[UPDATE] GESELLSCHAFT: Drei Festnahmen bei der nationalen Dodenherdenking

Amsterdam, TA/NRC 08. Mai 2018


Die Aktionsgruppe Geen 4 Mei Voor Mij (deutsch „Kein 4. Mai für mich“) hatte angekündigt, während der nationalen Veranstaltung zur Dodenherdenking (deutsch „Totengedenktag“) am letzten Freitag in Amsterdam als Zeichen des Protestes zu schreien. NiederlandeNet berichtete hierüber. Das Gericht in Amsterdam hatte am letzten Donnerstag beschlossen, dass die geplante Protestaktion nicht zulässig ist. Laut dem Richter stellt die Demonstration, die schon durch den stellvertretenden Bürgermeister Jozias van Aartsen verboten wurde, eine Störung der öffentlichen Ordnung dar. Damit blieb auch ein Platzverbot des Aktivisten Rogier Meijerink bestehen.

Während des kurzen Prozesses am Donnerstagnachmittag hatte Meijerink seinen Plan noch einmal geändert. Anstatt zu schreien, wollte er einen Fliegeralarm kurz vor dem Beginn der zwei Minuten Stille auslösen und im Anschluss den Platz um 20.00 Uhr verlassen. Auch das hatte der Richter verboten: „Sie haben das Recht, ihre Meinung  zu verkünden. Die Frage ist: Kann das auf die Art und Weise geschehen, wie sie es wollen. Die Antwort ist nein.“

Meijerink wollte dennoch auf dem Dam, dem bekanntesten Platz Amsterdams, erscheinen und Krach machen. „Wir werden uns unter die Menge mischen und Lärm machen. Wenn man das alleine macht, ist es keine Demonstration“, sagte er nach dem Prozess. Am Freitagmorgen verkündete er dann, dass er seine Pläne nicht durchführen werde.

Kurz vor der obligatorischen Stille um 20.00 Uhr am Freitag war dann zwei Mal lautes Geschrei auf dem Dam zu hören. Die anwesenden Polizisten haben einen Mann, dessen Identität noch nicht bekannt gegeben wurde, festgenommen und abgeführt.  Laut dem Algemeen Nederlands Persbureau (APN, deutsch „Allgemeine Niederländische Nachrichtenagentur“), der größten Nachrichtenagentur der Niederlande, wurde der Festgenommene beschimpft, während die Polizisten ihn abführten.   

Insgesamt führte die Polizei drei Festnahmen durch. Eine davon aufgrund von Trunkenheit. Ansonsten ist die Gedenkveranstaltung ungestört verlaufen und während der zweiminütigen Stille war kein Lärm zu hören. Während der Gedenkveranstaltung zeigte die Polizei deutliche Präsenz. In der gesamten Stadt wurden circa 500 Polizisten eingesetzt; laut den zuständigen Stellen war diese Anzahl allerdings nicht höher als gewöhnlich.

Die angekündigten Proteste wären nicht die erste Störung der Dodenherdenking in Amsterdam gewesen. Schon 2010 wurde die Gedenkfeier durch einen schreienden Mann gestört, der daraufhin als Damschreeuwer (deutsch „Dammschreier“) betitelt wurde. Es entstand eine Panik unter den Anwesenden und mehrere Menschen wurden verletzt. Der Damschreeuwer wurde daraufhin zu sechszehn Monaten Gefängnisstrafe verurteilt und bekam ein Platzverbot für zukünftige Gedenkfeiern.