig in einer niederländischen Firma arbeiten, oftmals schwierig, die niederländische Sprache zu erlernen, da die niederländischen Kollegen meistens automatisch Englisch mit ihnen reden. Dadurch befinden sich die Arbeitnehmer in einer Art englischsprachigen Blase, die einer Integration entgegenwirken kann. Der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad zufolge sei Englisch als internationale Sprache nicht so selbstverständlich, wie viele Niederländer denken. Es sei noch immer sehr wichtig, dass Diplomaten über umfassende Sprachenkenntnisse verfügen. Auch dürfe man nicht vergessen, dass Deutschland und Frankreich die wichtigsten Handelspartner der Niederlande sind  – wären die Deutsch- und Französischkenntnisse der Niederländer besser, so könnten mit diesen Handelspartnern noch höhere Umsätze erzielt werden, gab Truijens in De Volkskrant zu bedenken.

Doch nicht nur die Nachbarsprachen, sondern auch die eigene Sprache soll wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Wer mangelhafte Schreib- und Leseleistungen erbringt, hat auf dem Arbeitsmarkt schlechte Chancen. In der KNAW-Studie wird deshalb dafür plädiert, dass der Unterricht so strukturiert werden muss, dass alle Einwohner der Niederlande ein Basisniveau für die niederländische Sprache in Wort und Schrift erreichen. Auch sei die eigene Sprache ein Sprungbrett für das Aneignen von weiteren Fähigkeiten in der Schule.

Insgesamt soll der Studie zufolge also der Fokus auf die Nachbarsprachen Deutsch und Französisch gerichtet werden, um wichtige Handelsbeziehungen fortführen zu können und den Kontakt zu den Nachbarländern nicht zu verlieren. Gleichzeitig sei ein bewussterer Umgang mit der englischen Sprache wünschenswert. Zusätzlich müsse auch die eigene Muttersprache gefördert und der Umgang mit dieser intensiviert werden. Die Zukunft liege nicht nur in der englischen Sprache, sondern in der Mehrsprachigkeit.


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