WIRTSCHAFT: Albert Heijn führt Bezahlsysteme ohne Kassen ein

Amsterdam/Zaandam, SF/NOS/ah.nl, 24. September 2018

1887 wurde im niederländischen Städtchen Oostzaan ein kleiner Krämerladen an den Nachfolger vererbt, der sich bis zum heutigen Tage mit fast 1.000 Filialen in die größte Supermarktkette der Niederlande entwickelt hat: Die Rede ist von Albert Heijn. Albert Heijn steht seit jeher für Innovation in der Warenvielfalt, doch nun wagt der Lebensmittelriese einen neuen Fortschritt: In zwei Amsterdamer Albert Heijn to go-Filialen werden jetzt Bezahlsysteme ohne Kassen erprobt. Das kassenlose Bezahlen funktioniert per Kundenkarte oder App. Kritiker sehen darin allerdings eine große Gefahr für die Beschäftigten an der Kasse, die um ihre Jobs fürchten.

Anfang des Jahres begann der US-amerikanische Konzern Amazon mit dem Trend des kassenlosen Zahlens. Eine Supermarktfiliale von Amazon in Seattle kommt seitdem ohne Kassen aus. Die Kunden müssen lediglich ihre Waren mit dem Smartphone über eine App einscannen und können im Anschluss daran den Supermarkt wieder verlassen. Amazon bucht den Rechnungsbetrag vom Konto des Kunden ab; ein Sicherheitssystem mit Kameras und Sensoren überwacht indes, dass keine Produkte aus den Regalen gestohlen werden.

Albert Heijn möchte jedoch einen anderen Weg als Amazon einschlagen: Die Kunden scannen mit einer speziellen tap to go-Karte die Produkte direkt am Regalfach, aus dem sie sich bedienen. Alternativ können die Kunden von Albert Heijn to go auch ihre Einkäufe auf einer Android-App einscannen. Nach dem Verlassen des Supermarkts wird der Gesamtbetrag automatisch abgebucht. Kunden, die dem neuen System misstrauen, können sich immer noch an die herkömmlichen Mitarbeiter an der Kasse wenden oder eine Selbstbedienungskasse benutzen. Aber: Bislang soll das neue Bezahlsystem nur erprobt werden. Sollte sich die gesammelte Erfahrung als positiv herausstellen, überlegt Albert Heijn weiter, in welchem Ausmaß das neue System eingeführt werden soll.

Ein ähnliches Bezahlsystem, bei dem die Kunden statt an der Kasse per QR-Code zahlen, gibt es bereits in einem Spar in Utrecht. Der Lebensmittelsupermarkt möchte nach dem erfolgreichen Test des Zahlungssystems nun weitere Spar-Märkte auf kassenloses Bezahlen umstellen. Bei Amazon sind es derweil vier Filialen, die ohne Kassen auskommen – Tendenz steigend: Das US-Nachrichtenunternehmen Bloomberg meldet, dass Amazon insgesamt 3.000 kassenlose Supermärkte eröffnen möchte. Bislang liegt aber diesbezüglich kein Statement vom Internetgiganten und Neuling in der Lebensmittelbranche vor.

Kritiker werfen Albert Heijn vor, mit der Umstellung aufs kassenlose Zahlen Stellen abbauen zu wollen. Ein Vorwurf, den Unternehmenschef Jan-Willem Dockheer von sich weist. Ihm zufolge soll das Kassenpersonal nun Serviceaufgaben übernehmen und Kunden beim Einkauf beraten. Auch sei nun ein schnelleres Auffüllen der Supermarktregale erforderlich, das die Mitarbeiter übernehmen sollen, so Dockheer. Stellen wolle Albert Heijn im Zuge der Transformation nicht abbauen, heißt es bisher.