WIRTSCHAFT: Illegale Goldgewinnung in Surinam


Surinam,
LM/VK 01. August 2018

Surinam schwimmt im Gold. Das Edelmetall ist für das Land äußerst wichtig, doch mittlerweile ist eine inoffizielle Goldindustrie entstanden, die keine Regeln kennt. Der Urwald wird gerodet, die im Wald lebenden Kreolen werden vertrieben und die Natur wird mit Quecksilber vergiftet. Das Gold spaltet Surinam, denn die Untergrundorganisationen haben Verbindungen zu den mächtigen Personen des Landes.

Das Gold macht ungefähr 80 Prozent des Surinamischen Export-Einkommens aus. Das Edelmetall ist nicht nur eine Geldquelle, sondern schafft ebenfalls ein Viertel der Arbeitsplätze in Surinam. Doch leider kommt das Gold der Entwicklung des Landes kaum zugute. Fast 90 Prozent der möglichen 30.000 Arbeitsplätze sind nämlich in der sogenannten „inoffiziellen“ Goldindustrie angesiedelt.

Das Gold lasse die Menschen durchdrehen, sagt Winston Ramautarsing, Vorsitzender der Vereniging van Economisten (dt. „Vereinigung der Volkswirtschaftler“). Es gebe in Surinam zwar auch Öl und das „weiße Gold“ (Kokain) doch meistens drehe sich die Wirtschaft des Landes fast vollständig um die Gewinnung von Gold.

Das Geld, das durch die Goldgewinnung verdient wird, werde zwar teilweise an die Regierung abgeführt, doch es werde kaum etwas davon für die Entwicklung des Landes ausgegeben. Der Hauptgrund dafür sei, dass es sich hauptsächlich um eine „Untergrund-Wirtschaft“ handle. Außerdem geben andere Fachmänner zu bedenken, dass zu viele Leute, die mächtige Positionen innerhalb der Regierung innehätten, direkt an der Untergrund-Wirtschaft beteiligt seien. Manch ein Insider geht sogar so weit zu behaupten, dass alle Minister für Natürliche Ressourcen durch das Gold reich geworden seien – sehr reich sogar.

Der Teil der Goldindustrie, der nicht inoffiziell oder illegal ist, geht vor allem auf das Konto des kanadischen Unternehmens Iamgold und des amerikanischen Unternehmens Newmont. Newmont hat in Surinam „Zulassungen“ für die Goldsuche innerhalb eines Gebiets von insgesamt 500.000 Hektar. Diese Fläche ist so groß wie ein Achtel der Niederlande. Das Gebiet befindet sich in einem einzigartigen Tropenwald, der dafür gerodet werden soll. Auch der Lebensraum der kulturell gefährdeten Marron-Bevölkerung wird dadurch bedroht. Newmont zufolge werde alles dafür getan, sowohl die Umwelt als auch die Kultur des Urwalds und seine Bewohner zu schonen. In den USA habe man sogar bereits die nötigen „Nachhaltigkeitspreise“ gewonnen. Natürlich sei es ein Geschäft, gibt Albert Ramdin zu, der in der Newmont-Geschäftsstelle in Paramaribo arbeitet, aber man arbeite auf eine umweltfreundliche und sichere Art und Weise. Doch man müsse auch ehrlich sein: Zu 100 Prozent gelinge das nicht.

Ein offizieller Betrieb wie Newmont gibt fast 1.300 Menschen einen Arbeitsplatz. Außerdem verwendet die Firma bei der Goldgewinnung kein Quecksilber. Doch die vielzähligen „inoffiziellen“ Goldsuchenden verwenden das giftige Mittel, um das gewonnene Feingold zu waschen und zu binden. „Der surinamische Urwald wird gerodet, um das Gold zu gewinnen. Das stark verschmutzte Wasser landet schließlich in unserer Natur“, erzählt Umweltexperte und Aktivist Erlan Sleur. Die Marron-Bevölkerung, die Fische aus dem verschmutzten Wasser fängt und isst, leide unter den gesundheitlichen Folgen. Sleur zufolge ist es in einem Tropenwald wie in Surinam nicht möglich, Gold zu gewinnen, ohne der Umwelt und den Menschen enorm zu schaden. Die surinamische Regierung wisse das nur zu gut, doch lasse sie es einfach zu. So werde die eigene Zukunft zerstört, meint Sleur.

Auch Winston Ramautarsing sieht in der Quecksilberverwendung eine tickende Zeitbombe. Doch an eine Veränderung glaube er nicht, da die Regierung an der inoffiziellen Goldgewinnung mitverdiene. Auch sei der Staat nicht dazu fähig, die Wirtschaft so zu verändern, dass zehntausende offizielle Arbeitsplätze geschaffen würden. Aktuell würde einfach jeder jeden bestehlen, und niemand greife ein.