GESELLSCHAFT: Drogen werden in Amsterdam immer häufiger außerhalb des Nachtlebens konsumiert

Amsterdam, TA/NRC 19. Juli 2018




Der Drogenmissbrauch in Amsterdam nimmt außerhalb des Nachtlebens, sprich außerhalb von Klubs und Festivals, zu. Das ergibt sich aus einer seit Jahren laufenden Studie, die die „Drogentrends“ der niederländischen Hauptstadt festhält.

600 Nachtschwärmer und 23 Schlüsselfiguren des Nachtlebens – wie etwa Türsteher, DJs und Drogendealer - wurden für die Studie namens Antenne befragt. Das Resultat der neuesten Umfrage: Drogen werden immer häufiger auch außerhalb des Nachtlebens konsumiert. Try out and repeat sei laut Naben, einem Mitverantwortlichen der Studie, hier die Devise. Nach Ecstasy ist vor allem Kokain eine beliebte Droge geworden, auch für den Gebrauch zu Hause. „Als Mittel gegen Stress.“ Dies sei ein charakteristisches Verhalten von sogenannten Millenials, jungen Menschen in den 20ern.

Ansonsten ist der Drogenmissbrauch häufig planmäßig. Am Wochenende werden alle Hemmungen fallen gelassen, während man am darauffolgenden Montag wieder hart arbeitet. Naben spricht in einem solchen Fall von Terminkalenderhedonisten. Man hat einen guten Job, treibt Sport, isst gesund, und plant zwischendurch sehr sorgfältig den Konsum von Drogen. Das sei ein Teil der Normalisierung von Drogen in der heutigen Gesellschaft.

Die beliebteste Droge unter Feiernden ist und bleibt Alkohol. Rund 98,4 Prozent der Befragten hat im vergangenen Jahr alkoholische Getränke konsumiert. 66 Prozent der Befragten hat darüber hinaus mindestens einmal Ecstasy genommen. Weitere populäre Drogen sind Lachgas und Kokain, dessen Gebrauch seit 2013 im Gegensatz zu den bisher genannten Drogen anstieg: 34,6 Prozent der Feiernden konsumierten 2013 Kokain, während es mittlerweile 39,3 Prozent sind.

Den Einfluss des Drogenmissbrauchs in den Niederlanden auf Unfälle und Tote lässt sich jedoch schwer bestimmen. Auch ein Vergleich mit anderen europäischen Ländern sei schwierig, da nicht jedes Land den Konsum solcher Mittel so ausführlich bestimmt und dokumentiert wie die Niederlande. Man darf, so Naben, aber auch nicht vergessen, dass rund 90 Prozent der Niederländer in ihrem Leben keine Erfahrung mit Drogen gemacht haben.

Laut einem im Januar dieses Jahres veröffentlichten Artikel des NRC Handelsblad ist die Anzahl der Drogentote zwischen 2014 und 2016 allerdings von 123 auf 235 Personen gestiegen. Als Ursache hiervon kommen verschiedene Erklärungen in Betracht: Einerseits kann der zunehmende Gebrauch von Schmerzmitteln oder starken Opiaten für die steigende Zahl verantwortlich sein. Außerdem wird vermutet, dass ein Teil der Verstorbenen während der Heroinepidemie der 70er-Jahre mit dem Konsum von Drogen begann und nun an den Folgen des jahrelangen Missbrauchs verstirbt.

Für manche Niederländer bedeutet eine Normalisierung des Drogenkonsums aber auch, dass offener über dieses Thema gesprochen werden könne. So werden Konsumenten über das Risiko ihrer Drogen auf Festivals beraten. Unity ist beispielsweise so ein Projekt, in dem junge Menschen ihre Altersgenossen informieren. Durch das offene Gespräch – auch über Gefahren – wird Drogenkonsum nicht. So wird auch verhindert, dass Normalisierung mit der Vorstellung  gleichgesetzt wird, dass der Konsum risikofrei ist.  

Laut Naben bleiben aber manche Dinge schwierig, um sie offen anzusprechen. So stehen Konsumenten von Alkohol einem aufklärenden Gespräch häufig weniger offen gegenüber, obwohl Alkohol die am häufigsten benutzte Droge ist, die gleichzeitig schwerwiegende gesundheitliche Folgen hat.