TOURISMUS:Amsterdamer entfernen Liebesschlösser

Amsterdam, TA/NRC/ 05. Juni 2018


Es wurde bisher immer als Guerilla-Aktion durchgeführt, aber die Bewohner Amsterdams dürfen es zukünftig auch offiziell: Sogenannte Liebesschlösser von Brücken entfernen, die nicht nur in den Augen der Anwohner die Stadt verschandeln, sondern auch zu statischen Problemen führen können.

Touristenpärchen, die Amsterdam besuchen, verewigen ihre Beziehung gerne in Form von Liebesschlössern an den Brücken der Stadt. Doch wo die Schlösser in ihren Augen eine romantische Geste sind, stellen sie für die Bewohner ein Ärgernis dar: Die Brücke, über die man täglich fährt, wird durch die Liebeserklärungen allmählich schwerer und unansehnlicher. Und obwohl die Touristen ein paar Tage später wieder abreisen, bleibt ihre stählerne Liebeserklärung noch jahrelang hängen.

Daher hat der Stadtteil Amsterdam-Centrum nun beschlossen, dass Anwohner die Schlösser eigenständig entfernen dürfen. Das ist auch schon zuvor vorkommen, so Boudewijn Oranje, Leiter der Stadtteilverwaltung. Dann seien es aber Guerilla-Aktionen gewesen. Bewohner gingen beispielsweise auf die Staalmeestersbrug, die bei Liebespaaren so beliebt ist, dass sie auf Google Maps auch als Love Lock Bridge zu finden ist, und machten sich mit einem Winkelschleifer an die Arbeit. Oranje betitelt diese Bewohner als „proaktiv“ und meint, dass es zwar einerseits gut sei, dass die Anwohner ihre eigene Stadt instand halten, andererseits aber auch nicht einfach „jeder einfach irgendwas machen“ dürfe.  

Darum hat der Stadtteil jetzt Kriterien festgelegt, die die schlösserentfernenden Anwohner erfüllen müssen. So muss vorab angemeldet werden, wo und wann Schlösser entfernt werden, das Werkzeug muss geprüft sein und man muss Schutzkleidung tragen. Für das Zentrum Amsterdams ist die Beteiligung der Bürger eine willkommene Entwicklung. Letztes Jahr mussten mehr als 1.500 Schlösser von Brücken entfernt werden, wodurch laut Hochrechnung der Stadtteilverwaltung Kosten von circa 50.000 Euro pro Jahr entstünden.

Entfernt werden müssen die Schlösser aber auf jeden Fall. Abgesehen davon, dass sie Brücken optisch verunstalten, kann auch das Gesamtgewicht der Schlösser zu statischen Problemen führen. In Paris drohte letztes Jahr die berühmte Ponts des Arts durch die Last der vielen Schlösser einzustürzen.

Die Schlösser passen laut Oranje in eine  allgemeine Entwicklung der Stadt Amsterdam: Immer mehr Touristen, ein monotones Angebot an Läden und immer höhere Mietpreise. „Amsterdam war immer attraktiv, da es immer eine kreative und innovative Stadt gewesen ist“, so Oranje. Aber der soundso vielte Waffelladen und das soundso vielte Bierfahrrad tragen wenig zur Kreativität der Stadt bei. Tatsächlich scheint das Zentrum Amsterdams weniger kreativ und innovativ zu sein als noch vor einigen Jahren. Mascha ten Bruggencate, die ab kommender Woche Leiter der Stadtteilverwaltung ist, wird die Aufgabe tragen müssen, diese Kernwerte wieder herzustellen.