WIRTSCHAFT: Ryanair schließt Standort in Eindhoven

Eindhoven, SF/NRC/FNV/eindhovenairport.nl, 1. Oktober 2018

Wer in diesem Sommer in den Urlaub fliegen wollte, musste mitunter Geduld mitbringen: Die irische Billigfluglinie Ryanair brachte den Flugverkehr teilweise zum Erliegen. Grund dafür waren Arbeitskämpfe der Beschäftigten in ganz Europa (NiederlandeNet berichtete). Nachdem sowohl am 10. August als auch am 28. September Streiks der Piloten und des Kabinenpersonals durchgeführt worden sind, greift Ryanair nun zu einem drastischen Mittel: Der Standort in Eindhoven soll geschlossen werden. Das gab der Konzern am Montagmorgen bekannt.

In einer Pressemitteilung von Eindhoven Airport heißt es, dass die Schließung zunächst nur auf das Wintergeschäft beschränkt sei. Demnach soll ab dem 5. November bis Ende März der Flugverkehr von Ryanair eingeschränkt werden. Damit fielen 15 bis 20 Prozent der Flüge von oder nach Eindhoven Airport aus und 100 bis 150 Ryanair-Beschäftigte verlören ihre Arbeitsstelle. Auch die Standorte in Bremen und Weeze sollen geschlossen werden, sodass auch deutschen Angestellten ein Arbeitsplatzverlust droht.

Laut Ryanair sind die Arbeitskämpfe indes nicht der einzige Grund, weshalb die Fluggesellschaft Standorte schließen möchte. Auch der steigende Ölpreis mache sich negativ bemerkbar. Zudem verlören immer mehr Fluggäste das Vertrauen in den irischen Billiganbieter. Für das dritte Quartal seien etwa weniger Buchungen registriert worden als bisher erwartet. Alles in allem machen sich diese Rückschläge in der Unternehmensbilanz bemerkbar: Die Gewinnprognose für dieses Jahr musste Ryanair im Zuge dessen von 1,35 Milliarden Euro auf 1,10 bis maximal 1,20 Milliarden Euro herunterkorrigieren.

Für die Arbeitnehmer in Eindhoven, Weeze und Bremen beginnt nun eine Zeit der Unsicherheit. Die Arbeitskämpfe, die dieses Jahr stattgefunden haben, verfolgten im Kern ein Ziel: die Durchsetzung des niederländischen Arbeitsrechts, das den Beschäftigten höhere Sozialstandards zugesteht als das von Ryanair favorisierte irische Recht. Weitere Kritikpunkte sind die Scheinselbstständigkeit unter Piloten sowie der Druck auf die Angestellten, häufige Wohnwechsel in Kauf nehmen zu müssen. Die Pilotengewerkschaft VNV zeigt sich indes unbeeindruckt von den Ankündigungen des Flugkonzerns: Ryanair hätte schon des Öfteren mit Standortschließungen gedroht, doch im Grunde genommen sei es nie dazu gekommen. VNV zufolge habe die Methode Ryanairs einen Namen: "Angst sähen."

Aus der Chefetage von Ryanair wird unterdessen Kritik an den Gewerkschaften laut. Die Streiks, die in den Niederlanden und Deutschland, aber auch in Portugal, Spanien und Belgien stattfanden, nennt die Unternehmensführung „unnötig und ungerecht.“ Dabei verweist sie auf die Einigungen, die Ryanair mit den Gewerkschaften in Großbritannien und Italien erreichen konnte. Konzernchef Michael O’Leary kommentiert die Standortschließungen indes mit Gelassenheit: „Wir hoffen, unseren Piloten Stellen an anderen Standorten anzubieten, doch dank des Überschusses an Kabinenpersonal für die Wintersaison sehen wir unter anderem auch unbezahlten Urlaub als Möglichkeit an, den Stellenabbau zu begrenzen.“ Asmae Hajjari vom niederländischen Gewerkschaftsbund FNV findet die Haltung O’Learys zynisch: „Für uns ist es absolut inakzeptabel, dass das Personal dazu angehalten wird, binnen weniger Wochen umzuziehen, die Arbeit an einem anderen Standort in Europa wieder aufzunehmen oder andernfalls zu kündigen.“ Hajjari sieht dies als große Gefahr für die gut 40 Ryanair-Piloten und die mehr als 100 Beschäftigten in den Kabinen, die am Eindhoven Airport tätig sind.