MONARCHIE: Ein Jahr mit König Willem-Alexander


Groningen,
LM/NRC 02. Mai 2018

Am vergangenen Freitag, dem 27. April, wurde in den Niederlanden erneut der Koningsdag gefeiert – der Geburtstag des Königs Willem-Alexander. Der niederländische König wurde 51 Jahre alt und besuchte anlässlich des Koningsdags in diesem Jahr die Stadt Groningen. Das NRC Handelsblad nahm den Koningsdag und die fünfjährige Amtszeit des Königs zum Anlass, eine Bilanz über die ersten Amtsjahre von Willem-Alexander zu ziehen und begleitete ihn ein Jahr lang bei öffentlichen Auftritten.

Groningen hatte zuletzt immer wieder im Zentrum der Medien gestanden, denn schwere Erdbeben, die durch die Gasförderung ausgelöst worden waren, hatten die Provinz zuletzt im Januar heimgesucht (NiederlandeNet berichtete). Es war deshalb schon abzusehen, dass der Koningsdag in Groningen nicht nur von ausgelassenen Feierlichkeiten bestimmt werden würde. Stattdessen nahm sich die Königsfamilie Zeit, um mit Erdbebengeschädigten und dem Bürgermeister Albert Rodenboog von Luppersum zu sprechen. Während auf der einen Seite die Kritiker der Gasförderung den Besuch der Königsfamilie dazu nutzten, ihren Unmut zu bekunden, feierten andere ausgelassen mit einem Bier in der Hand den Geburtstag des Königs und sangen Geburtstagslieder.

Willem-Alexander hatte das Erdbebengebiet in den letzten Jahren immer wieder aufgesucht – allerdings unter Ausschluss der Presse. Diese Besuche passen in das Bild über den König, das vom NRC Handelsblad in einer Reportage von Petra de Koning gezeichnet wird. Da Willem-Alexander jetzt seit fünf Jahren der niederländische König ist, wollte das NRC Handelsblad herausfinden, wie er sich in seiner Rolle als Oberhaupt des Königshauses macht. Ein Jahr lang begleitete Petra de Koning Willem-Alexander bei seinen Arbeitsbesuchen und anderen öffentlichen Auftritten, auch bei den Staatsbesuchen in Italien und Portugal war sie anwesend. Zusätzlich sprach sie mit vielen guten Bekannten von Willem-Alexander. Ihre Beobachtungen veröffentlichte de Koning anlässlich des Koningsdags im NRC Handelsblad am vergangenen Donnerstag.

De Koning beschreibt zu Beginn ihrer Reportage einen Besuch von Willem-Alexander und Máxima im Pflegeheim ’t Hofland in Pijnacker. Anlass ist der Freiwilligentag „NLdoet“ (dt. „NLmacht“), bei dem die beiden ein Frühstück für die Heimbewohner zubereiten und zusammen mit ihnen frühstücken. Der erste Pfannkuchen, den Willem-Alexander zubereitet, misslingt – die Induktionsplatte des Herds war  noch nicht heiß genug. Willem-Alexander stört sich an diesem Umstand, denn natürlich huschen in diesem Moment die Fotografen der Presse in die Küche, um Fotos zu schießen, da macht sich ein misslungener Pfannkuchen nicht gerade gut. Später erklärt ein guter Bekannter des Königs, dass solch ein Besuch ein einziges Theaterstück sei: „Was Sie in der Küche gesehen haben, war ein Schauspieler, der sich darüber ärgert, weil die Bühne nicht ordentlich ist. Die Requisiten müssen an ihrem Platz sein.“.

De Koning sieht Willem-Alexander jedoch als einen Schauspieler, der sich noch immer nicht an das Scheinwerferlicht gewöhnt hat. Sobald Fotografen erscheinen, falle es Willem-Alexander schwer, passend zu reagieren, während seine Frau Máxima gekonnt posiert. Die Abneigung gegen die Presse hegte Willem-Alexander schon früh, und äußerste sie auch öffentlich. De Koning beobachtet während des letzten Jahres, dass die Kameras den König nervöser machen, wenn sie in seiner direkten Nähe sind. Der König muss immer wieder Interviews geben, bei denen er von den Journalisten umringt ist, die ihn mit Fragen löchern. Alles, was er dann sagt, muss von den Ministern politisch verantwortet werden können. Solche Befragungen werden vorab intensiv vorbereitet. Die Fragen werden zuvor eingereicht, die Antworten werden von den entsprechenden Ministern und dem königlichen Berater sowie von Willem-Alexander selbst vorbereitet und auswendig gelernt. Trotzdem üben diese Pressetermine einen großen Druck aus – ein falsches Wort kann schwere Folgen haben.

Auftritte, bei denen es um soziale Projekte und Ähnliches geht, liegen dem niederländischen König laut de Koning offensichtlich besser. Als seine wichtigste Aufgabe sieht Willem-Alexander das Zusammenbringen der Menschen, das Ermutigen und das Repräsentieren. In dem Jahr, in dem de Koning ihn begleitet hat, überreichte Willem-Alexander Preise für Naturprojekte, besuchte innovative Unternehmen und gratulierte Rettungsarbeitern. Auch besuchte er Projekte für Ältere und Menschen mit Behinderung. Die Geschädigten der Erdbeben in Groningen wurden besucht, sowie verschiedene Stiftungen. Dabei ist Willem-Alexander laut de Koning immer an den Menschen interessiert, er stellt Fragen und vermittelt ihnen das Gefühl, wichtig zu sein und gehört zu werden. Nur wenn die Kameras ihm zu nah kommen oder im falschen Moment auftauchen, verschwindet die Lockerheit des niederländischen Königs kurzzeitig. Doch die Kameras muss Willem-Alexander hinnehmen, während er versucht, die Botschaft in den Niederlanden zu verbreiten, dass jeder dazu gehört und auch er ein ganz normaler Niederländer ist. Ein Bekannter des Königs scherzt, dass er in 25 Jahren bestimmt schon etwas besser mit den vielen Fotografen und Kameraleuten umgehen könne.