BILDUNG: Verteilung von zusätzlicher Bildungsfinanzierung


Den Haag, TA
/NRC/  24. April 2018

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden ist das Thema Bildung immer wieder ein Streitpunkt. Momentan wird über die gerechtere Verteilung von Fördermitteln diskutiert, mit deren Hilfe Bildungs- und Entwicklungsrückstände von Kleinkindern beseitigt werden sollen.

Arie Slob, Minister für Bildung von der der D66, muss im Frühjahr diesen Jahres eine Antwort auf die Frage finden, ob ein Schüler mit einem Sprachdefizit in der Großstadt mehr Geld kosten darf, als ein Schüler mit einem vergleichbaren Defizit auf dem Land. Es soll nämlich ein Topf mit rund 750 Millionen Euro – der zur Beseitigung des Bildungsrückstandes eingesetzt werden soll – neu verteilt werden. Dabei soll das Geld gerechter aufgeteilt werden, da es zurzeit mitunter gravierende Unterschiede in der Finanzierung der einzelnen Gemeinden gibt. So bekommt Utrecht pro Schüler im Schnitt 4.183 Euro, während die knapp 10 km entfernte Gemeinde Stichtse Vecht 610 Euro bekommt. In Deventer sind es 2.313 Euro und in Voorst (Provinz Gelderland) 797 Euro. Kleinere Gemeinden oder Dörfer haben aufgrund dieses Unterschiedes nicht immer die finanziellen Mittel, um Entwicklungsrückstände angemessen aufzuarbeiten, so Minister Slob.

Die großen und mittelgroßen Städte finden es hingegen gerechtfertigt, dass sie mehr Geld bekommen. Man könne nicht dort sparen, wo es am meisten Entwicklungsrückstände gebe. Außerdem koste es mehr Geld, eine Vorschule in der Stadt zu unterhalten als in Regionen, wo die Schüler lediglich „etwas zusätzliche Aufmerksamkeit brauchen“, so Sven de Langen von der CDA. „Verrückt“ nennt De Langen außerdem die Idee, die bestehenden Maßnahmen zu ändern. „Bald muss ich  entscheiden, welches Kind in die Vorschule darf. Das will ich nicht. Wenn es überhaupt etwas gibt, das präventiv funktioniert, dann sind es Vorschulen. Dort sorgen wir dafür, dass Rückstände aufgeholt werden.“

Gemeinden in den Niederlanden sind verpflichtet, Kindern mit einem Entwicklungs- oder Bildungsdefizit zehn Stunden Vorschule in der Woche anzubieten. Ab 2020 soll diese Zahl auf sechzehn Stunden pro Woche erhöht werden. Das ist im Koalitionsvertrag vereinbart. Der Betrag, den Gemeinden bekommen, wird dann um 170 Millionen Euro erhöht, auf 486 Millionen Euro. Auch die niederländischen Grundschulen bekommen Geld, um z. B. zusätzliche Lehrkräfte einzustellen. So will das Kabinett möglichst effektiv Chancengleichheit verbessern.

Gleichzeitig wird eine neue Methode eingeführt, mit der das Risiko auf Rückstände neu bestimmt werden soll, da die bisherige Methode vor allem den Bildungsstand der Eltern als maßgebendes Kriterium sieht.  Da aber immer mehr Menschen gut ausgebildet sind, verkleinert sich das Budget, obwohl es nicht weniger Kinder mit Rückständen gibt. Die neue Methode schaut unter anderem auch auf die Aufenthaltsdauer einer Familie in den Niederlanden.

Die Städte sprachen sich  für eine der fünf von Slob vorgelegten Verteilungsszenarien aus. Hiermit können die meisten Städte ihre Bildungspolitik fortsetzen oder sogar noch verbessern. Aber auch bei dieser Option gibt es - wie auch bei den anderen Optionen - Verlierer. Die Gemeinde Utrecht würde bei diesem Szenario 5.4 Millionen Euro verlieren. Der Gemeindevorstand Jeroen Kreijkamp (D66) findet es unbegreiflich, dass die Chancenungleichheit beseitigt werden soll und man gleichzeitig das Budget für die Beseitigung hierfür verkürzt.


Auch die Gemeinde Den Bosch beispielsweise wird bei allen möglichen Szenarien 0.4 bis 1 Million Euro verlieren. „Das führt zu einer Erhöhung der Arbeitsbelastung in Grundschulen“, sagt Eric Logister (D66). „Und haben wir nicht versucht, diese zu reduzieren?“