KLIMA: Historische Dürreperiode in den Niederlanden


Amsterdam,
LM/NRC 04. Juli 2018

In den Niederlanden herrscht eine historische Dürreperiode. Am vergangenen Wochenende wurden die niederländischen Bürger dazu aufgerufen, den Wasserverbrauch einzuschränken. Vor allem die Natur und einige Tiere leiden unter der Trockenheit. In den letzten Tagen kam es vermehrt zu Bränden. Ein Campingplatz in Groningen musste geräumt werden, weil sich die Flammen eines in der Nähe brennenden Feldes immer weiter ausbreiteten.

Seit Sonntagabend gehört das Jahr 2018 zu den 5 Prozent der trockensten Jahre, die je in den Niederlanden gemessen wurden. Die Messungen finden seit 1906 statt. Der vergangene Juni war der trockenste Juni überhaupt. Seit der Jahrtausendwende war es nur in einem Jahr trockener als in diesem: 2003 betrug das Niederschlagsdefizit 235 Millimeter. Das trockenste Jahr, das jemals gemessen wurde, war das Jahr 1976, mit einem Niederschlagsdefizit von 350 Millimetern.

Das Königlich Niederländische Meteorologische Institut, kurz KNMI, berechnet jährlich ab April das sogenannte Niederschlagsdefizit, die Differenz zwischen der Niederschlagsmenge und der Verdunstungsmenge. Die Differenz beträgt in einem durchschnittlichen Jahr zu dieser Jahreszeit in den Niederlanden ungefähr 100 Millimeter, liegt zurzeit allerdings schon bei 161 Millimetern und wird sich in den nächsten Wochen auf 200 Millimeter erhöhen. Aufgrund dieser Werte gehört der aktuelle Sommer vorläufig zu den 5 Prozent der trockensten Jahre, die einmal in zwanzig Jahren vorkommen. Das könnte sich allerdings in den nächsten Jahren ändern, wenn die Klimaerwärmung ihren Lauf nimmt und sich die bisherigen Prognosen bewahrheiten sollten. Am Ende dieses Jahrhunderts könnte dann jeder Sommer so trocken sein, wie der aktuelle Sommer es bisher ist.

In den Provinzen Noord-Holland, Zeeland, West-Brabant und Gelderland wurde die höchste Alarmstufe für eine akute Brandgefahr ausgerufen. Die Polizei und die Förster führen seitdem tägliche Kontrollen durch, um Brände zu verhindern oder schnell ausfindig zu machen. In Friesland kontrolliert die Wasserbehörde die Deiche, die aus Torf bestehen, da die Dürre in diesen Deichen Risse verursachen kann. In besonders extremen Fällen können diese Deiche sogar zusammensacken.

Die niederländischen Bürger sollen in den nächsten Tagen sparsamer mit dem Wasser umgehen. An trockenen Tagen verbrauchen Niederländer durchschnittlich 40 Prozent mehr Wasser als sonst. Aktivitäten, die mit einem hohen Wasserverbrauch verbunden sind, sollen möglichst eingeschränkt werden – vor allem morgens zwischen 6.00 und 9.00 Uhr und abends zwischen 18.00 und 22.00 Uhr. Hauptsächlich sollen das Bewässern der Gärten, das Füllen von Planschbecken, das Waschen des Autos und die Nutzung der Spülmaschine zu diesen Zeiten eingeschränkt werden. Der extrem hohe Wasserverbrauch kann zu einem niedrigeren Wasserdruck führen, wodurch das Kranwasser eine braune Färbung bekommen kann. Das Wasser ist dann allerdings trotzdem weiterhin trinkbar. Es besteht kein Risiko, dass kein Trinkwasser mehr aus dem Wasserhahn kommt.

Auch in den nächsten zwei Wochen soll es weiterhin trocken bleiben – mit Niederschlägen wird kaum gerechnet. Das Niederschlagsdefizit wird deshalb voraussichtlich auf 210 Millimeter steigen. Auch die Temperatur soll in den nächsten Tagen nicht sinken, stattdessen wird in den Niederlanden eine Hitzewelle erwartet.

Für den Fall, dass in den Niederlanden das Wasser knapp wird, treten gesetzlich geregelte Maßnahmen in Kraft. Diese Regelungen bestimmen, welche Sektoren vorrangig Anspruch auf Wasser haben. Anders als im Rest Europas wird das verfügbare Wasser in diesem Fall nicht zuerst an die Trinkwasserversorgung geleitet, sondern dafür eingesetzt, den Pegel an den Deichen und Ufern konstant zu halten. Deiche aus Torf können durch die Trockenheit zusammensacken, dies geschah im Jahr 2003 in Wilnis. Deshalb sei es ausgeschlossen, dass der Pegel gesenkt würde, so Cees van Bladeren von der Unie van Waterschappen (dt. „Union der Wasserbehörden“). Wenn es zu einer Wasserknappheit käme, müsse man eventuell sogar Salzwasser verwenden. Dazu sei es aber noch nie gekommen. Danach habe die Natur die höchste Priorität, denn die Trockenheit könne dort einen irreparablen Schaden verursachen. Erst, wenn die Deiche und die Natur versorgt worden wären, kämen Versorgungsunternehmen an die Reihe: die Energieversorgung und die Trinkwasserversorgung. Letztere sei in den Niederlanden gut geregelt, so der  Dürreexperte Harold van Waveren. Es sei nahezu ausgeschlossen, dass das Trinkwasser knapp würde, selbst bei einer extremen Dürreperiode. Erst danach würden Landbau und Schifffahrt mit Wasser versorgt, sodass es durchaus dazu kommen könnte, dass Schiffe bei extremer Hitze vor den Schleusen warten müssten, da das Wasser für wichtigere Sektoren benötigt würde. Doch bis all diese Maßnahmen und die Verteilungskette in Kraft treten würden, müsste die Dürreperiode noch deutlich länger anhalten.


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