MILITÄR: Unzureichender Schutz gegen giftiges Chrom-VI

Den Haag, TA/NRC/ 05. Juni 2018


Staatssekretärin für Verteidigung Barbara Visser (VVD) entschuldigte sich gestern öffentlich und gestand Fehler in der Chrom-VI-Affäre ein. Dabei ging es um giftige Farbe, die vom niederländischen Militär benutzt wurde und krebserregend ist. Mit der finanziellen Wiedergutmachung, die Visser anbot, waren die meisten Betroffenen jedoch unzufrieden. Man reagierte sauer und enttäuscht.

Diese angebotene Regelung sieht eine Entschädigung für ehemalige Mitarbeiter des Militärs vor, die auf fünf ehemaligen NATO-Stützpunkten in der Grenzregion dem krebserregenden Stoff Chrom-VI ausgesetzt waren. Dieser war Bestandteil von Farbe, mit denen Fahrzeuge des Heers gestrichen wurden. Die Betroffenen haben demnach Anspruch auf individuelles Schmerzensgeld in Höhe von 5.000 bis 40.000 Euro und einem einmaligen, festen Betrag von 3.850 Euro für den materiellen Schaden, wie etwa Behandlungskosten. Aus einem Bericht, aus dem bereits letztens Freitag Informationen unter anderem an die niederländische Zeitung NRC Handelsblad durchsickerten, geht hervor, dass das niederländische Heer seine Mitarbeiter nicht gut genug geschützt habe. Dabei sei bereits seit 1973 bekannt gewesen, dass die verwendete Farbe dieses Risikopotential habe. Zwischen 1984 und 2006 arbeiteten zwischen 2.000 und 3.000 Menschen auf diesen Stützpunkten für Lagerung und Instandhaltung von NATO-Material. Vor allem Mitarbeiter wie beispielsweise Mechaniker oder Schweißer sind gefährdet gewesen.

Yme Dorst, Experte für Körperschäden, nennt es „fantastisch“, dass die Armee sich ihren Fehler eingesteht und um Entschuldigung bittet, sieht die finanzielle Regelung aber kritisch. Diese sei nur für eine begrenzte Gruppe von ehemaligen Mitarbeitern gültig. So fallen Betroffene, die Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs bekommen haben, aus dieser Regelung heraus, während ehemalige Mitarbeiter mit Magenkrebs von der Regelung betroffen sind. Auch Mitarbeiter mit Blasenkrebs, Asthma oder chronischen Schmerzen bekommen keine finanzielle Wiedergutmachung. Vielen geht die Regelung daher nicht weit genug. Andere meinen, dass die Beträge, die ausgezahlt werden sollen, zu gering sind.  

Laut Experten sei der in der verwendeten Farbe enthaltene Stoff Chrom-VI „schlimmer als Asbest“. Er kann mehrere Krebsarten oder Krankheiten hervorrufen, die sich oft erst 15 bis 25 Jahren nach dem Exponieren offenbaren. 2013 hatte sich ein ehemaliger Mitarbeiter mit Dokumenten, die die erhöhte Chrom-VI Belastung bewiesen, an einen Anwalt gewandt. 2014 gelang diese Affäre an die Öffentlichkeit, woraufhin Minister Hennis-Plasschaert beim Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM, deutsch „Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt“) eine Untersuchung in Auftrag gab.

Dem RIVM-Bericht zufolge hätte die niederländische Armee ihre Mitarbeiter über die Gefahr informieren müssen. Das sei aber ausgeblieben und Mitarbeiter mussten ohne funktionierende Lüftung oder persönliche Schutzkleidung arbeiten. Das RIVM führt noch Nachforschungen über die Chrom-VI-Belastung auf anderen Stützpunkten der niederländischen Luftwaffe und der Landstreitkräfte durch. In der Armee wird an manchen Orten noch immer mit der giftigen Farbe gearbeitet. Aber das gehe, laut Visser, nun sicher vonstatten.