BILDUNG: Abschlusszeugnis für Schüler im Praxisunterricht soll kommen

Den Haag, SF/NOS/NRC/rijksoverheid.nl, 04.Dezember 2018

Im niederländischen Schulsystem bildet der Praxisunterricht das niedrigste Niveau bei den weiterführenden Schulen. Schüler, die den Praxisunterricht besuchen, werden besonders praxis- und alltagsnah unterrichtet, oftmals sogar mit Bezug zu einer bestimmten Branche, in der sie später Arbeit finden können. Bisher ist die Vergabe eines Abschlusszeugnisses allerdings noch nicht landesweit geregelt. Der niederländische Minister für Schulwesen, Arie Slob (ChristenUnie), will dies nun ändern. Er findet: Die Schülerinnen und Schüler verdienen mehr Anerkennung – und endlich ein eigenes Zeugnis.

Der Praxisunterricht – beziehungsweise praktijkonderwijs – gehört zu den weiterführenden Schulformen und bereitet Kinder, die in der niederländischen Realschule wahrscheinlich überfordert wären, auf das spätere Berufsleben vor. Neben theoretischen Fächern wie Niederländisch, Englisch und Mathematik werden auch Berufsfächer unterrichtet. Hinzu kommen alltagsnahe Aufgaben, die die Schüler erledigen müssen, zum Beispiel einen Haushalt führen oder eigenständig reisen. Nach dem in der Regel fünfjährigen Praxisunterricht können sich die Schüler auf eine Stelle bewerben oder den Realschulabschluss (niederländisch: vmbo – voorbereidend middelbaar beroepsonderwijs) nachholen. Im Koalitionsvertrag des Kabinetts Rutte III ist der Ausbau des Praxisunterrichts zu einer „eigenständigen und vollwertigen“ Schulform festgeschrieben.

Ein Zeugnis für den erfolgreichen Abschluss des Praxisunterrichts wird indes nicht vergeben, weil die Schüler keine Abschlussprüfung ablegen. Das soll sich jetzt – mit Blick auf den Koalitionsvertrag – ändern. Momentan vergeben einige Praxisschulen bereits Zeugnisse an ihre Absolventen. Der Vorteil: Dank der Abschlusszeugnisse können die Schüler schwarz auf weiß ihre Leistungen belegen und ihren erreichten Abschluss mit Stolz vorzeigen. „Schüler im Praxisunterricht wollen genauso wie andere Schüler zeigen, was sie können“, sagt Minister Slob dem niederländischen Rundfunk NOS. Aus diesem Grund möchte Slob jetzt mit den Praxisschulen landesweit darüber beraten, welche Art von Abschlusszeugnissen am geeignetsten für die Absolventen ist. Wichtig ist: Ein Einheitszeugnis wird nicht kommen. Dafür ist der jeweilige Praxisunterricht zu individuell.

Ein weiteres Plus: Mehr Schüler wären durch ein Abschlusszeugnis motiviert, den vmbo-Abschluss nachzuholen. Diesen Antrieb möchte Schulminister Slob weiter stimulieren. Deshalb wird ab 2019 ein Probelauf in dreißig Praxisschulen gestartet. Ab dann wird es möglich sein, einzelnen Fächern, in denen die Schüler gute Leistungen erbringen, auf vmbo-Niveau zu belegen. Die Schüler sollen somit motiviert werden, nach ihrem Abschluss auf eine niederländische Realschule zu wechseln.