KULTUR: Neues Gemälde von Rembrandt entdeckt


Amsterdam,
LM/NRC/VK 16. Mai 2018

Der niederländische Kunsthändler Jan Six hat ein neues Gemälde von Rembrandt entdeckt. Das Gemälde, das einen unbekannten jungen Mann zeigt, wird auf das Jahr 1634 datiert und ist wahrscheinlich ein Fragment eines großen Doppelportraits. Gestern veröffentliche Jan Six das Buch „Rembrandts Portret van een jonge man“ (dt. „Rembrandts Portrait eines jungen Mannes“), in dem er den Fund und die damit zusammenhängenden kunsthistorischen Untersuchungen schildert.
 
Jan Six gehört dem namhaften Partrizier- und Kaufmannsgeschlecht Six an und ist ein Amsterdamer Kunsthistoriker und Kunsthändler. Er arbeitete als Leiter der Abteilung der alten Meister bei Sotheby’s bis er sich im Alter von dreißig Jahren selbstständig machte. Vor eineinhalb Jahren entdeckte Six das Portrait des jungen Mannes im Katalog des britischen Auktionshauses Christie’s, in dem es unter dem Stichwort „circle of Rembrandt“ für 15.000 Pfund angeboten wurde. Die geschulten Augen von Six entdeckten in der Abbildung des Gemäldes sofort Hinweise darauf, dass es sich um ein Gemälde von Rembrandt selbst handeln könnte. Six begab sich auf die Suche nach Investoren und rechnete mit einem anfallenden Betrag von mehreren Millionen Euro. Stattdessen konnte er das Gemälde für 156.000 Euro erstehen.

In dem am Dienstag erschienen Buch „Rembrandts Portret van een jonge man“ erklärt Six, warum das Gemälde nur von Rembrandt stammen kann, und nicht von einem Schüler oder einem Nachahmer angefertigt wurde. Der ehemalige Leiter des Rembrandt Research Project Ernst van de Wetering, der ein angesehener Rembrandt-Experte ist, stimmt der Schlussfolgerung von Six zu. Fünfzehn weitere internationale Konservatoren und Kunsthistoriker sind ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass das Gemälde von Rembrandt gemalt wurde.

Das Gemälde ist 94,5 x 73,5 Zentimeter groß und wurde dem Auktionshaus von einer adligen, britischen Familie übergeben. Auf dem Gemälde ist ein junger Mann mit schulterlangem Haar zu sehen, der für die damalige Zeit teure, modische Kleidung trägt. Diese Kleidung spielte bei der Zuordnung des Gemäldes eine wichtige Rolle. Aufgrund des schwarzen Tuchs, das im 17. Jahrhundert typisch für verheiratete Männer war, des Spitzenkragens und des Hemdes mit Manschetten konnte das Gemälde ziemlich genau datiert werden. Denn solche Kragen und Hemden im französischen Stil waren vor 1633 noch nicht üblich und kamen nach 1634 bereits wieder aus der Mode.

Der Spitzenkragen des jungen Mannes auf dem Gemälde ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass Rembrandt der Schöpfer des Portraits ist. Rembrandt hatte eine ganz eigene Art, Spitze zu malen. Er konzipierte die Spitze, indem er zuerst eine weiße Fläche malte, die er dann mit schwarzen Farbklecksen bedeckte, die die Aussparungen der Spitze darstellen sollten. Rembrandts Vorgehensweise war anders, als die seiner Zeitgenossen: er malte die Spitze eher impressionistisch, und nicht realistisch. Diese Technik konnte Six auch bei dem Spitzenkragen des jungen Mannes entdecken.

Six geht davon aus, dass es sich bei dem Gemälde des jungen Mannes lediglich um ein Fragment eines großen Doppelportraits handelt. Ursprünglich waren auf dem Gemälde vermutlich der junge Mann und seine Ehefrau zu sehen. Das Großbürgertum ließ in der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen oftmals solche Eheportraits anfertigen. Six fand Hinweise darauf, dass ein Teil des Gemäldes abgeschnitten wurde, was oft mit alten Gemälden geschehen ist.
 
Wer der junge Mann auf dem Gemälde ist, weiß Six noch nicht. Sehr wahrscheinlich stammte der junge Mann aus Amsterdam oder Leiden, so wie viele identifizierte Personen auf den Gemälden Rembrandts aus den Jahren 1631-1635. Um die Identität des Mannes herauszufinden, müsste Six das Aufgebotsregister der beiden Städte prüfen und nach Männern im Alter von 20 bis 25 suchen, die aufgrund des Berufs, der Adresse und der finanziellen Situation in Betracht kommen könnten. Die Suche nach dem Namen des Mannes wird folglich noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Seit gestern hängt das Gemälde für einen Monat im Amstel-Saal der Eremitage in Amsterdam. Danach wird Jan Six einen geeigneten Käufer für das Portrait suchen. Ob es sich dabei um einen privaten Kunstsammler oder um eine öffentliche Einrichtung handeln wird, ist Six gleichgültig, denn schließlich sei er vornehmlich Händler. Welchen Preis der Käufer für das Gemälde bezahlen muss, ist ungewiss.


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