WIRTSCHAFT: Blokker steht zum Verkauf

Amsterdam, SF/NOS/NRC/VK/FD, 12.November 2018

Egal ob in Nimwegen, Maastricht oder Enschede: Wer sich am Wochenende zum Einkaufen den Weg über die Grenze wagt, der kennt mit Sicherheit das Haushaltswarengeschäft Blokker mit seinem auffälligen Logo in Orange. Der Konzern hat allerdings seit Jahre mit einer schweren Krise zu kämpfen – und jetzt eine folgenreiche Entscheidung getroffen: Das familiengeführte Unternehmen steht zum Verkauf. Frischer Wind und neue Ideen seien nötig, heißt es aus dem Aufsichtsrat, der den Entschluss dem Financieel Dagblag mitteilte. Wie es mit den rund 430 Filialen in den Niederlanden, den 100 Geschäften in Belgien und den 8.000 Mitarbeitern weitergehen soll, ist bislang unklar.

„122 Jahre wurde Blokker aus Familiensicht gemanaget und manchmal ist es besser, mit einem neuen Blickwinkel auf die Sache zu schauen. Zum Glück sieht das die Familie auch so“, mit diesen Worten gab der Aufsichtsratsvorsitzende Michiel Witteveen den Verkauf des Haushaltswarenkonzerns bekannt. Vorausgegangen waren etliche Jahre der roten Zahlen und Umstrukturierungen. Erst im vergangenen Jahr verbuchte das Unternehmen einen Rekordverlust von 344 Millionen Euro – mehr als das Doppelte vom Verlust des Vorjahrs. Darüber hinaus wurden bereits alle Tochterketten verkauft, Filialen geschlossen und der übrige Bestand renoviert (NiederlandeNet berichtete). Das Fazit: alles umsonst. Zwar konnte sich das Unternehmen in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres leicht erholen, doch die erhoffte Kursänderung blieb aus.

Für den Wirtschaftsredakteur André Meinema gilt der Schritt, Blokker zu verkaufen, als unvermeidbar. Das größte Problem für das Unternehmen sei der Preiskampf mit anderen Anbietern und der zunehmenden Konkurrenz im Internet. „Die Geschäfte haben zwar noch ihren gewohnten Platz in den Einkaufsmeilen, aber die Leute gehen an ihnen vorbei“, so Meinema. Der Verkauf war folglich nur eine Frage der Zeit. „Es geht nicht anders. Die Familie schiebt ständig Geld nach, um Löcher zu stopfen und die Umbauarbeiten zu finanzieren. Der Schuldenberg wächst und irgendwann ist Schluss“, fügt Minnema hinzu.

Derweil finden Verhandlungen über eine Übernahme des Konzerns statt, nur mit wem die Gespräche geführt werden, ist unklar. So soll es nach Informationen des NRC Handelsblad Gespräche mit den niederländischen Private-Equity-Firmen Parcom und Waterland gegeben haben. Es soll aber auch Interessenten aus dem Ausland geben. Aufsichtsratschef Witteveen nannte die Nationalität eines Käufers bereits „unwichtig“. Möglicherweise behält nach einem Verkauf die Familie Blokker eine gewisse Beteiligung im Unternehmen, aber auch der Umfang dessen ist bisher unbekannt. Ein neuer Käufer würde zudem keine Schulden bei der Bank erben. Wie das Financieel Dagblad mitteilt, belaufen sich die Schulden von Blokker bei 150 Millionen Euro – mindestens. Möglich ist, dass die Schulden bei einem Verkauf schlicht erlassen werden. Des Weiteren könnte sich der Käufer bis zu 485 Millionen Euro bei der Witwe des ehemaligen und erfolgreichen Konzernchefs Jaap Blokker und bei dessen Bruder leihen.