UMWELT: The Ocean Cleanup geht in nächste Runde

San Fransciso, SF/theoceancleanup.com/utopia.de/CBS, 24. September 2018

Das Bewusstsein für Umweltprobleme steigt in den Niederlanden. Vergangene Woche veröffentlichte das Zentrale Statistikamt der Niederlande CBS die neusten Zahlen zum Thema: 85 Prozent der Niederländer gaben demnach an, besorgt über den Zustand der Umwelt zu sein. Ein Grund dafür ist nicht zuletzt der Plastikmüll, der Böden und Gewässer verunreinigt. Der 24-jährige Student Boyan Slat aus Delft möchte in Sachen Plastikmüll nicht untätig bleiben. Aus diesem Grund gründete er 2013 das Projekt The Ocean Cleanup, das dem Plastik in den Meeren den Kampf ansagte. Mit Erfolg: Am 8. September begann die größte Aktion zur Säuberung der Meere. Rund zwei Wochen wird es allerdings noch dauern, bis sie den Plastikstrudel im Pazifischen Ozean erreichen wird. Bis dahin wird die Technik auf den Einsatz im offenen Meer vorbereitet und erprobt.

Schon im Jahr 2011 beschloss Slat, gegen den Plastikmüll vorzugehen. Der Auslöser war ein Griechenlandurlaub, bei dem Slat am Strand und im Meer mehr Müll als Fische zu Gesicht bekam. Das Problem daran: Das Plastik zerfällt über Jahre in mikroskopisch kleine Einzelteile. Dieses sogenannte Mikroplastik verunreinigt das Wasser und ist nur schwer herauszufiltern. Nach und nach gelangen die winzigen Plastikteilchen in die Nahrungskette. Somit stellt das Plastik nicht nur eine Gefahr für die Umwelt, sondern auch für den Menschen dar. Für Slat stand sofort fest: Der Plastikmüll muss aus den Ozeanen gefischt werden.

Zunächst konnte Slat kaum Unterstützer für sein Projekt finden. Doch 2012 wurde er zu einer TEDx-Konferenz in Delft eingeladen, um vor breitem Publikum sein Vorhaben zu erklären. Das Video mit dem Titel How the Oceans Can Clean Themselves, das auf YouTube aufgerufen werden kann, ging in kürzester Zeit viral. Ungefähr 2,8 Millionen Menschen hörten sich bis heute Slats TEDTalk an, in dem er seine Vision von der Meeressäuberung vorstellte. Schon war ein weiterer Meilenstein im Kampf gegen den Plastikmüll erreicht, an den sich eine aufwändige Machbarkeitsstudie sowie ein umfangreiches Crowdfunding anschlossen. Heute kann Slat auf die Unterstützung der niederländischen Regierung hoffen, die ihm bei der Umsetzung seines Ocean Cleanups den Rücken stärkt.

Slats Idee ist simpel: Mit einer Art riesigen Meeresstaubsauger soll der Pazifische Müllstrudel aufgesaugt werden, ehe das Plastik in Mikroplastik zerfällt. Mit der Unterstützung von Ingenieuren und Wissenschaftlern entwickelte Slat das System 001, das den Plastikstrudel, der übrigens rund fünfmal größer als die Bundesrepublik Deutschland ist, aus dem Pazifik entfernen soll. Der Riesenstaubsauger ist in einer U-Form konstruiert worden und frisst – um es in den Worten Slats zu sagen – den Müll wie ein gigantischer PacMan auf. Durch meterlange Fangarme wird der Plastikmüll im Wasser aufgefangen und in einem Containerschiff gesammelt. Der eingesammelte Plastikmüll soll schließlich recycelt werden, damit daraus Gebrauchsgegenstände aller Art hergestellt werden können. Wie die Technik genau funktioniert, können Interessierte in einem YouTube-Video nachschauen.

In der Bucht von San Francisco wurde das System 001 gebaut. Dort fand am 8. September letztendlich auch der Projektstart statt. Seitdem wird der Staubsauger von Schiffen bis zum Plastikstrudel gezogen. Trotz aller Euphorie wird aber auch Kritik an The Ocean Cleanup laut: Kritiker monieren, dass die Aufräumaktion schlicht utopisch sei. Das Problem des bereits vorhandenen Mikroplastik im Wasser und des Mülls, der auf den Meeresgrund gesunken sei, werde dadurch nicht gelöst. Das stimmt, doch auch wenn die Aufräumaktion nicht ganz frei von Idealismus ist, ist es immer noch besser, an einer Utopie zu arbeiten als untätig zu bleiben. Zu diesem Fazit kam auch die Machbarkeitsstudie, die im Vorfeld ausgeführt worden war. Die Forscher schlussfolgerten, dass The Ocean Cleanup aller berechtigten Kritik zum Trotz lohnend sei.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Publicity rund um das Projekt sorgte weltweit für Aufsehen. Das Plastikproblem ist in aller Munde und immer mehr Menschen überdenken ihr Konsumverhalten. Nachhaltiger Konsum wie Zero Waste und plastikfreie Produkte liegen im Trend. Zudem: Nach CBS-Angaben ist ein gutes Drittel der Niederländer dazu bereit, mehr Steuern zu zahlen, wenn die Einnahmen der Umwelt zugutekommen. Inwiefern The Ocean Cleanup zum gesteigerten Umweltbewusstsein der Niederländer beiträgt, hat das CBS natürlich nicht untersucht. Klar ist jedoch: Der Sensibilität für das Plastikproblem wird Slats Projekt in jedem Fall nicht geschadet haben.