WISSENSCHAFT: Neue Methode zur Bestimmung des Fingerabdruckalters

Den Haag, LM/VK/ScientificReports, 14. November 2018

In Zukunft kann mithilfe einer chemischen Analyse vermutlich das Alter von Fingerabdrücken bestimmt werden. Diese Methode könnte bei der Aufklärung von Straftaten helfen – wenn ein Verdächtiger behauptet, die Fingerabdrücke stammten aus der Zeit vor der Tat, könnte diese Aussage überprüft werden, indem das Alter des Fingerabdrucks bestimmt würde. Marcel de Puit vom Niederländischen Forensik-Institut (NFI) konnte mit Kollegen der TU Delft und der Universität von Wageningen neue Erkenntnisse über Proteine gewinnen, die bei der Altersbestimmung helfen würden.

Ein Fingerabdruck ist im Prinzip eine Schmutzschicht, die aus Schweiß und Proteinen besteht und von der Haut stammt. In der Fachzeitschrift Scientific Reports wurde im November veröffentlicht, dass de Puit und sein Team fünf Proteine bestimmen konnten, die innerhalb der ersten Wochen ihre Konzentration verändern. Vier Strukturproteine der Haut (Keratine) und ein antimikrobielles Protein, das von Natur aus im Schweiß vorhanden ist, haben vielversprechende Eigenschaften, die der Altersbestimmung von Fingerabdrücken dienen könnten. De Puit weist jedoch darauf hin, dass es für die praktische Anwendung der Methode noch zu früh sei. Allerdings habe man jetzt bewiesen, dass es möglich ist. Seiner Meinung nach sei die praktische Anwendung innerhalb eines Jahres denkbar.

Annemieke van Dam arbeitet am AMC (Universitätsklinik Amsterdam) an einer anderen Methode zur Bestimmung des Fingerabdruckalters, bei der sie die Abdrücke mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Da die Proteine eines Fingerabdrucks langsam auseinanderfallen, verblasst die Farbe. Laut van Dam soll man mit dieser Methode bestimmen können, ob ein Abdruck frisch oder alt ist. Sie denkt, dass ihre Methode erst in 1-5 Jahren anwendbar ist, denn man müsse die Methode sehr gründlich testen, da sie über das Schicksal von Menschen entscheiden könne.

De Puit geht davon aus, dass die Proteine nicht nur Auskunft über das Fingerabdruckalter geben können, sondern auch darüber, ob die Person Drogen oder Medikamente einnimmt, bestimmte Ernährungsmuster vorweist oder ob der Abdruck wirklich von der Haut stammt. Wie häufig es schließlich zur Anwendung der Methode kommen könnte, ist noch nicht absehbar, de Puit fallen allerdings viele Fälle ein, bei denen sie von Nutzen gewesen wäre. Außerdem habe er gelernt, dass die Nachfrage zunimmt, sobald eine Methode in der Praxis genutzt wird.