BILDUNG: Bildungsministerin Van Engelshoven will Studienanfänger entlasten

Den Haag, SF/NOS, 03. September 2018

Sich in einer neuen Stadt zurechtfinden, Vorlesungen und Seminare besuchen, Kontakte knüpfen und das erste Mal auf eigenen Beinen stehen: Vor diesen Herausforderungen stehen jedes Jahr zahlreiche Studienanfänger. Passend zum Beginn des akademischen Jahres in den Niederlanden am 1. September legt Bildungsministerin Ingrid van Engelshoven von der linksliberalen Partei D66 einen Vorschlag zur Entlastung der Erstsemester vor: Sie will die sogenannte bindende Studienempfehlung (BSA) von 60 auf 40 ECTS-Punkte absenken. Aktuell gilt: Nur wer im ersten Studienjahr 60 ECTS-Punkte sammelt, darf sein Studium fortsetzen. Dies baue zusätzlichen Druck auf die Studierenden auf, den Van Engelshoven reduzieren will.

Das Studium in den Niederlanden ist anders aufgebaut als in Deutschland: Während hierzulande ein Studiengang in Semester gegliedert ist, zählt man jenseits der Grenze Studienjahre. An einer Universität in den Niederlanden beträgt die Regelstudienzeit üblicherweise drei, an Fachhochschulen vier Jahre. Pro Jahr sind die Studierenden dazu angehalten, 60 ECTS-Punkte zu erreichen. Schaffen sie dies nicht, müssen sie im nächsten Studienjahr die nicht bestandenen Prüfungsleistungen nachholen. Einzige Ausnahme: Wer im ersten Studienjahr die magische 60-Punkte-Grenze, auch BSA genannt, verfehlt, muss automatisch sein Studium beenden. Nur an wenigen Hochschulen gelten abweichende Regelungen: So genügen beispielsweise in Leiden, Delft und Eindhoven bereits 45 ECTS-Punkte, um das erste Jahr erfolgreich zu absolvieren.

Ursprünglich wurde der 1993 eingeführte BSA dazu genutzt, schwachen Studierenden unter die Arme zu greifen. Wer sich mit dem ersten Studienjahr schwertat, erhielt eine zusätzliche Förderung für den weiteren Studienverlauf. Aber mittlerweile wird der BSA vor allem als Selektionsinstrument genutzt. Dies belastet viele Studienanfänger, die sich ohnehin – fernab ihrer gewohnten Umgebung – in ihrer neuen Lebenssituation zurechtfinden müssen. Studien belegen, dass psychische und körperliche Beschwerden bei Studierenden in den Niederlanden zunehmen. Dieser Negativentwicklung will Van Engelshoven mit der Herabsenkung des BSA von 60 auf 40 ECTS-Punkten entgegenwirken.

Die D66-Ministerin befürchtet nicht, dass die Erstsemester die Neuerung ausnutzen würden. „Ich denke nicht, dass die Studierenden jetzt nur noch Partys machen. Ich finde es vor allem wichtig, dass sie sich entwickeln und nicht nur darauf aus sind, ihren Abschluss zu erlangen. Manche Studierenden brauchen Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Wir sollten ihnen diese Möglichkeit bieten“, so Van Engelshoven gegenüber der niederländischen Rundfunkstiftung NOS. Eine 40-Punkte-Grenze reiche zudem aus, um leistungsschwachen Studierenden neue Wege aufzuzeigen. Zur Eröffnung des neuen Studienjahres will die Ministerin bei einer Rede an der Universität Tilburg genauer auf ihren Plan eingehen.

Bei der Studierendengewerkschaft LSVb stieß der Vorschlag auf Anklang. Allerdings reiche er aus Sicht der Gewerkschaft noch nicht weit genug: „Wir wollen den BSA gänzlich abschaffen und den psychischen Druck von den Studierenden nehmen“. Diese hätten vor allem zu Beginn des Studiums oft damit zu kämpfen, das Studium, den Nebenjob und das Sozialleben unter einen Hut zu bekommen. Die studentische Interessensvertretung ISO begrüßt den Plan ebenfalls, fordert aber zusätzliche Begleitungsangebote für Erstsemester. Dies verbessere die Wirkung einer BSA-Absenkung.


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