GESELLSCHAFT: Nur eine Minderheit hegt Abneigung gegen Homosexuelle

Amsterdam, TA/NRC 17. Mai 2018


Der heutige Tag ist der internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie 2018. Daher legt das Sociaal en Cultureel Planbureau (SCP; deutsch „Soziale und kulturelle Planungsbehörde“) heute einen Bericht vor, der sich mit der Haltung der niederländischen Bevölkerung zum Thema sexuelle Diversität beschäftigt. Aus dem Bericht lässt sich schließen, dass die Haltung der Niederländer in Bezug auf dieses Thema im Allgemeinen noch positiver geworden ist.

Als am 1. April 2001 in Amsterdam die weltweit ersten gleichgeschlechtlichen Ehen geschlossen wurden, standen  auf dem Gehweg vor dem Rathaus gerade einmal sieben Demonstranten. Die Niederlande gehören immer noch zu einem der tolerantesten Länder weltweit im Hinblick auf Homosexualität. Das meldet das SCP, das seit 2006 die Gleichstellung von niederländischen Homosexuellen, Bisexuellen und Transgendern beobachtet.

Am heutigen Donnerstag  erscheint der neueste Bericht des SCP. Darin wird berichtet, dass die tolerante und positive Haltung der Niederländer in Bezug auf diese Minderheiten noch positiver geworden ist. 2006 äußerten sich 53 Prozent der Niederländer positiv über Homo- und Bisexualität, während das nun 74 Prozent sind. Auch der Anteil der Befragten, der positiv über Transgender denkt, nahm zu: Von 45 auf 57 Prozent.

Der vorgelegte Bericht fußt dabei auf Studien und Fragebögen, die das SCP 2.000 Niederländern vorlegte. Die Reaktionen waren im Allgemeinen positiver als noch vor 12 Jahren. Auch unter Menschen, die traditionell negativ über Homo- und Bisexualität denken, wie Senioren oder Gläubigen.

Kim Putter, SCP-Direktorin, hört oder sieht in den sozialen Medien und gesellschaftlichen Debatten aber auch andere Meinungen. In den letzten Jahren gab es in den Niederlanden viele Vorfälle von Gewalt gegen Homosexuelle. So wurden 2016 in Groningen zwei Frauen Opfer von Gewalt, in Maastricht wurden Dragqueens misshandelt und in Amsterdam wurden Flyer in Briefkästen geworfen, die sich gegen Homosexualität aussprechen. Im März dieses Jahres wurden Plakate einer Modemarke beschmiert und beschädigt, weil auf ihnen zwei sich küssende Männer zu sehen waren. In Folge dieser Werbeaktion verlor die Modemarke darüber hinaus mehrere tausend Follower auf Instagram.

Dass Homo- und Bisexuelle mit Gewalt in Berührung kommen, zeige auf den ersten Blick vielleicht einen Gegensatz zu den positiven Ergebnissen des Berichtes des SCP, so die Forscherin Lisette Kuyper. Aber eigentlich handele es sich dabei nur um einen kleinen Teil der niederländischen Bevölkerung, der negativ denke, und einen noch kleineren Teil, der zu negativen Handlungen greife.  Die große Mehrheit der Bevölkerung habe im Vergleich zu anderen Ländern eine positive Haltung gegenüber Homosexuellen.   

Der Bericht des SCP hat dabei zwei Randnotizen. Einerseits wird über bestimmte Themen sehr wohl negativer gedacht als früher, andererseits gab es in der Gesellschaft schon immer Gruppen von Menschen, die negativ über sexuelle Diversität denken. „Aber auch hier muss man im Hinterkopf behalten, dass die Mehrheit keine negative Haltung hat“, so Kuyper. „Und die Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen werden kleiner. Vor zwölf Jahren dachten Menschen über 70 noch deutlich negativer als Jüngere.“ 2006 äußerte sich noch rund ein Drittel der über 70-Jährigen negativ über Homosexualität, während es mittlerweile nur noch 10 Prozent der Befragten getan haben.