KULTUR: Größtes Kulturangebot im Norden der Niederlande


Amsterdam, LM/NRC/VK 30. Mai 2018

Heute präsentiert der Atlas der Gemeinden, der die niederländischen Gemeinden in fünfzig verschiedenen Kategorien vergleicht, die Ergebnisse der diesjährigen Ausgabe. Diesmal hat der Atlas der Gemeinden den Schwerpunkt auf das kulturelle Angebot der Gemeinden gelegt. Die Ergebnisse sollen einen Beitrag zur Diskussion über den politischen Umgang mit Kultur leisten. Wenig überraschend hat Amsterdam das größte kulturelle Angebot der fünfzig Gemeinden.

Die Atlas-Forscher haben für ihre Untersuchungen einen neuen, regionalen Kulturindex verwendet, den sie mit der Boekmanstichting entwickelt haben, einem unabhängigen Forschungszentrum für Kunst, Kultur und Politik. Der Index zeigt das Angebot kultureller Einrichtungen in fünf Kategorien auf: Bühnenkunst (Auftritte, Festivals), bildende Kunst (Museen), Kulturerbe, Literatur (Buchhandel und Bibliotheken) und Film. Diese Kriterien wurden in Bezug auf die Einwohneranzahl der Gemeinden verglichen.

Von den fünfzig größten Gemeinden kann Amsterdam mit dem größten Kulturangebot aufwarten, auf den Plätzen zwei und drei stehen Maastricht und Leeuwaarden. Wenn man die Ergebnisse der verschiedenen Regionen vergleicht, hat der Norden seinen Einwohnern auf kulturellem Gebiet am meisten zu bieten. Die Provinzen Groningen und Zeeland übertreffen alle anderen Provinzen in Bezug auf das kulturelle Angebot. Insgesamt schneiden die Städte, die historische Stadtkerne besitzen, besser ab. Die neueren Städte wie Zoetermeer, Alphen aan den Rijn, Lelystad und Almere schneiden deutlich schlechter ab. Den letzten Platz belegt die südholländische Gemeinde Nissewaard mit dem Stadtkern Spijkenisse.

Für die großen, regionalen Unterschiede gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Zum einen habe es mit historischem Zufall oder Pech zu tun, so Atlas-Forscher Roderik Ponds. Amsterdam und Utrecht hätten beispielsweise schöne, historische Stadtkerne, eine Stadt wie Hengelo habe das nicht. Zum anderen spiele die Politik eine wichtige Rolle, sowohl auf nationaler als auch auf kommunaler Ebene. Die Entscheidung, wo ein Museum gebaut wird und wie viel Geld in den Bau investiert wird, kann entscheidende Auswirkungen auf das kulturelle Angebot einer Stadt haben. Auf regionaler Ebene könne jede Gemeinde selbst entscheiden, wie viel Geld in die Kultur investiert würde, so lege die eine Gemeine größeren Wert auf Kultur, die andere Gemeinde benötige das Geld vielleicht für andere Zwecke.

Der Atlas der Gemeinden will mit den Ergebnissen einen Beitrag zur Diskussion über den politischen Umgang mit Kultur leisten. So sei auch die Lage der jeweiligen Gemeinden ausschlaggebend für das kulturelle Angebot. Die Einwohner von Almere profitieren von dem großen Kulturangebot in Amsterdam, so habe Almere Ponds zufolge zwei Möglichkeiten in Bezug auf das kulturelle Angebot der eigenen Stadt: Almere kann sich auf das Angebot der großen Nachbarstadt verlassen, oder eigenständig und von Amsterdam unabhängig agieren und kulturelle Angebote schaffen. Auch die Bewohner von Spijkenisse profitieren von der großen Nachbarstadt Rotterdam und sind deshalb nur bedingt von eigenständigen Kulturangeboten abhängig.

Frühere Untersuchungen haben dem Atlas der Gemeinden zufolge gezeigt, dass die Leute dazu bereit sind, eine halbe Stunde Reisezeit zu investieren, um ein Theater oder ein Konzert zu besuchen. Für den Besuch eines Museums wird oft ein ganzer Tag eingeplant. Der Effekt der Investition in Kultur sei nur indirekt zu messen, so Ponds. Allerdings trage Kultur auf jeden Fall zum Tourismus bei und übe eine gewisse Anziehungskraft auf neue Einwohner aus.