GESELLSCHAFT: Nach 2,5 Jahren hat 11 Prozent der Geflüchteten eine Arbeit

Den Haag, TA/VK/NRC 17. April 2018


Asylbewerber finden in den Niederlanden schwerer Arbeit als noch in den 1990er Jahren. Nach 2,5 Jahren haben 11 Prozent von ihnen eine bezahlte Arbeit. Das geht aus Zahlen des Centraal Bureau voor Statistiek (CBS, dt. „Zentrales Statistikamt“) hervor, die am 17. April 2018 veröffentlicht wurden.  Vor allem im Hotel- und Gastronomiegewerbe finden viele Asylbewerber eine Arbeitsstelle.

Das Centraal Bureau voor Statistiek ging im Auftrag von vier Ministerien der Frage nach, wie die Einbürgerung und die Arbeitssuche von kürzlich in den Niederlanden angekommenen Asylanten verläuft. Aus den veröffentlichten Zahlen geht nach dem jetzigen Stand hervor, dass ihre Einbürgerung nicht viel besser und reibungsloser verläuft, als die Einbürgerung von Flüchtlingen aus früheren Jahrzenten. Das Gegenteil ist der Fall. In den 1990er Jahren hatte rund ein Viertel der Asylmigranten nach zwei Jahren bezahlte Arbeit mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mindestens acht Stunden gefunden.

Aus den neuesten Zahlen ergibt sich, dass von den in 2014 in den Niederlanden angekommenen Asylmigranten (rund 27.000 Menschen) 4 Prozent im Verlauf der ersten 1,5 Jahre Arbeit gefunden hatten. Ein Jahr später waren es bereits 11 Prozent.  Die ersten Zahlen über die 2015 angekommenen Migranten scheinen mit diesen Zahlen vergleichbar zu sein. „Dass nur so wenig Asylbewerber Arbeit gefunden haben, hängt möglicherweise mit der Tatsache zusammen, dass sie noch vollauf mit der Einbürgerung beschäftigt sind,“ schreibt das Centraal Bureau voor Statistiek. Nach ihrer Ankunft in den Niederlanden haben Asylanten drei Jahre lang Zeit, den Einbürgerungstest abzulegen. Obwohl viele Gemeinden versuchen, ihre Integrationspolitik so auszulegen, dass Migranten das Lernen der Sprache mit einem Teilzeitjob kombinieren, scheint das in der Praxis nur schwer umsetzbar zu sein.

Der Unterschied zwischen Geflüchteten aus verschiedenen Herkunftsländern ist groß, ergibt sich aus der vorliegenden Studie. Während Geflüchtete mancher Nationalitäten schneller Arbeit finden, ist die Arbeitssuche für andere deutlich erfolgloser. Wenn sie Arbeit finden, dann meistens in einem zeitlich befristeten Vertrag im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Beinahe die Hälfte derjenigen, die Arbeit finden, arbeitete 1,5 Jahre nach ihrer Ankunft  in diesem Sektor. Nach 2,5 Jahren waren es nur noch 36 Prozent.

Circa 90 Prozent der Geflüchteten empfing 1,5 Jahre nach dem Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung Unterstützung vom Staat. In den meisten Fällen war dies Sozialhilfe.  Ein Jahr später ging die Zahl der Empfänger bereits auf 84 Prozent zurück.

2015 erhielten dabei noch relativ viele junge Männer Asyl. In 2016 und 2017 flüchteten hingegen auch viele Frauen und Kinder in die Niederlande. Für weibliche Geflüchtete ist es in den Niederlanden schwieriger, eine Arbeit zu finden und sich zu integrieren, berichtete die Tageszeitung NRC und bezog sich dabei auf einen Bericht der Kennisplatform Integratie & Samenleving (KIS, dt.  „Wissensplattform Intergation und Gesellschaft“) im Februar 2018. Da die Gemeinden Geflüchtete so schnell wie möglich von der Sozialhilfe unabhängig machen wollen, konzentriere sich die Unterstützung der Gemeinden häufig auf das Familienmitglied „mit den meisten Chancen“. Das seien häufig Männer, da Frauen oft als „Nachreisende“ in die Niederlande kämen. Zum Zeitpunkt ihrer Ankunft habe der Mann aber oft bereits eine Arbeit, sodass die Familie nicht länger Anspruch auf Beihilfe habe und die Frau durch das Raster falle. Dadurch ist die Chance sehr hoch, dass besonders weibliche Geflüchtete sozial isoliert werden und keine Chance haben, sich gut in die niederländische Gesellschaft zu integrieren.