ARBEITSMARKT: Anzahl freier Stellen auf Rekordhöhe


Den Haag/Heerlen,
SF/CBS/NRC/Destatis 14. August 2018

Heute veröffentlichte das Zentrale Statistikamt CBS seinen Arbeitsmarktbericht für das zweite Quartal 2018. Demnach waren Ende Juni 251.000 Stellen auf dem niederländischen Arbeitsmarkt unbesetzt. Die Zahlen des CBS reichen zwar bis in das Jahr 1997 zurück, doch Chef-Volkswirt Peter Hein van Mulligen ist sich sicher: So etwas hat es noch nie gegeben.

Tatsächlich wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2007 gebrochen: Heute sind 2.000 offene Stellen mehr auf dem Arbeitsmarkt vorhanden als in dem bisherigen Rekordjahr. Der Grund: In fast allen Branchen fehlt Personal. Einzig bei den Finanzdienstleistungen konnte eine geringe Abnahme verzeichnet werden. Von der Personalknappheit ist der Handel besonders stark betroffen: Dort klafft eine Lücke von ungefähr 50.000 unbesetzten Stellen – ein Fünftel des gesamten Ausmaßes.

Darüber hinaus entstehen immer mehr neue Stellen: 298.000 Stellen wurden von den Unternehmen ausgeschrieben, von denen 282.000 wiederum besetzt worden sind. Übrig bleibt ein Plus von 17.000 unbesetzten Arbeitsstellen. All das sorgt für Spannungen auf dem Arbeitsmarkt, denn auf jede neue Stelle kommen im Schnitt 1,4 Arbeitslose. Insgesamt sind derzeit laut CBS 354.000 Menschen in den Niederlanden arbeitslos, was einer Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent entspricht. Das CBS hantiert allerdings die Arbeitslosendefinition der Internationalen Arbeitsorganisation: Demzufolge gilt als arbeitslos, wer aktiv nach Arbeit sucht und für den Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Wer von Langzeitarbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit betroffen ist, wird somit nicht von der Arbeitslosenquote erfasst.

Allerdings: Die CBS-Statistik bringt auch erfreuliche Nachrichten mit sich. So sinkt die Arbeitslosigkeit in den Niederlanden seit nun 17 Quartalen. Galten in der Hochzeit 2014 noch 7,8 Prozent der Berufsbevölkerung als arbeitslos, hat sich ihr Anteil seitdem halbiert. Auffallend ist, dass trotz der zahlreichen offenen Stellen die Arbeitslosenquote im letzten Quartal dennoch unverändert auf besagten 3,9 Prozent blieb. Der Spitzenwert vor der Wirtschaftskrise ist indes noch nicht erreicht: Mitte 2008 lag die Quote bei nur 3,6 Prozent.

Zudem bleibt das Jobwachstum konstant – ein Trend, der sich seit mittlerweile vier Jahren fortsetzt. Gerade in den Bereichen Handel, Transport und Gastronomie entstehen immer mehr neue Arbeitsplätze. Daneben verzeichnet die Leiharbeitsbranche einen weiteren Stellenzuwachs. Mittlerweile sind 10 Prozent der niederländischen Arbeitnehmer bei einem Leiharbeitsunternehmen beschäftigt. Insgesamt entstanden im letzten Quartal 48.000 neue Stellen für Arbeitnehmer. Auch nimmt die Anzahl an festen Arbeitsverträgen zu, insbesondere für Vollzeitstellen. Die Zahl der Selbstständigen wächst indes weniger schnell: Sie verzeichnen ein Plus von 5.000.

Trotz alledem gibt es noch Luft nach oben: Fast 400.000 Arbeitnehmer mit Teilzeitverträgen geben an, dass sie gerne mehr arbeiten würden. Insgesamt liegt nach Rechnung des CBS das bislang unbenutzte Arbeitspotenzial bei rund 1,1 Millionen Menschen, die mehr und länger arbeiten oder den Sprung in Lohn und Brot schaffen könnten. Indes wächst die Gesamtwirtschaft weiter. Ein weiterer CBS-Bericht zeigt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verglichen mit dem Vorjahr um 2,9 Prozent gewachsen ist. Im letzten Quartal war das Wachstum jedoch mit 0,7 Prozent relativ gering.

Die Stimmung ist in Deutschland unterdessen ähnlich: Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt, setzt sich der positive Trend bei der Erwerbstätigkeit fort. Auch gehen mehr Menschen – wie in den Niederlanden – ein Arbeitsverhältnis ein und sind weniger häufig selbstständig tätig. Vor allem der Dienstleistungssektor verbucht Beschäftigungsgewinne. Verglichen mit dem Vorquartal wuchs das BIP um 0,5 Prozent, im Vergleich zum Jahr 2017 um 2 Prozent.