LANDWIRTSCHAFT: Verbesserte Lebensumstände für niederländische Masthühner


Amsterdam,
LM/NRC, 21. August 2018

Zum ersten Mal nach sieben Jahren wurden in den Niederlanden die Lebensumstände von Fleisch- und Masthühnern untersucht. Das durchaus positive Ergebnis lautet, dass das sogenannte Mastküken größtenteils vom niederländischen Markt verschwunden ist.

Im Auftrag der Tierschutzorganisation Wakker Dier hat Wageningen Livestock Research eine Studie zu den Lebensumständen der niederländischen Fleischhühner durchgeführt. Zum ersten Mal seit 2011 wurde eine systematische Bestandsaufnahme der Lebensumstände von Fleischhühnern gemacht. Der Begriff „Fleischhühner“ bezeichnet Hühner, die extra zur Fleischproduktion gezüchtet werden. Bei der Studie standen vor allem auch die sogenannten Mastküken im Fokus, die im Fleischsektor oftmals so bezeichnet werden, da sie innerhalb von wenigen Wochen groß genug sind, um geschlachtet werden zu können.

Wageningen Livestock Research kam zu dem Schluss, dass sich für hundert Millionen niederländische Fleischhühner die Lebensumstände verbessert haben. Ausschlaggebend für diese Verbesserung ist die zunehmende Popularität, die die langsamer wachsenden Hühnerrassen in den Niederlanden erfahren haben. Ungefähr 30 Prozent der in den Niederlanden gehaltenen Fleischhühner stammen derzeit von solch einer langsamer wachsenden Rasse. Das sind pro Jahr ungefähr hundert Millionen Masthühner. 2011 wurden noch deutlich weniger Hühner der neuen Rassen gezüchtet. Die neuen Hühnerrassen unterscheiden sich genetisch von den schnell wachsenden Rassen, den sogenannten Masthühnern, und leben ungefähr eine bis sieben Wochen länger.

Karel de Greef hat die Studie zusammen mit weiteren Kollegen durchgeführt und erklärt, dass die Verbreitung der neuen Hühnerrassen wichtig ist, da sie weniger Gesundheitsprobleme hätten als die herkömmlichen Masthühner. Es habe sich in nur wenigen Jahren wirklich sehr viel verändert, freut sich de Greef. Dies spiegelt sich auch in den Supermarktangeboten wider: 2011 machte das Fleisch der schnell wachsenden Fleischküken noch 93 Prozent des Umsatzes von frischem Hühnerfleisch aus. Mittlerweile bestehe fast das gesamte Sortiment aus dem Fleisch der neuen Hühnerrassen.

Die Verbesserung der Lebensumstände von Fleischhühnern habe mehrere Gründe: Der Tierschutz hat vor ungefähr zehn Jahren das Beter Leven Gütesiegel ins Leben gerufen, das Fleischprodukte mit maximal drei Sternen auszeichnet. Je mehr Sterne das Produkt hat, desto tierfreundlicher ist es. Dieses Gütesiegel bietet de Greef zufolge eine Alternative zu den meist sehr teuren biologischen Produkten. Außerdem weckte Wakker Dier das Interesse der Medien am Mastküken und berichtete über die negativen Lebensumstände, was auch bei den Supermärkten zu Reaktionen geführt hat. Die verschärften Tierschutzvorschriften aus Den Haag und Brüssel haben letztendlich ihr Übriges getan.

Anne Hilhorst von Wakker Dier freut sich über die positive Entwicklung in den Niederlanden – denn auf dem niederländischen Markt gebe es nahezu keine Mastküken mehr. Allerdings gebe es immer noch genug zu bemängeln: 70 Prozent der in den Niederlanden gezüchteten Hühner gehöre immer noch zu der schnell wachsenden Rasse. Das Fleisch werde größtenteils ins Ausland exportiert.

Die Lebensumstände haben sich jedoch in Bezug auf alle Zuchthühner innerhalb des Fleischsektors verbessert. Schmerzhafte Blasen an den Füßen sind eines der größten Probleme – die Studie konnte jedoch aufzeigen, dass die Anzahl der Hühner mit solchen Blasen stark abgenommen hat. 2011 hatte fast die Hälfte aller niederländischen Fleischhühner Blasen, 2018 sind es nur noch 15 bis 20 Prozent. Die Verbesserung konnte durch trockenere und saubere Untergründe erzielt werden. Auch die verschärften EU-Regeln, die Bauern bestrafen, die viele Hühner mit Blasen besitzen, haben bei der Situationsverbesserung geholfen.

Von den neuen Hühnerrassen leiden Schätzungen zufolge weniger als zehn Prozent unter den Blasen, was daran liegt, dass sie meistens etwas mehr Platz als die herkömmlichen Masthühner haben, was wiederum für trockenere Böden sorgt. Für die neuen Hühnerrassen gelten strengere Haltungsregeln – sie bekommen nicht nur mehr Platz, sondern auch Getreide und andere Materialien gegen die Langeweile. Der zusätzliche Platz für Hühner ist de Greef zufolge äußerst wichtig, da die Tiere sich dann natürlich verhalten können.

Insgesamt ist de Greef mit den Ergebnissen der Studie und den Entwicklungen innerhalb der Fleischhühnerzucht zufrieden. Auch die Züchter würden sich mittlerweile mehr Gedanken über das Wohlergehen der Tiere machen – vor ein paar Jahren sei das noch anders gewesen, da habe vor allem die schnelle Fleischproduktion im Fokus gestanden.