SPORT: Elfstedentocht: Maarten van der Weijden erschwimmt 3,5 Millionen Euro für Krebsforschung

Leeuwaarden, SF/NOS/beter.nu/11stedenzwemtocht.nl 23. August 2018

Elf Städte, 200 Kilometer schwimmen, drei Tage im Wasser: So lautete das ambitionierte Ziel des Olympiasiegers und Ex-Schwimmweltmeisters Maarten van der Weijden. Er wollte die Elfstedentocht – zu Deutsch: Elf-Städte-Tour – bezwingen, um Geld für die Krebsforschung zu sammeln. Am 20. August fand sein Vorhaben ein Ende: Van der Weijden musste krankheitsbedingt nach 163 Kilometern und 55 Stunden im Wasser aufgeben. Was bleibt, sind nicht nur eine beeindruckende Leistung – sondern auch Spenden in Höhe von 3,5 Millionen Euro.

Die Elfstedentocht gilt in den Niederlanden als kulturelle Institution. Sie umfasst eine Strecke, deren Start und Ziel die friesische Hauptstadt Leeuwaarden ist. Allerdings wird der 200-Kilometer-Parcours nicht wie von Van der Weijden zum Schwimmen genutzt, sondern für den Eisschnelllauf. Zum ersten Mal wurde die Elfstedentocht im Jahre 1909 veranstaltet, zum bisher letzten Mal fand sie 1997 statt. Seitdem ist das Wasser nicht mehr ausreichend gefroren, um eine weitere Elfstedentocht zu veranstalten. Die Tour des Jahres 1963 gilt übrigens als die härteste, die jemals veranstaltet worden ist. Heftige Schneestürme und klirrende Kälte erschwerten den Teilnehmern das Eislaufen immens. Der damalige Sieger, Reinier Paping, zählt heute zu den Sportlegenden der Niederlande.

Bereits im vergangen Jahr gab Van der Weijden bekannt, sich auf die „Tour der Touren“ vorbereiten zu wollen. Dafür durchlief er ein intensives Konditions- und Schwimmtraining. Der Höhepunkt des Trainings: Van der Weijden durchschwamm den Ärmelkanal von Dover nach Calais – und wieder zurück. Damit gehört Van der Weijden zu den rund 30 Spitzensportlern, denen es jemals gelungen ist, den Ärmelkanal inklusive Rückweg zu durchschwimmen. Indes verpasste der Niederländer mit einer beachtlichen Leistung von 99,5 Kilometern in 24 Stunden knapp den Weltrekord für die Strecke: Dieser liegt bei 102 Kilometern in 24 Stunden.

Überhaupt zählt Van der Weijden zu den erfolgreichsten Schwimmern der Niederlande. 2008 errang er bei den Freiwasserweltmeisterschaften im spanischen Sevilla eine Bronze- und Goldmedaille. Dank dieser Leistung qualifizierte sich der Weltmeister im Freiwasserschwimmen auf 25 Kilometern für die Olympischen Spiele in Peking, die im selben Jahr veranstaltet wurden. Und auch dort konnte Van der Weijden einen Sieg verbuchen: Auf der Distanz von 10 Kilometern Freiwasserschwimmen errang der Weltmeister den ersten Platz – und damit die Olympische Goldmedaille.

Im Vorfeld der Elfstedentour konnte Van der Weijden zahlreiche Sponsoren an Land ziehen, darunter die Rabobank, Deloitte und andere namhafte Unternehmen. Darüber hinaus rief seine eigens gegründete Maarten-van-der-Weijden-Stiftung zu Spenden auf. Gegen Bezahlung durften Fans und Sponsoren einen Teil der Strecke mit dem Olympiasieger von 2008 mitschwimmen. All das sorgte letztlich für eine stolze Spendensumme von 3,5 Millionen Euro für die Krebsforschung.

Am Morgen des 18. August war es schließlich so weit: Van der Weijden stieg ins Wasser. Am Tag zuvor rieten Gesundheitsexperten den Amateuren allerdings davon ab, mit Van der Weijden mit zu schwimmen: Das Wasser wies eine hohe E.coli-Belastung auf. Ungeachtet dessen verfolgte der Top-Schwimmer sein Ziel. Mit Erfolg: Nach 55 Stunden und 163 Kilometern musste Van der Weijden krankheitsbedingt aufgeben. Der betreuende Arzt Marco Blanker hielt ein Weiterschwimmen für unverantwortlich: „Ihm war schlecht und nach einer 20-minütigen Pause, bei der Maarten schlief, musste er sich übergeben“, so Blanker. „Ich habe die Entscheidung getroffen, das Ganze abzubrechen. Maarten hatte keine Wahl. Wir hatten das Ziel vor Augen, etwas Fantastisches zu leisten – und ich denke, das ist uns auch gelungen.“ Unter dem tobenden Applaus begeisterter Zuschauer stiegt Van der Weijden nahe dem Dorf Birdaard aus dem Wasser. Er kam sofort zum Check-up ins Krankenhaus.

So beeindruckend die sportliche Leistung Van der Weijdens auch ist, eine Frage bleibt: Warum tut sich jemand so etwas an? Die Antwort lautet: aus Dankbarkeit. 2001 erkrankte Van der Weijden mit nur 20 Jahren an akuter Leukämie – und überlebte. Nach einem halbjährigen Krankenhausaufenthalt konnte er seiner Leidenschaft, dem Schwimmsport, unverändert nachgehen. Er selbst sagt, er habe einfach unglaublich viel Glück gehabt. Seit dem Ende seiner Profisportler-Karriere im Dezember 2008 sammelt Van der Weijden immer wieder mit öffentlichkeitswirksamen Fundraising-Kampagnen Geld für seine Stiftung. Die Einnahmen kommen voll und ganz der Krebsforschung zugute.