GESELLSCHAFT: Jugendliche und junge Erwachsene bitten häufiger um Sterbehilfe

Den Haag, TA/NRC 03. Mai 2018


Aus am Mittwoch von der Levenseindekliniek (deutsch „Lebensendeklinik“) veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass Jugendliche und junge Erwachsene unter 30 im Jahr 2017 in den Niederlanden viel häufiger um Sterbehilfe baten als ein Jahr zuvor. Die Organisation, die aus circa 60 herumreisenden Ärzten und Krankenpflegern besteht, nannte diesen Anstieg „auffällig“. Die Organisation beurteilt dabei vor allem Sterbehilfeanfragen von Patienten, denen ein Arzt, wie etwa ihr Hausarzt, nicht weiterhelfen kann oder will.


156 junge Erwachsene baten die Levenseindekliniek 2017 um Sterbehilfe, ein Anstieg von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sieben von ihnen bekamen von der Organisation tatsächlich auch Sterbehilfe, während diese 2016 lediglich in zwei Fällen geleistet wurde.


Rund 10 Prozent der Sterbehilfe wird dabei in den Niederlanden von den Ärzten der Levenseindekliniek geleistet. Laut dem niederländischen euthanasiewet (deutsch „Sterbehilfegesetz“) kommen Menschen, die „untragbar“ und „aussichtslos“ leiden, für Sterbehilfe in Frage.


Es gab dabei im letzten Jahr in den Niederlanden viel Aufmerksamkeit für junge Erwachsene, die ihr Leben beenden wollen. So bekam Ende Januar eine 29-jährige Niederländerin, die unter psychischen Problemen litt, Sterbehilfe von der Levenseindekliniek. Dabei ließ sie sich von niederländischen Fernsehsender RTL Nieuws in den Wochen vor der Sterbehilfe begleiten und filmen, um das Tabu, das auf Sterbehilfe für Patienten mit psychischen Problemen liegt, zu durchbrechen. Schon vorher hat sie ihren Wunsch, Sterbehilfe zu erhalten, offen im Internet mitgeteilt und erntete dafür sowohl viel Unterstützung als auch Kritik. In einer Petition wurden rund 10.000 Unterschriften gesammelt, um sie von der Sterbehilfe abzuhalten.

Aus den Zahlen der Levenseindekliniek geht nun hervor, dass sich mehr niederländische Jugendliche ebenfalls Sterbehilfe erhoffen. Die Ursachen hierfür bleiben im Dunkeln – auch die Levenseindekliniek hat keine Erklärung. Es ist jedoch deutlich, dass es sich beim „Großteil der Fälle“ um Menschen mit einer psychischen Störung handelt. Das erkläre auch, warum in sehr wenigen Fällen Sterbehilfe geleistet werde. Meistens stellt die Levenseindekliniek jedoch fest, dass keine Rede von einem „aussichtslosen Leiden“ sein kann und eine Behandlung nicht aussichtslos wäre.

Nach dem Tod einer 19-Jährigen aus Uden (Provinz Nordbrabant), die nach Missbrauch an einer posttraumatischen Stressstörung litt und sich mit einem Mittel, das sie im Internet kaufte, ums Leben brachte, flammte eine hitzige Diskussion über Jugendliche und junge Erwachsene auf, die ihr Leben beenden wollen, aber keinen Arzt aufsuchen.

Ihre Eltern protestierten daraufhin in Interviews gegen den einfachen Zugang zu tödlichen Mitteln im Internet. Sie gaben der Organisation Coöperatie Laatste Wil (CLW, deutsch „Kooperation Letzter Wille“) Schuld, da diese die Verfügbarkeit solcher Mittel öffentlich bekannt gemacht habe. Die CLW verkündete im September letzten Jahres, dass sie ein legal käufliches Mittel unter ihren Mitgliedern austeilen wolle, sodass diese ihr Leben „human“ beenden könnten.

Mittlerweile hat die CLW das Verbreiten dieses Mittels gestoppt. Die Generalstaatsanwaltschaft drohte, die „Käufer“ dieses Mittels zu verfolgen, nachdem Minister Hugo de Jonge (Minister für „Volksgesundheit“, CDA) sich sehr besorgt über den Tod der 19-Jährigen aus Uden zeigte.

Zahlen über den Wunsch Jugendlicher oder junger Erwachsener nach Sterbehilfe werden in den Niederlanden noch nicht lange erhoben. Laut der regionale toetsingscommissie euthanasie (deutsch „Regionale Prüfungskommission Sterbehilfe“), die beurteilt, ob Ärzte und Mediziner Sterbehilfe sorgfältig ausführen, wurde 2016 in 16 Fällen Sterbehilfe für Jugendliche oder junge Erwachsene geleistet. Insgesamt stieg die Zahl der geleisteten Sterbehilfe von 2016 zu 2017 um 8.1 Prozent auf 6.585 Fälle. Seit 2001 das Sterbehilfegesetz in den Niederlanden angenommen wurde, darf dort unter bestimmten Voraussetzungen aktive Sterbehilfe geleistet werden.


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