WIRTSCHAFT: Nicht jeder spart durch Amsterdams neue U-Bahnlinie Zeit

Amsterdam, TA/NRC 17. Juli 2018




Im Oktober 2002 beschloss der Gemeinderat der Stadt Amsterdam nach langer Diskussion: Die U-Bahnlinie Noord-Zuidlijn soll doch gebaut werden. Nun steht die Eröffnung nach 16 Jahren kurz bevor. Mit der 9,5 Kilometer langen U-Bahnstrecke soll Amsterdam-Noord mit Amsterdam Zuid verbunden werden. In 16 Minuten soll die Strecke zwischen den beiden Bahnhöfen zurückgelegt werden können. Jedoch scheint die Noord-Zuidlijn nicht für jeden Pendler Vorteile zu haben: In manchen Gemeinden oder Stadtteilen Amsterdams verlängert sich die Reisezeit um mehrere Minuten.

Die längeren Reisezeiten seien dabei nicht primär ein Problem der Noord-Zuidlijn an sich, sondern sind dem geänderten Fahrplan für Busse und Straßenbahnlinien geschuldet, so die Volkskrant. Viele Buslinien nördlich des IJ fahren beispielsweise nicht mehr am Hauptbahnhof vorbei, sondern an Amsterdam Noord. Darüber hinaus bekommen viele Haltestellen durch die Umstrukturierung des oberirdischen öffentlichen Nahverkehrs geänderte oder komplett neue Namen.  

Diese Veränderungen haben zur Folge, dass rund 57 Prozent der Adressen in der Region Amsterdam Centraal schwieriger zu erreichen sind. Für 52 Prozent der betroffenen Adressen dauert die Reise zwar nur rund 5 Minuten länger, für ein Prozent der Betroffenen sind es jedoch ganze 15 Minuten.

Die Erreichbarkeit des Bahnhofs Amsterdam Zuid verbessert sich dahingegen für einen Großteil der Pendler. Rund 70 Prozent der Betroffenen spart bei einer Reise zu Amsterdam Zuid in Zukunft Zeit. Und diejenigen, die eine Verzögerung in Kauf nehmen müssen, reisen rund 5 Minuten länger.

Dass weniger Busse am Hauptbahnhof vorbeifahren, bedeutet jedoch auch eine Entlastung für Amsterdam Centraal – zumindest was den Busverkehr angeht. Da weniger Busse den IJtunnel passieren, kommt es zu weniger Stau und einer Verbesserung der lokalen Luftqualität. An manchen Stellen fahren auch weniger Straßenbahnen, während sich die Frequenz von Straßenbahnen in anderen Teilen der Stadt erhöhen wird. Und in Amsterdam Oost werden sich die Anwohner deutlich umgewöhnen müssen: Linie 9, die van Diemen nach Centraal fuhr, verschwindet vollständig.

Die Bauarbeiten der Noord-Zuidlijn verliefen übrigens nicht ohne Probleme: Vor rund zehn Jahren senkten sich aufgrund der Bauarbeiten für die neue U-Bahnlinie mehrere Häuser auf der Amsterdamer Vijzelgracht plötzlich um bis zu 14 Zentimeter ab. Als Folge hiervon taten sich Risse in den Fassaden auf, der Stuck fiel von der Decke und Türen ließen sich nicht mehr öffnen. Im Idealfall sollten die Pfähle der Häuser dort auf der in 20 Meter Tiefe gelegenen Sandschicht stehen. Aber die Pfähle in der Vijzelgracht sind nur 12 Meter lang und stehen auf einem Lehmgemisch, dessen Struktur maßgebend vom Grundwasser beeinflusst wird. Entzieht man diesem Gemisch das Wasser, wird es trocken und spröde, wodurch die Häuser wie eine untergrabene Sandburg einstürzen können. Rund drei Jahre lang waren die Häuser an der Vijzelgracht nicht bewohnbar, bis sie restauriert und wiederhergestellt waren.