MONARCHIE: Niederländischer Staatsbesuch in London

London, LM/NRC/VK, 24. Oktober 2018

Zum ersten Mal seit 36 Jahren stattet ein niederländisches Staatsoberhaupt der britischen Königin einen Staatsbesuch ab. Seit gestern sind König Willem-Alexander und Königin Máxima in London, um dort von Queen Elizabeth empfangen zu werden. Im Zentrum des Staatsbesuchs stehen die Beziehungen zwischen den Niederlanden und Großbritannien. Doch auch wenn das Thema Brexit keinen offiziellen Programmpunkt darstellt, nimmt es unterschwellig viel Raum ein.

Der britische Botschafter twittert in Den Haag seit Tagen unter dem Hashtag Celebrating Connections, während der niederländische Botschafter in London fleißig den Hashtag North Sea Neighbours verwendet. Die Botschaft sei deutlich, so die niederländische Tageszeitung NRC Handelsblad: Die Niederlande und Großbritannien seien Gleichgesinnte; zwei pragmatische Länder, die miteinander Handel betreiben wollten, und die einander schon Jahrhunderte vor einer Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft verbunden waren.

Doch auch wenn die Pflege der Beziehungen der Länder bereits eine so lange Tradition hat, ist da doch noch ein anderes Thema, das über allem schwebt: der Brexit. Gespräche über den Brexit gehören nicht zu den offiziellen Programmpunkten des Staatsbesuchs. Allerdings waren Willem-Alexander und Máxima am Dienstag vor dem Staatsbesuch in der Residenz des niederländischen Botschafters zu Gast, um mit in Großbritannien wohnhaften niederländischen Untertanen über ihre Brexit-Sorgen zu sprechen. Ebenfalls am Dienstagmorgen traf der niederländische Außenminister Stef Blok seinen britischen Kollegen Jeremy Hunt – bei diesem Treffen dürfte der Brexit wohl auch offiziell das Hauptgesprächsthema gewesen sein. Die Briten, so das NRC Handelsblad, übten bereits seit 2017 Druck auf Den Haag aus, seien um milde Reaktionen der Niederlande bemüht und berufen sich auf das gemeinsame, historische Band, das sie verbindet.

Wenn der Staatsbesuch eigentlich nichts mit dem Brexit zu tun haben soll, könnte man sich über seinen Zeitpunkt wundern. Doch für einen solchen Staatsbesuch gibt es ein strenges Protokoll, das eine lange Planung voraussetzt. Der Hauptgrund dafür, dass der letzte Staatsbesuch bei der britischen Monarchin 36 Jahre zurückliegt, liegt darin, dass britische Monarchen andere Staatsoberhäupter nur ein einziges Mal empfangen. Somit empfängt Elizabeth, die seit 1952 auf dem Thron sitzt, in dieser Woche ihren dritten, niederländischen Monarchen. Zudem reist die 92-Jährige Queen seit 2015 nicht mehr zu Staatsbesuchen ins Ausland. Auch im eigenen Land empfängt sie nicht mehr viele Staatsbesuche, in diesem Jahr ist es lediglich einer: Der von König Willem-Alexander und Königin Máxima. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass der Staatsbesuch schon sehr lange geplant gewesen ist – ganz unabhängig vom Brexit.

Willem-Alexander hatte in diesem Monat jedoch bereits in Gesprächen mit britischen Journalisten deutlich gemacht, dass es besser gewesen wäre, wenn die Briten in der EU bleiben würden. Auch vor zwei Jahren sprach sich der König bereits gegen den Brexit aus. „Die europäische Geschichte kann nur zusammen geschrieben werden“, sagte er damals im Europäischen Parlament.

Als der niederländische König schließlich am Dienstag vor den britischen Parlamentsmitgliedern sprach, schnitt er schließlich doch das Thema Brexit an: „Es bereitet uns aufrichtigen Kummer, zu sehen, dass ein enger Partner die Europäische Union verlässt“. Willem-Alexander ergänzte, dass man die Entscheidung selbstredend respektiere. Der Brexit sei kein Abschied, sondern ein neuer Beginn „einer unerschütterlichen, historischen Beziehung“. Ganz ohne das Thema Brexit konnte der Staatsbesuch in diesen Zeiten also nicht auskommen.