TOURISMUS: Kampagne gegen „rüpelhafte“ Touristen in Amsterdam


Amsterdam,
LM/NRC 19. Juni 2018

Die Belästigungen durch feiernde Touristen nehmen in der Amsterdamer Innenstadt immer weiter zu. Vor allem die Bewohner der Innenstadt leiden unter dem schlechten Benehmen der feierwütigen Touristen: Mit in der Öffentlichkeit urinierenden Männern, Betrunkenen, Müll und Lärm werden die Anwohner täglich konfrontiert. Jetzt soll eine Kampagne gegen „rüpelhaftes“ Benehmen zu einem besseren Verhalten der Touristen führen.

Wer samstagabends im Rotlichtbezirk De Wallen in Amsterdam-Zentrum durch die Straßen geht, kann beobachten, welches Publikum Amsterdam gerne für einige Tage oder ein Wochenende besucht. Touristen mit Kameras stehen vor einem Sex-Club, Junggesellenabschiede ziehen durch die Straßen und halten sogenannte Poppers in den Händen – Drogen die beim Sex besonders beliebt sind. Kiffende Touristen sitzen am Rand der Grachten, in denen Müll und leere Bierdosen treiben. Männergruppen stehen vor den Fenstern, hinter denen Prostituierte stehen, und rufen ihnen etwas zu.

2016 rief die Gemeinde unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters van der Laan die sogenannte Innenstadt-Offensive ins Leben. Es wurde mehr Polizei eingesetzt, um die Stadt wieder lebenswerter zu machen. Zwischenberichte der Gemeinde zeigen auf, dass die Straßenkriminalität wie beispielsweise Taschendiebstahl und der Drogenhandel seitdem zurückgegangen sind. Dafür würden mittlerweile allerdings mehr Beschwerden über Lärmbelästigung und Ähnliches bei der Gemeinde eingehen. Schon allein im Gebiet De Wallen sind 2017 im letzten Quartal 581 Meldungen bei der Gemeinde und der Polizei eingegangen. 2016 sind im gleichen Zeitraum nur 325 Meldungen eingegangen.

Vor kurzem wurde eine neue Kampagne von Amsterdam Marketing gestartet, die dem rüpelhaften Benehmen der Touristen entgegenwirken soll. Die Aktion richtet sich vor allem an junge Männer im Alter zwischen 18 und 34 Jahren aus England und den Niederlanden, die sich für Kneipenabende und Junggesellenabschiede in Amsterdam aufhalten. Sie bleiben meist nur ein paar Tage, übernachten in günstigen Unterkünften und geben ihr Geld für Drogen aus. Den Innenstadtbewohnern und den Geschäftsinhabern in den Innenstadtbezirken zufolge sorgen diese Gruppen für die zunehmenden Belästigungen.

Durch die Kampagne sollen die jungen Männer auf ihr Verhalten und die damit verbundenen Strafen aufmerksam gemacht werden. Sie sollen möglichst durchgängig während ihres Aufenthalts in Amsterdam mit den Plakaten der Kampagne konfrontiert werden. Schon bei den Reisevorbereitungen sollen sie zum ersten Mal die Werbung zu Gesicht bekommen: die Anzeigen sind auf niederländischen und britischen Webseiten für günstige Hostels, Junggesellenabschiede und Flugtickets zu finden. Zusätzlich verwendet die Kampagne das sogenannte „Geofencing“ mithilfe von GPS: Sobald die Zielgruppe De Wallen, den Rembrandtplein, den Leidseplein oder den Hauptbahnhof erreicht, erscheinen Anzeigen in den Sozialen Medien der Gruppenmitglieder. So erfahren die betroffenen Personen beispielsweise, dass für das Wildpinkeln ein Bußgeld in Höhe von 140 Euro eingefordert wird.  Andere Anzeigen beziehen sich auf die Lärmbelästigung oder die Verschmutzung der Straßen. Die Botschaft hinter der Kampagne lautet, dass Amsterdam zwar eine offene und tolerante Stadt ist, dass die Besucher der Stadt aber trotzdem nicht tun und lassen können, was sie wollen. Für die Kampagne wurden 225.000 Euro bereitgestellt, die Kosten teilen sich Amsterdam Marketing, die Gemeinde und gewerbliche Betriebe.

Bert Nap, ein Innenstadtbewohner, befürwortet die Kampagne: Man wisse natürlich sehr genau, dass man in einem Touristengebiet wohne, und man sei Lärm natürlich auch gewohnt. Doch die stattfindenden Exzesse könne man nicht dulden. Die neue Kampagne sei ein gutes Signal für die Nachbarschaft. Es gehe um die Erkenntnis, dass auch De Wallen ein Wohnviertel sei. Nap erhofft sich von der Kampagne, dass die Stadt ein anderes Image bekommt. Allerdings kann die Kampagne Nap zufolge nur dann Erfolg haben, wenn die auf den Plakaten genannten Bußgelder auch wirklich eingezogen werden.

Die neue Stadtverwaltung will für das bestehende Problem in den nächsten Jahren auf jeden Fall mehr Geld ausgeben. Während es im Jahr 2018 noch 9 Millionen Euro sind, die zur Verfügung stehen, sollen es 2021 25 Millionen Euro sein. Ob die neue Kampagne wirklich zu einem besseren Benehmen der Touristen führt, ist noch nicht absehbar. Amsterdam Marketing ist sich darüber im Klaren, dass dafür viel Zeit, Geld und ein langer Atem nötig sind.