GESELLSCHAFT: Leihmutterschaft für homosexuelle Paare vereinfacht

Leiderdorp/Elsendorp, SF/NOS/Trouw, 13.November 2018

Für viele homosexuelle Paare bleibt der Kinderwunsch nur ein Traum. Aus diesem Grund sehen sich zahlreiche solcher Paare gezwungen, die Erfüllung ihres Traums im Ausland zu suchen. Doch ab dem nächsten Jahr wollen zwei Kliniken in den Niederlanden Leihmutterschaft anbieten. Konkret bedeutet das, dass Frauen die Schwangerschaft für eine fremde befruchtete Eizelle übernehmen. Damit rückt nicht nur für homosexuelle Väter der Wunsch von der eigenen Familie in Reichweite, sondern auch für Elternpaare, die aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder haben können. Leihmutterschaft gegen Bezahlung soll jedoch verboten bleiben.

Anders als in Deutschland ist die Leihmutterschaft in den Niederlanden bereits legal, allerdings nur unter strengen Auflagen. Kommerzielle Leihmutterschaft ist verboten und soll das auch weiterhin bleiben. Wer einen Kinderwunsch hat, ihn aber aus vielfältigen Gründen nicht realisieren kann, muss aktuell aktiv nach einer Leihmutter suchen. Diese Suche gestaltet sich aber als schwierig. So ist Werbung in sozialen Netzwerken verboten. Viele Eltern mit unerfülltem Kinderwunsch gehen deswegen im Ausland auf die Suche. Das neue Angebot der Kliniken MC Kinderwens in Leiderdorp und Nij Geertgen in Elsendorp stellt allerdings keine Gesetzesänderung dar, sondern lediglich eine Ausweitung der bereits geltenden Möglichkeiten.

Die beiden Kliniken entschieden sich für unterschiedliche Leihmutterschaftskonzepte. In Leiderdorp muss die Leihmutter zugleich Eizellspenderin sein, in Nij Geertgen hingegen ist das nicht notwendig. Der Leihmutter kann dort auch die Eizelle einer Frau eingepflanzt werden, die mit den Vätern verwandt ist. Zwei weitere Kinderwunschzentren haben schon Interesse an dem Leihmutterschaftsverfahren angekündigt: Sowohl in Zwolle als auch in Amsterdam berät man zurzeit über eine Einführung eines Leihmutterschaftsprogramms für homosexuelle Paare. Einzig und allein in der Universitätsklinik Amsterdam können zurzeit nur heterosexuelle Paare eine Leihmutter aufsuchen. Zahlreiche Paare mit unerfülltem Elternwunsch, egal ob homo- oder heterosexuell, nehmen daher die Neuerung mit Begeisterung auf.

Weltweit gibt es nur wenige Länder, die Leihmutterschaft legalisiert haben. Thailand erlaubt beispielsweise jede Form der Leihmutterschaft, selbst kommerzielle. Diese Option ist in den Niederlanden jedoch nach wie vor untersagt. Seit 1994 ist die altruistische Variante der Leihmutterschaft allerdings legal. Nach der aktuellen Gesetzeslage ist die Leihmutter, die das Kind zur Welt bringt, automatisch die gesetzliche Mutter, auch wenn sie eine fremde Eizelle ausgetragen hat und dadurch nicht die biologische Mutter ist. Das Kind muss nach der Geburt folglich adoptiert werden. Ein Schritt, auf den es sich psychisch wie juristisch während der Schwangerschaft vorzubereiten gilt.

Für Kritiker ist mit der bestehenden Gesetzeslage bereits die Grenze der Ethik ausgereizt. René Hoksbergen, emeritierter Professor an der Universität Utrecht und Experte in Sachen Adoption, kritisiert etwa den Schritt der beiden Kliniken, vermehrt Leihmutterschaft anzubieten: „Man kann davon ausgehen, dass ein Kind mit der Art, wie es entstanden ist, ringen wird und dadurch Probleme bekommt“, sagt Hoksbergen gegenüber der Tageszeitung Trouw. Dass Eltern ins Ausland abwandern, wo Ausbeutung von Leihmüttern vorkommen kann, findet Hoksbergen ebenfalls problematisch. Er möchte deshalb eine europäische Lösung: „Es hält einen niemand zurück, wenn man ins Ausland geht. Hier steht das Menschenrecht, bei den eigenen Eltern aufzuwachsen, zur Debatte.“

Aber auch aus Sicht der Leihmutter selbst gibt es ethische Bedenken. Was passiert zum Beispiel, wenn sich die Leihmutter dazu entschließt, das Kind, das in ihrem Bauch herangewachsen ist, doch zu behalten? Die geltenden Gesetze erlauben es ihr, als gesetzliche Mutter das Kind zu behalten. Aber: Widerspricht das nicht dem Grundgedanken der altruistischen Leihmutterschaft? Auch Befürworter der Leihmutterschaft an sich monieren die klaffende Lücke zwischen Gesetz und Realität. Die Stiftung Meer dan Gewenst fordert die Politik nun auf, die Debatte über das politisch wie ethisch sensible Thema zu entfachen. „Die Zahl an Kindern, die von Leihmüttern zur Welt gebracht werden, wird zunehmen, die rechtliche Absicherung bleibt bisher aber aus“, kritisiert ein Sprecher der Stiftung.