LANDWIRTSCHAFT: Biologische Milch lohnt sich

Den Haag, LM/CBS/VK, 18. Dezember 2018

Die biologische Produktion von Milch ist nicht nur für die Umwelt und die Tiere lohnenswert, sondern auch für niederländische Milchbauern. Zu diesem Schluss kam das niederländische Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS), das zum ersten Mal das Einkommen herkömmlicher Milchbauern und biologischer Milchbauern für den Zeitraum 2011 bis 2016 verglichen hat. Das Betriebsergebnis war 2016 bei Biomilchbauern durchschnittlich 13 Prozent höher als das der herkömmlichen Milchbauern.

Bis 2015 waren die Betriebsergebnisse herkömmlicher Milchbauern höher, als die der Biomilchbauern, doch seit 2013 sind die Preise der biologischen Milch nicht mehr an die Preise der normalen Milch gekoppelt. Als der Milchpreis in den Jahren 2015 und 2016 stark fiel, blieb der Milchpreis der biologischen Milch konstant. Dirk Strijker, Landwirtschaftswissenschaftler der Reichsuniversität Groningen, begründet die Preisstabilität der Biomilch folgendermaßen: Biomilch werde hauptsächlich auf nationaler Ebene konsumiert und der Konsum auf dieser Ebene sei meist stabil. Herkömmliche Milch sei hingegen der internationalen Konkurrenz ausgesetzt, wozu schließlich auch schwankende Preise gehörten.

Die niedrigen Preise der Jahre 2015 und 2016 führten schließlich auch dazu, dass viele niederländische Milchbauern auf die biologische Milchproduktion umgestiegen sind. Bionext, Interessenvertreter der biologischen Produzenten, gab im September 2017 bekannt, dass die Anzahl der niederländischen Biomilchbauern um 26,9 Prozent auf 481 Produzenten gestiegen ist. Auch in diesem Jahr schneiden die Biomilchbauern besser ab, als die herkömmlichen Milchproduzenten: Während der Umsatz im herkömmlichen Milchsektor um 6 Prozent fiel, stieg der Umsatz im biologischen Milchsektor um einen Prozent. Dass der Umsatz im Milchsektor niedriger ausgefallen ist, hat größtenteils mit dem Phosphatreduktionsplan zu tun, der Anfang dieses Jahres eingeführt wurde (NiederlandeNet berichtete). Viele Bauern mussten ihren Viehbestand verkleinern, um die Phosphatgrenzen einhalten zu können. Dadurch wurde die Milchproduktion um 2 Prozent gesenkt.

Die Erträge durch biologische Milchkühe waren laut dem CBS im Jahr 2016 höher als die Erträge durch herkömmliche Milchkühe. Pro biologischer Milchkuh betrugen die Betriebserträge durchschnittlich 4.900 Euro, bei einer herkömmlichen Kuh waren es lediglich 3.800 Euro. Allerdings müssen biologische Milchbetriebe auch mehr Geld investieren – im Jahr 2016 kostete eine biologische Milchkuh den Bauern ungefähr 3.700 Euro, während eine herkömmliche Kuh den Bauern 3.000 Euro kostete.

Die niederländische Landwirtschaftsministerin Carola Schouten kündigte im September an, mit der niederländischen Landwirtschaftspraxis brechen zu wollen. Man könne nicht fortwährend immer mehr zu immer niedrigeren Preisen produzieren. Zahlen des CBS belegen, dass dieser Trend in der niederländischen Landwirtschaft noch immer vorherrscht. Zwischen 1995 und 2018 stieg die Produktion um 25 Prozent – das Einkommen der Landwirte fiel jedoch gleichzeitig um 5 Prozent. Die wachsende Konkurrenz auf dem Weltmarkt und die damit einhergehenden Absatzpreise machen es den Landwirten nicht einfach. Zusätzlich sind auch die Preise für Erdgas und Tierfutter gestiegen. Die neue Studie des CBS zeigt jedoch, dass der Wechsel zur biologischen Produktion für Milchbauern eine lohnenswerte Alternative darstellen kann. Das durchschnittliche Betriebsergebnis eines biologischen Milchbetriebs lag im Jahr 2016 bei 96 Tausend Euro, was ungefähr 11 Tausend Euro mehr waren, als bei den herkömmlichen Milchbetrieben.

Der Anteil biologisch hergestellter Milchprodukte ist in den Niederlanden trotzdem weiterhin äußerst gering. Im dritten Quartal dieses Jahres lag der Umsatz der 17 Tausend Milchbauern ungefähr bei 1,4 Milliarden Euro, was fast 96 Prozent mehr sind, als der Umsatz der Biomilchbauern, die mit ca. 500 Betrieben ungefähr 52,4 Millionen Euro erwirtschafteten. Dieser Unterschied lässt sich auch auf andere biologische Sektoren der niederländischen Landwirtschaft übertragen. In den Niederlanden machen biologische Landwirtschaftsprodukte nur 3 Prozent des Marktanteils aus, womit die Niederlande im europäischen Vergleich schlecht dastehen – Österreich ist mit mehr als 20 Prozent der europäische Spitzenreiter.