WIRTSCHAFT: Luftfahrtbranche wächst – Ryanair kündigt Streik an

Den Haag, SF/NOS/NRC/CBS/FNV/VNV, 25. September 2018

Tourismus und Luftverkehr sind ein bedeutendes Standbein der niederländischen Wirtschaft: Dank zahlreicher ausländischer Touristen meldet das Zentrale Statistikamt der Niederlande CBS einen ordentlichen Zuwachs von fast 7 Prozent im Tourismussektor. Heute veröffentlichte das CBS eine Studie zu den insgesamt fünf Flughäfen in den Niederlanden. Die erfreuliche Nachricht: Die Luftfahrtbranche wuchs im zweiten Quartal 2018 mit rund 4 Prozent verglichen mit demselben Quartal des Vorjahres. Weniger erfreulich für die Fluggäste ist jedoch, dass Piloten von Ryanair am Freitag die Arbeit für 24 Stunden niederlegen möchten. Damit setzt sich der Arbeitskampf fort, den die Beschäftigten seit diesem Sommer in ganz Europa führen.

Egal ob Amsterdam-Schiphol, Groningen-Eelden, Rotterdam-The Hague, Eindhoven oder Maastricht-Aachen: Alle Flughäfen in den Niederlanden verzeichnen Passagierzuwächse. Insgesamt flogen 21,2 Millionen Menschen im zweiten Quartal in die Niederlande oder verließen das Land über einen Flughafen. Den Großteil kann der Amsterdamer Flughafen Schiphol mit 18,8 Millionen Neupassagieren für sich verbuchen. Damit setzt sich das seit 2010 anhaltende Wachstum in Schiphol fort, allerdings im geringsten Ausmaße seit fünf Jahren. In Sachen Handelsverkehr muss Schiphol indes eine leichte Abnahme hinnehmen. Jedoch kratzte der Flughafen mit seinem Handelsverkehrsaufkommen im letzten Jahr bereits an der gesetzlich vorgeschriebenen Obergrenze von einer halben Millionen Handelsflügen jährlich.

Relativ gesehen ist jedoch Maastricht-Aachen der Gewinner unter den Flughäfen. So kann der kleine Flughafen im Süden des Landes ein Plus von 49 Prozent mehr Reisenden zum Vorjahr verbuchen. Grund dafür ist unter anderem die weitreichende Ausweitung von Zielflugorten der türkischen Luftfahrtgesellschaft Corendon Airlines, die ab Maastricht-Aachen fliegt. Dennoch: Das Passagieraufkommen auf Maastricht-Aachen trägt nur weniger als 1 Prozent zum Gesamtvolumen auf allen Flughäfen der Niederlande bei.

Trotz des Wachstums im Luftfahrtsektor sorgt die irische Billigfluglinie Ryanair für Wirbel. Seit diesem Sommer ist das Unternehmen fast wöchentlich in den Schlagzeilen. Der Grund: Die Ryanair-Beschäftigten streiken gegen die Arbeitsbedingungen. Mitte August scheiterten die Tarifverhandlungen zwischen Ryanair und der niederländischen Gewerkschaft FNV bereits. FNV fordert Ryanair auf, die Beschäftigten in den Niederlanden nicht länger unter irischem Arbeitsrecht anzustellen. Dies bietet für die Angestellten weitaus weniger Arbeitsschutz. So zahlen die Arbeitnehmer oftmals zwar Sozialbeiträge, können aber weniger Sozialleistungen in Anspruch nehmen, als es ihnen laut niederländischem Arbeitsrecht gestattet wäre. Nach den gescheiterten Verhandlungen griffen die Gewerkschaften in Europa zu einem drastischen Mittel: Am 28. September soll die Arbeit des Kabinenpersonals in den Niederlanden, aber auch in Belgien, Portugal, Spanien und Italien für 24 Stunden still stehen.

Zuvor hoffte Gewerkschafterin Asmae Hajjari vom FNV auf ein Einlenken bei der Aktionärsversammlung am 20. September. Die gewünschte Wende blieb indes aus. Im Gegenteil: Der nicht unumstrittene Firmenchef Michael O’Leary will am Kurs der Billigfluggesellschaft festhalten. Rücktrittsforderungen ignoriert er konsequent. Hajjari schließt nun nicht aus, dass sich weitere Länder dem europäischen Streik anschließen werden. Nun gaben auch die in den Niederlanden stationierten Piloten ihre Unterstützung für den Arbeitskampf bekannt. Die Vereinigung niederländischer Verkehrspiloten VNV kritisiert ebenfalls die arbeitsrechtlich fragwürdigen Methoden von Ryanair. Zudem fordern die Piloten ein Krankheitsgeld und die Beendigung der Scheinselbstständigkeit. Klar ist nun: Am 28. September wird keine Ryanair-Maschine aus den Niederlanden starten. Der Arbeitskampf von Kabinenpersonal und Piloten wird als allerletztes Signal an den Konzern gesehen. Die Frustration bei den Angestellten ist deutlich zu spüren. Ihr Absicht hat mittlerweile schon einen passenden Slogan gefunden: #RyanairMUSTchange.