POLITIK: Zweifelhafte Todesumstände von PVV-Politikerin Willie Dille


Den Haag,
SF/NOS/AD 09. August 2018

Die PVV-Politikerin Willie Dille ist tot. Am Mittwochmittag platzierte sie auf ihrer Facebook-Seite ein – mittlerweile gelöschtes – Video, in dem sie angibt, von einer Gruppe Muslime sexuell misshandelt und vergewaltigt worden zu sein. Die Kommunalpolitikerin, die für die rechte Partij voor de Vrijheid (PVV) im Den Haager Gemeinderat saß, beschuldigte ihren Ex-Kollegen Arnoud van Doorn, die Tat organisiert zu haben.

Dille wurde nur 53 Jahre alt. Die gebürtige Den Haagerin saß zwischen 2010 und 2012 für die Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders in der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments. In ihrer politischen Arbeit engagierte sie sich vor allem in der Behinderten- und Jugendpolitik. Nach ihrem Ausscheiden aus der Zweiten Kammer errang sie im Mai 2012 ein Mandat für den Gemeinderat in Den Haag, das sie bis zu ihrem Tod ausübte.

Als Politikerin war Dille nicht unumstritten: Vor rund zweieinhalb Jahren sorgte sie für Aufsehen, als sie auf Twitter in einem Video andeutete, dass die Muslime mit einer Atombombe vernichtet werden sollten. Daraufhin erhielt Dille mehrere Anzeigen.

In ihrem letzten Video wirkte Dille auf viele Beobachter verwirrt. Auch ihr körperlicher Zustand sei besorgniserregend gewesen. Dille sprach in dem Video nicht nur über die mutmaßliche Vergewaltigung, die sich bereits vor einem Jahr am Tag der niederländischen Parlamentswahlen ereignet haben soll. Auch kündigte sie an, ihre politische Arbeit einstellen zu wollen. Ihr würde mehrfach mit dem Tod gedroht.

Als Drahtzieher hinter der Vergewaltigung und den anhaltenden Drohungen vermutet sie Arnoud van Doorn, ein ehemaliges PVV-Mitglied. Er habe nach der Entlassung als ihr Mitarbeiter einen intensiven Groll gegen sie gehegt. Van Doorn war 2012 zudem zum Islam konvertiert, woraufhin die explizit islamkritische PVV ihn aus der Gemeinderatsfraktion ausschloss. Seitdem macht er Politik für die islamische Partij voor de Eenheid. Bislang schweigt Van Doorn zu den Vorwürfen.

Indes nahm die Vorsitzende der PVV-Fraktion im Den Haager Gemeinderat Karen Gerbrands bereits am Tag der Veröffentlichung des Videos ihre nun verstorbene Kollegin gegenüber allen Vorwürfen in Schutz: Dille sei nicht labil, sondern eine starke Frau, die von der Politik nach der Vergewaltigung im Stich gelassen worden sei, heißt es in einer Pressemitteilung. Auf den Tod Dilles reagierte die Fraktion ebenso wie Den Haags Bürgermeisterin Pauline Krikke mit großem Entsetzen. PVV-Chef Wilders gab sein Bedauern über Twitter kund.

Die Partij voor de Vrijheid wurde 2006 gegründet und gilt als Unikum in der niederländischen Parteienlandschaft. Einziges formales Parteimitglied ist Geert Wilders, der zwei Jahre vor der Gründung die liberale VVD verließ. Die PVV vertritt ein nationalistisches Programm, das sich im Besonderen gegen den Islam, Einwanderung, die EU und die in den Niederlanden lebenden Muslime richtet. Im Januar 2017 traf sich Wilders unter lautem Protest der Zivilbevölkerung mit der Nationalisten Marine Le Pen vom französischen Front National und der damaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle. Seit der Parlamentswahl im März 2017 stellt die PVV die zweitgrößte Fraktion in der Zweiten Kammer.


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