KLIMA: Bei großer Trockenheit stehen die Deiche an erster Stelle

Den Haag, TA/NRC/VK/ Trouw 24. Juli 2018




Die Hitze hält die Niederlande immer noch fest im Griff. Sollte die Trockenheit noch länger anhalten, dann droht dieser Sommer der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu sein. Nicht nur die Ernte der niederländischen Bauern und die Gesundheit der Bevölkerung werden durch die Hitze beeinträchtigt, auch die für die Niederlande so wichtigen Deiche können anhaltende Trockenheit nicht gut verkraften.

Die Stabilität der Deiche und Wasserwehren in den Niederlanden kann durch die anhaltende Hitze gefährdet werden. Um die tief gelegenen Niederlande dauerhaft schützen zu können, hat die Instandhaltung der Deiche also auch im Sommer die oberste Priorität. Denn obwohl eine sommerliche Hitzewelle auf den ersten Blick positive Auswirkungen auf feuchte Böden und überschüssiges Wasser zu haben scheint, kann es durch die Austrocknung des Bodens für die Anwohner gefährlich werden. Wenn beispielsweise der feuchte Moorboden in der Nähe von Kanälen oder Deichen austrocknet, wird er rissig und durchlässig für Wasser, oder er wird im getrockneten Zustand beim nächsten Hochwasser weggespült.  

Diese Befürchtungen haben sich in der Vergangenheit auch bereits bewahrheitet. Im Sommer 2003 trocknete ein aus Moorboden bestehender Deich aus und brach. In Folge der 230.000 Kubikmeter Wasser, die daraufhin ungehindert in das in der Region Utrecht gelegene Dorf Wilnis strömen konnten, mussten fünfzehnhundert Menschen evakuiert werden. Der finanzielle Schaden belief sich auf 12 Millionen Euro.

Um ein solches Desaster zu verhindern, haben die niederländischen waterschappen, eine besondere Ebene der örtlichen Verwaltung, die mit der Verwaltung der Wasserwirtschaft beauftragt ist, mehrere Millionen Euro investiert, um die örtlichen Deiche zu verstärken und besser zu schützen. Bei lang anhaltender Dürre tritt beispielsweise ein landesweites Dürreprotokoll in Kraft. Dieses Protokoll sieht vor, dass Deiche und ähnliche wasserabwehrende Bauten gegebenenfalls sogar bewässert werden, um ihre Stabilität zu gewährleisten.

Auch in anderen Bereichen hält das Wetter die Niederländer fest im Griff. Das Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (deutsch „Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt“) hat am Montag  den Nationale Hitteplan (deutsch „Nationaler Hitzeplan“) aktiviert und ruft gefährdete Personen, wie etwa Senioren, zu besonderer Vorsicht auf. Darüber hinaus veröffentlichte es auf seiner Website Tipps und Regeln, um das heiße Wetter gut zu überstehen.

Auch für die Ernte der niederländischen Bauern stellt das Ausbleiben von Regen ein Problem dar. Durch die Wasserknappheit entwickeln sich Pflanzen nicht ausreichend und führen so zu einer schlechten Ernte, die wiederum weniger Futter für Nutztiere bedeutet.

Das Königliche Niederländische Meteorologische Institut hat Code Gelb für die gesamten Niederlande (mit Ausnahme der Wattinseln) ausgerufen. In manchen Teilen des Landes erhöht sich der Salzgehalt des Süßwassers so stark, dass Süßwasser in diese Gebiete transportiert oder gelenkt werden muss. Grund hierfür ist die geringere Zufuhr von Süßwasser durch den Rhein. Und diese Zufuhr soll in den kommenden Wochen noch weiter sinken.  In anderen Teilen der Niederlande, wo sandige Böden vorherrschen, ist es jedoch nicht möglich, Wasser umzuleiten. Hier ist man vollkommen vom Niederschlag abhängig.

Sollte die Hitze noch länger anhalten und Niederschläge weiterhin ausbleiben, dann droht 2018 das trockenste Jahr der Niederlande seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. Platzhalter war bisher der Sommer 1976. Damals war die anhaltende Trockenheit das vorherrschende Thema der niederländischen Berichterstattung: Rund 2.500 Zeitungsartikel wurden hierüber veröffentlicht. In Folge der Trockenheit stiegen die Preise für Obst und Gemüse 1976 erheblich an.