UMWELT: Müllproblematik auf Sint Maarten


Sint Maarten,
LM/NRC 31. Juli 2018

Die riesige Müllkippe, die von den Bewohnern der Karibikinsel Sint Maarten einfach „dump“ genannt wird (vom englischen „to dump“ abgeleitet, etwas loswerden/abladen), ist nach dem Orkan Irma weiter gewachsen. Da auf der großen Müllhalde die verschiedenen Müllsorten ungetrennt angehäuft werden, entstehen ständig Brände. Der dadurch entstehende Qualm ist eine ernste Gesundheitsgefährdung für die Inselbewohner, doch die lokalen Parteien bekommen das Müllproblem nicht in den Griff.

Wenn man zur zentralen Müllkippe von Sint Maarten fährt, kann man dem beißenden Gestank nicht entkommen. Die Halde, die sich auf der Insel in der Hauptstadt Philipsburg befindet, ist von einer Geruchsmischung aus Benzin, brennendem Gummi und verdorbenen Nahrungsmitteln umgeben. Kleine Fliegen schwirren überall umher und Möwen suchen nach Essensresten.

Tadzio Bervoets ist der Manager der Sint Maarten Nature Foundation, einer Organisation, die sich um die Natur und die Umwelt auf der Insel kümmert. Er untersucht die schädlichen Folgen des Müllberges für die Umgebung und die Gesundheit der Bevölkerung. Der Name „dump“ wurde nicht umsonst ausgewählt: Der gesamte Abfall, der auf Sint Maarten produziert wird, wird hier willkürlich abgeladen – es gibt keine Mülltrennung. Autoreifen, Bierflaschen, Fernseher, Restmüll – all das liegt zusammen auf einem Müllberg. Was auf der Müllhalde abgeladen wird, wird nicht kontrolliert. Zusätzlich kamen durch den Orkan Irma viel Holz und Zinkplatten dazu. Nach dem Orkan stieg die Abfallmenge um 30 bis 40 Prozent an, wodurch ein zweiter Müllberg entstand, der sogenannte „baby dump“.

Obwohl die maximale Kapazität der Deponie schon 2008 erreicht war, wurde dort weiter Müll angehäuft. Die Müllentsorgung ist auf Sint Maarten kostenlos, weshalb sie auch für die Unternehmer der französischen Seite der zweigeteilten Insel verlockend ist, denn dort gibt es bereits Müllgebühren.

Die Situation der Deponie spiegle die verwaltungstechnischen Probleme von Sint Maarten wider, so das NRC Handelsblad. Sint Maarten ist seit 2010 ein autonomes Land des niederländischen Königreichs. Seitdem sind in dem Land, das 40.000 Einwohner zählt, schon sieben verschiedene Kabinette angetreten. All diese Regierungen versprachen, sich um die Müllproblematik zu kümmern, aber bisher ist nichts geschehen. Vor allem seit dem Orkan Irma hat sich das Problem zugespitzt.

Die Folgen der unkontrollierten Abfallzufuhr werden auf Sint Maarten immer deutlicher. In diesem Jahr gab es bereits ungefähr zwanzig große Brände auf der Deponie, die durch chemische Reaktionen innerhalb des Müllbergs entstanden. Bervoets geht sogar davon aus, dass der Müllberg kontinuierlich brennt. Einige Male musste das nahegelegene Regierungsgebäude evakuiert werden und auch Schulen, die Universität und die Polizeiwache mussten zeitweise geschlossen werden. Immer mehr Menschen sorgen sich auf der Insel um ihre Gesundheit und um den als Einnahmequelle so wichtigen Tourismus.

Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung Sint Maartens wurden noch nicht ausführlich untersucht. Allerdings machte der Sociaal-Economische Raad (dt. „Sozial-ökonomischer Rat“) die Regierung 2016 darauf aufmerksam, dass vor allem brennende Autoreifen gefährliche Auswirkungen hätten. Dabei würden Giftstoffe wie Dioxin und polyaromatische Kohlenwasserstoffe sowie Metalle wie Quecksilber und Chrom freigesetzt. Ist man diesen Stoffen lange ausgesetzt, kann es zu ernsten Gesundheitsproblemen kommen, beispielsweise zu Krebserkrankungen.

Die Politiker von Sint Maarten haben es bisher nicht geschafft, das Müllproblem in den Griff zu bekommen. Louis Brown vom Ministerium für Wohnungswesen, Raumordnung und Umweltschutz, das für das Müllproblem verantwortlich ist, gibt zu bedenken, dass das Land sehr klein sei und die Menschen auf engem Raum zusammenlebten. Die Bevölkerungsdichte sei hoch und auch durch den Tourismus entstehe viel Abfall. Täglich werden auf Sint Maarten 10 Kilo Abfall pro Kopf von der Bevölkerung produziert und entsorgt. Das ist fast zehn Mal so viel wie in den Niederlanden. Ein Recyclingprogramm gibt es nicht. Eigentlich wolle die Regierung seit Jahren einen Verbrennungsofen bauen, doch bisher sei es nicht dazu gekommen, so Brown.

Die Hospitality and Trade Association, der größte Arbeitgeberverband von Sint Maarten, hat im April unter anderem einen Brief an König Willem-Alexander und den Staatssekretär Raymond Knops geschrieben. Die Vereinigung bezeichnet die Deponie als das größte Problem der Insel und konstatiert, dass man das Problem offenbar selbst nicht lösen könne und man deshalb Hilfe benötige. Das Problem soll jetzt mithilfe des Geldes, das für den Wiederaufbau Sint Maartens vorgesehen ist, angegangen werden. Die Müllproblematik ist eines der vier „Notprojekte“, die jetzt unter der Aufsicht der Weltbank gestartet werden. Auch will die Weltbank Sint Maarten mit internationalen  Betrieben bekannt machen, die beim Löschen der ständigen Brände und bei einem besseren Abfallmanagement helfen sollen. Auch das Thema „Recycling“ soll aufgegriffen werden.