UMWELT: Baldige Öffnung des Haringvlietdams


Südholland,
LM/NRC, 06. September 2018

In Kürze werden die Schleusen des Haringvlietdams in Südholland geöffnet, damit Wanderfische zwischen dem Meer und den Flüssen hin und her schwimmen können. Die Fische könnten dann bis nach Deutschland schwimmen und sich in den Flüssen vermehren, sodass sich der Fischbestand vergrößern würde. Die Öffnung des Damms ist also eine Entscheidung für die Natur, die allerdings einen großen Einfluss auf die direkte Umgebung des Haringvlietdams hat – denn Salzwasser kann man nicht folgenlos ins Land strömen lassen.

Schon seit fünfzehn Jahren fordern europäische Länder die Öffnung des Haringvlietdams, der sich in den Niederlanden zwischen Voorne-Putten und Goeree-Overflakkee befindet. Der Haringvlietdam schließt das Haringvliet, das eine trichterförmige Flussmündung des Rheins darstellt. Jetzt sollen die Schleusen zum Spui vermutlich in zwei Monaten teilweise geöffnet werden. Bis es zur Umsetzung der Forderung kommen konnte, mussten unzählige Maßnahmen ergriffen werden. Philip Wolfer, dem Projektleiter der Wasserbehörde Hollandse Delta zufolge, mussten Pumpstationen und neue Eintrittspunkte für den Landbau und das Trinkwasser gebaut werden, es wurden Graben und Kanäle angelegt, über die das Wasser zu den Nutzern gelangt. Es mussten Häuser abgerissen und Grundstücke gekauft werden. 75 Millionen Euro mussten für diese Maßnahmen aufgebracht werden – 52 Millionen wurden von der Hollandse Delta bezahlt, 17 Millionen vom Trinkwasserbetrieb Evides und 5 Millionen hat der Staat übernommen.  

Die Ursache für die vielen Maßnahmen liegt im Salz. Denn sobald die Schleusen zum Teil geöffnet werden, gelangen nicht nur Fische, sondern auch das Salzwasser in die Gewässer. Aus diesem Grund wurde eine Grenze festgelegt, bis zu der das Salzwasser strömen darf. Diese Grenze wird stets kontrolliert, so Projektleiter Pieter Beeldman vom Rijskwaterstaat, der obersten Straßen- und Wasserbaubehörde. Beeldman warnt, dass das Wasser im Spui nicht salzig werden dürfe, denn dann würden beispielsweise große Probleme für die Landwirte, für den Rotterdamer Hafen und das Westland entstehen. Dieser Sommer habe deutlich gemacht, wie bedrohend ein zu hoher Salzgehalt im Nutzwasser sein kann.

Der Widerstand gegen den Beschluss über den Haringvlietdam war deshalb in den letzten zehn Jahren sehr groß. Beeldman spricht von vielen Gesprächsrunden und Sprechstunden, die für die Bevölkerung angeboten wurden. Es habe viel Zeit gekostet, den Leuten zu erklären, dass die Politik einen Beschluss gefasst hat, der auch negative Folgen für die Region haben könne, aber dass man alles daran setze, diese zu kompensieren. Wolfert stellt zufrieden fest, dass man letztendlich alle Grundstücke und Häuser, die für die Maßnahmen nötig gewesen seien, friedlich habe erwerben können. Niemand wurde zum Verkauf gezwungen.

Naturschützer hingegen haben schon lange die Öffnung der Schleuse gefordert und freuen sich auf die baldige Umsetzung. Der politische Berater Bas Roels vom Wereld Natuur Fonds spricht von einem historischen Moment: Die Verriegelung des Haringvliets vor fünfzig Jahren sei eine ökologische Katastrophe gewesen. Der Beschluss zur Öffnung der Schleuse sei ein erster Schritt in die richtige Richtung – in die Richtung einer echten Flussmündung mit süßem Flusswasser und salzigem Meerwasser.

Naturschutzorganisationen haben sich im Rahmen der Schleusenöffnung um die Umsetzung verschiedener Projekte bemüht – es wurden eine kleine Insel, Fahrrad- und Wanderwege, Aussichtstürme und eine Vogelwarte errichtet. Der Beschluss zur Öffnung des Haringvlietdams sei der Anstoß für all diese Projekte gewesen, so Roels. Man wolle so viele Pläne wie möglich umsetzen, die der Natur zugutekommen und die die Natur für den Menschen erfahrbar machen. Die neu angelegte Insel ist sechs Hektar groß und liegt an der Mündung des Spui. Sie soll ein natürliches Habitat für Vögel darstellen. Durch die Öffnung der Schleuse soll der Fischbestand wieder anwachsen, wodurch die Vögel immer genügend Nahrung hätten. Der zuständige Förster Ted Sluijter wünscht sich Gewässer, die so fischreich sind, dass man dabei zusehen kann, wie ein Seeadler einen Lachs aus dem Wasser fischt. Man wolle einfach das natürliche System wiederherstellen.