LANDWIRTSCHAFT: Neue Ansätze für die niederländische Landwirtschaft

Den Haag, LM/NRC/VK, 31. Oktober 2018

Carola Schouten, die niederländische Ministerin für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität, wird am heutigen Mittwoch zum ersten Mal nach ihrem Amtsantritt vor einem Jahr ihren Haushaltsplan vor der Zweiten Kammer verteidigen. Schouten kündigte an, dass sie sich für die CRISPR-Cas-Methode aussprechen will. Zuvor hatte sie bekannt gemacht, dass sie sich für eine sogenannte Kreislaufwirtschaft im Landwirtschaftssektor stark machen will. Das erklärte Ziel der Ministerin ist es, die niederländische Landwirtschaft nachhaltiger zu machen.

Im Juli hatte der Europäische Gerichtshof das Urteil über die CRISPR-Cas-Methode gesprochen: Auch diese Ligth-Methode genetischer Modifikation falle unter die strengen Regeln genetischer Modifikation. CRISPR-Cas ist eine Methode, bei der Pflanzen genetisch verändert werden, um ihre Schwachstellen aus der DNA zu löschen. Bei der klassischen Veredelung von Pflanzen nimmt der Kreuzungsprozess verschiedener Pflanzen meist mehrere Jahre ein, um den gewünschten Effekt herbeizuführen. CRISPR-Cas beschleunigt diesen Prozess. Die Methode wird als Light-Methode bezeichnet, da lediglich die DNA einer Pflanze verändert wird. Bestimmte Gene können beispielsweise eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet werden.

Durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs hat Schouten keinen großen Spielraum. Trotzdem untersucht die Ministerin zusammen mit Firmen, Bauern und der Universität Wageningen zurzeit die Möglichkeiten für Experimente mit der CRISPR-Cas-Methode. Bert Lotz, Pflanzenforscher an der Universität Wageningen, fasst die Offenheit der Ministerin für diese Methode positiv auf. Es sei ein wichtiges Zeichen, dass sich die Ministerin für die Methode ausspreche, denn internationale und nationale Versuche hätten gezeigt, dass die Methode zu großen Nachhaltigkeitsfortschritten führen könnte.

Auch Rene Smulders, ebenfalls an der Universität Wageningen tätig, spricht sich für die Methode aus. Ihm zufolge gebe es keine Gründe dafür, die Technik nicht zu genehmigen. Smulders bezeichnet die CRISPR-Cas-Methode als eine Erweiterung unseres Werkzeugkastens: „Jetzt ist es so, als dürften wir nur mit einer Schreibmaschine arbeiten, obwohl der Computer erfunden wurde“. Würde man die neue Methode nicht nutzen, so würde die Landwirtschaft in Rückstand geraten. Er wünscht sich, dass die Ministerin bei der Europäischen Kommission darauf dringt, die CRISPR-Cas-Methode auf die Ausnahmeliste zu setzen, denn dadurch würden weniger strenge Regeln gelten.

Greenpeace hingegen findet die Einordnung der Europäischen Kommission sinnvoll. So könne zuerst eine Risikobeurteilung stattfinden, was wichtig sei, da die Nebenwirkungen, die die Methode haben könnte, noch nicht erforscht wurden und unbekannt sind.  Man müsse zuerst herausfinden, welche Auswirkungen CRISPR-Cas auf die Natur und die Gesundheit habe.

Neben der Befürwortung der CRISPR-Cas-Methode hat sich Schouten ebenfalls vor kurzer Zeit für die sogenannte Kreislauflandwirtschaft ausgesprochen. Bei der Kreislauflandwirtschaft wird vor allem die Verschwendung stark reduziert. Der Ackerbau, die Viehzucht und der Gartenbau sollen die eigenen Stoffe und beispielsweise die Reste aus der Lebensmittelindustrie verwenden. Alle Stoffe, die durch die Landwirtschaft freigegeben werden, sollen auch wieder in der Landwirtschaft verwertet werden. Der Stoffkreislauf soll somit möglichst geschlossen sein und ist deshalb besonders nachhaltig. Restprodukte wie Dünger, Nahrungsmittelreste oder Kompost sollen erneut Verwendung finden. Außerdem soll der Sektor möglichst viel erneuerbare Energie nutzen. Schoutens Ziel ist es, dass die Niederlande 2030 Spitzenreiter im Bereich der Kreislauflandwirtschaft zu sein, um die Zukunft der Lebensmittelversorgung sicherstellen zu können.

Mit der Einführung einer Kreislauflandwirtschaft und der Auslotung der Möglichkeiten der CRISPR-Cas-Methode versucht die Ministerin wichtige Schritte in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen und eine Brücke zwischen den beiden zerstrittenen Lagern der ökologisch ausgerichteten und der auf neue Technik ausgerichteten Landwirte zu schlagen.