ARBEITSMARKT: Experiment Grenze ermöglicht Schnuppertage im Nachbarland


Gronau,
LM/Euregio 18. Juli 2018

Die EUREGIO, die grenzüberschreitend arbeitet und sich für die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Niederlande und Deutschland einsetzt, hat das Projekt Experiment Grenze ins Leben gerufen. Seit dem 1. März können Arbeitnehmer einfach ohne bürokratischen Aufwand einen Tag lang erleben, wie es ist, als Grenzgänger im Nachbarland zu arbeiten. Gleichzeitig erhalten Unternehmen die Möglichkeit, Arbeitnehmer aus dem Nachbarland zu beschäftigen. Die Teilnehmer können erste Kontakte knüpfen, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede entdecken und herausfinden, ob die Sprachbarriere wirklich eine Hürde ist. 

Die Idee für das Projekt Experiment Grenze entstand nach dem Abschluss des ebenfalls von der EUREGIO initiierten Projekts „Pakt: Arbeitsmarkt über die Grenze!“. Wie bei dem abgeschlossenen Projekt geht es auch beim Experiment Grenze vor allem um den Einsatz für einen gemeinsamen, transparenten und grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt in den Grenzregionen. Der Schnuppertag bei einem Betrieb im Nachbarland, der durch das Experiment Grenze ermöglicht wird, soll dabei helfen, Vorurteile über das Arbeiten im Nachbarland abzubauen und den Einstieg in die mögliche Karriere zu erleichtern.

Das „Experiment Grenze“ richtet sich an alle Interessenten, die gerne einmal den beruflichen Sprung über die Grenze wagen wollen. Egal ob Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende oder Arbeitnehmer mit jahrelanger Arbeitserfahrung – beim Experiment Grenze ist jeder willkommen. Das Projekt bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, ihren beruflichen Horizont zu erweitern und kann dabei helfen, den Schritt zur Arbeitsstelle im Nachbarland zu machen und die bürokratischen Hürden zu nehmen.

In beiden Ländern herrscht ein Fachkräftemangel – für viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnte eine Kooperation mit dem Nachbarland eine Lösung sein, doch komplexe Regelungen und Verfahren, die Lohn- und Steuervorschiften und die Anerkennung der jeweiligen Abschlüsse stellen Hindernisse dar, die das Arbeiten im Nachbarland oder die Beschäftigung eines Arbeitnehmers aus dem Nachbarland erschweren und behindern. Möchte man als Arbeitnehmer einen Abschluss im Nachbarland anerkennen lassen, kann das sehr kostspielig und zeitaufwendig sein. Problematisch ist ebenfalls, dass niederländische Abschlüsse teilweise schlechter bewertet werden, da sie den deutschen  Anforderungen nicht entsprechen. Dadurch werden Einstellungen verhindert oder die Grenzgänger werden in niedrigeren beruflichen Positionen eingestellt.

In Overijssel ist der Abgeordnete Eddy van Hijum ein großer Befürworter der grenzüberschreitenden Arbeit  und setzt sich auch aktiv dafür ein. So hat van Hijum das Angebot Experiment Grenze wahrgenommen und sich getraut, einen Tag lang bei einem deutschen Unternehmen einen Schnuppertag mitzumachen. Als „Heizungsbaumeister“ für das auf landwirtschaftliche Klimatechnik spezialisierte Unternehmen INOTEC in Heek schlüpfte van Hijum einige Stunden lang in die Arbeitskleidung der Firma und half bei der Befestigung von Rohren in einem Schweinestall.

Eddy van Hijum zeigt durch seinen Einsatz, dass der Wille zur grenzüberschreitenden Arbeit vorhanden ist. Sowohl die niederländische Regierung als auch die Regierungen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachen seien daran interessiert, die Möglichkeiten zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu verbessern. Van Hijum plädiert vor allem für ein deutsch-niederländisches Abkommen auf Länderebene, in dem Vereinbarungen über die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse getroffen werden. Zudem wäre es hilfreich, die niederländischen Ausbildungen im Pflege- und im Techniksektor an die deutschen Anforderungen anzupassen. So könnten viele Hürden beseitigt werden und das grenzüberschreitende Arbeiten beliebter werden. Das Experiment Grenze der EUREGIO ist in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung und ermutigt Interessierte, sich konkret mit den beruflichen Möglichkeiten, die das Nachbarland bietet, auseinanderzusetzen. Interessierte Arbeitgeber und Arbeitnehmer können auf der Facebook-Seite des Projekts einsehen, welche Betriebe bereits mitgemacht haben oder Schnuppertage anbieten. Bei Interesse können Sie Kontakt mit Stéphanie Woldringh (s.woldringh@euregio.eu oder Tel: 02562 - 70254) aufnehmen.