KRIMINALITÄT: Durchbruch im Fall Nicky Verstappen – Eine DNA-Übereinstimmung führt zum mutmaßlichen Täter


Limburg,
LM/NRC/VK, 23. August 2018

Für den 1998 verübten Mord am damals 11-jährigen Nicky Verstappen gibt es einen Verdächtigen. Dies gab die Polizei der Provinz Limburg am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekannt. Verdächtigt wird der 55-jährige Jos B., der zur Tatzeit in Simpelveld gewohnt haben soll. Der Aufenthaltsort des mutmaßlichen Täters ist der Polizei zurzeit jedoch nicht bekannt.

In der Nacht vom 9. auf den 10. August 1998 verschwand der damals 11-jährige Nicky Verstappen aus einem Ferienlager auf der Heide in der Nähe der niederländischen Gemeinde Brunssum in der Provinz Limburg. Einen Tag später, am Abend des 11. August, wurde der Junge in einem Wald in der Nähe des Ferienlagers tot aufgefunden. Die polizeilichen Ermittlungen hatten lange keine Hinweise auf den mutmaßlichen Täter ergeben, doch in diesem Jahr kam es zu einem Durchbruch im Fall Nicky Verstappen.

Im Frühjahr wurde der größte DNA-Test der niederländischen Kriminalgeschichte durchgeführt. Bei dem ausgewählten Verfahren kann die DNA des Täters auch über die DNA von Verwandten bestimmt werden. Die Justiz hatte 21.500 Männer dazu aufgefordert, eine DNA-Probe abzugeben. Ausgewählt wurden Männer, die in der Nähe des Wohnortes von Nicky Verstappen oder in der Nähe des Ferienlagers leben oder gelebt hatten. Auch Familienmitglieder bereits verstorbener Männer, die in dem genannten Umkreis gelebt hatten, wurden berücksichtigt. Insgesamt gaben fast 15.000 Männer eine DNA-Probe ab. Der Tatverdächtige Jos B. reichte keine Probe ein. 

Zuvor hatte die Polizei 2017 nach der Ankündigung des Verwandtschaftstests erst noch einen autosomalen DNA-Test durchgeführt – einen herkömmlichen DNA-Test, bei dem eine DNA mit einer anderen DNA verglichen wird. Für diesen Test hatte die Polizei 1.500 Männer ausgewählt, die sich 1998 in der Näher der Brunssummer Heide aufhielten. Auf der Liste der Männer stand diesmal auch Jos B., dessen Personalien am 12. August von zwei Marechaussees, die den Tatort bewachten, aufgenommen wurden. B. war mit dem Fahrrad am Tatort vorbeigefahren und von den Marechaussees aufgehalten worden. Er gab sich als einfacher Passant aus, der nur Radfahren wollte, und wurde als solcher in den Akten aufgenommen. Aus diesem Grund kam er für den DNA-Test infrage. Jos B. reichte 2017 keine DNA-Probe ein und machte sich damit verdächtig.

Im März 2018 melden sich Verwandte von Jos B. bei der Polizei. B., ist ein sogenannter Bushcrafter, jemand, der sich mit dem Überleben in der Natur beschäftigt und Survival-Reisen unternimmt. Im vergangenen März hätte B. von solch einer Reise zurückkommen sollen – doch seine Familie hat ihn nicht mehr gesehen und auch nichts mehr von ihm gehört. Den letzten Kontakt hatten Familienmitglieder Ende Februar mit Jos B. Im April wird B. als vermisst gemeldet, weshalb die Polizei Gegenstände von B. mitnimmt, auf denen sich auch seine DNA befindet. Die Vermisstenmeldung überschneidet sich mit dem Fall Nicky Verstappen, weshalb die DNA für den DNA-Test verwendet wird. Die Probe führt zu einer 100-prozentigen Übereinstimmung mit der DNA, die auf Nicky Verstappens Kleidung gefunden wurde.

Die Polizei sucht jetzt nach dem mutmaßlichen Täter. Zuletzt wurde Jos B. in einem Basiscamp im französischen Saint-Marie-Aux-Mines gesehen. Angeblich habe B. vorgehabt, drei Wochen lang durch Deutschland zu wandern und dann in die Niederlande zurückzukehren, um dort seine Familie zu besuchen – doch B. kam nie bei seiner Familie an und ist auch nicht zu seinem Basiscamp zurückgekehrt. Seit seiner Abreise aus dem Basiscamp ist B. online nicht mehr aktiv gewesen. Die Polizei hält es für möglich, dass der Tatverdächtige abgetaucht ist und dies lange zuvor geplant haben könnte. Gegen B. läuft jetzt ein internationaler Haftbefehl.