GESUNDHEIT: Impfkampagne gegen Meningokokken W

Brabant, LM/NRC/VK, 02. Oktober 2018

Impfstoffe gegen Meningokokken W wurden im September fast dreißig Mal öfter verkauft als in der ersten Hälfte des Jahres. Diese Zahlen veröffentlichte die Stiftung für pharmazeutische Kennzahlen (SFK), die die ausgeteilten Impfstoffe in niederländischen Apotheken zählt. Der Grund für die gestiegenen Verkaufszahlen des Impfstoffs liegt in der neuen, aggressiven Variante Meningokokken W in den Niederlanden. Bis einschließlich zum August dieses Jahres starben 18 Menschen an einer Infektion mit Meningokokken W. In den Jahren zuvor stellten die Meningokokken B den aggressivsten und gefährlichsten Serotyp der Krankheit in den Niederlanden dar. Seit Mai werden bestimmte Altersgruppen zur Impfung gegen mehrere Serotypen der Meningokokken aufgerufen.

Meningokokken sind Bakterien, die bei vielen Menschen in der Nase oder im Rachen leben, ohne Probleme zu verursachen, sofern sie nicht in die Blutbahn gelangen. Wenn dies den Bakterien jedoch gelingt, können sie ernste Krankheiten wie Hirnhautentzündungen hervorrufen oder zu Blutvergiftungen führen. Einer von zehn Patienten stirbt im Durchschnitt an den Folgen der Meningokokken. Teilweise können die Bakterien auch zum Anschwellen und Absterben von Gliedmaßen führen, was wiederum Amputationen nach sich zieht. Die Bakterien sind vor allem für ältere Menschen und Kinder gefährlich.

Die plötzliche Zunahme von Infektionen durch den Serotyp W hat in den Niederlanden in diesem Jahr zu einer Impfkampagne geführt. Das verabreichte Impfmittel soll vor den Serotypen A, C, W und Y schützen. Seit Mai können alle Babys ab 14 Monaten den neuen Impfstoff gegen die vier Serotypen bekommen. Seit Montag sind die 14-jährigen an der Reihe. Alle Jugendlichen, die zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2004 geboren wurden, wurden dazu aufgefordert, sich gegen die Meningokokken impfen zu lassen. Im Jahr 2019 sollen dann alle Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren geimpft werden. Da zurzeit nicht genug Impfstoffe verfügbar sind, um die Impfung umgehend bei der Risikogruppe der 14 bis 18-jährigen durchzuführen, finden die Impfungen gestaffelt statt. Aufgrund ihrer intensiven sozialen Kontakte kann sich der Virus besonders schnell unter Jugendlichen verbreiten. Darüber hinaus sind sie öfter Träger der Bakterien als andere Altersgruppen. Ungefähr einer von fünf Jugendlichen ist Träger der Meningokokken. Die Wahrscheinlichkeit, an den Erregern wirklich zu erkranken, sei jedoch sehr gering, so das niederländische Gesundheitsamt.

Im Jahr 2002 kam es zu einer ähnlichen Situation wie jetzt mit dem Serotyp W: Der Serotyp C sorgte für eine plötzliche Zunahme der Krankheit, sodass ein Impfstoff gegen diese Variante ins nationale Impfprogramm aufgenommen wurde. Während einer umfassenden Aufholimpfaktion konnten sich alle 1- bis 18-jährigen impfen lassen. Diese Maßnahme war offenbar effektiv: In den letzten Jahren sind nur noch äußerst wenige Menschen in den Niederlanden am Serotyp C erkrankt. Im Jahr 2016 sind lediglich 6 Patienten an dieser Variante erkrankt – alle wurden aufgrund Ihres Alters nicht während der Impfaktion geimpft.

Experten kritisieren, dass es erst jetzt zu Impfmaßnahmen gegen den Serotyp W kommt. Die Regelungen zum Anfordern von Impfstoffen und zum Durchführen von Impfkampagnen seien zu streng. Die Impfaktion kann nun nur schrittweise durchgeführt werden, weil die Regierung relativ spät die Impfstoffe bestellt habe. Allerdings liege das vor allem an den Regelungen, die ein schnelleres Eingreifen verhindert hätten. Aus diesem Grund fordern die Experten eine Anpassung der Regelungen zur Einführung neuer Impfstoffe.

Das Gesundheitsamt hat sieben Kriterien aufgestellt, die erfüllt werden müssen, damit ein Impfstoff in das nationale Impfprogramm aufgenommen wird. Es muss sich um eine ernsthafte Krankheit handeln, die eine große Bevölkerungsgruppe betrifft. Zusätzlich muss eine dringende Notwendigkeit für die Volksgesundheit bestehen und der Impfstoff muss sicher und kosteneffektiv sein. Das letzte Kriterium wird nun von den Experten in die Kritik genommen. Sie fordern, dass die Meningokokken als gefährliche Krankheit kategorisiert werden und für Impfstoffe gegen diese Bakterien somit mehr Geld zur Verfügung steht.

Nachdem es in diesem Jahr zu mehreren Todesfällen durch den Serotyp W gekommen war, haben viele Eltern eigenmächtig ihre Kinder gegen die Meningokokken impfen lassen und dafür selbst gezahlt. Dadurch werde die Gesellschaft jedoch gespalten: So gebe es Menschen, die sich die Impfung leisten könnten und ihre Kinder somit schützen könnten, und Menschen, die sich die Impfung nicht leisten können. Um diese Ungerechtigkeit zu verhindern, soll die Regierung mehr Geld in neue Impfstoffe und die Bereitstellung dieser investieren, so die Experten.

In England werden Kinder und Jugendliche schon seit 2015 gegen Meningokokken B und W geimpft. In den Niederlanden steht der Beschluss über den Serotyp B noch aus. Dieser war einige Jahre lang der aggressivste Serotyp, doch sind in den letzten Jahren weniger Menschen daran erkrankt. Ende des Jahres wird darüber entschieden, ob auch eine Impfung gegen den Serotyp B in das nationale Impfprogramm aufgenommen wird.