UMWELT: Rekordsterben in den Oostvaardersplassen im vergangenen Winter


Lelystad,
LM/VK/NRC 16. April 2018

In dem niederländischen Naturentwicklungsgebiet Oostvaardersplassen haben im vergangenen Winter ungefähr 3.000 Rothirsche, Wildpferde und Rinder den Winter nicht überlebt. Somit sind ca. 60 Prozent der Gesamtpopulation der Oostvaardersplassen gestorben, neun von zehn Tieren wurden von der Forstverwaltung erschossen. Viele Tierschützer und Kritiker der Oostvaardersplassen forderten eine zusätzliche Fütterung der Tiere, um die Sterberate zu vermindern. Am Sonntag folgte ein Trauermarsch für die verstorbenen Tiere. 

In dem niederländischen Naturgebiet, das in der Provinz Flevoland zwischen Lelystad und Almere liegt, leben die wilden Tiere in relativer Freiheit ohne gejagt zu werden. Die staatliche Forstverwaltung arbeitet in den Oostvaardersplassen seit einigen Jahren mit einer „früh-reaktiven Verwaltung“ – der Zustand der Tiere wird kontinuierlich beobachtet. Tiere, die zu schwach sind, um den Winter überleben zu können, werden geschossen. Das Leiden der Tiere soll durch diese Maßnahme verringert werden.

Im vergangenen Winter hatten starke Regenfälle den Boden des Naturgebiets in Morast verwandelt, wodurch es für die Tiere nur sehr wenig Nahrung gab. Danach folgte eine Frostperiode zwischen den Monaten Februar und März, die viele Weidetiere nicht überlebten. Die hohe Sterberate der Tiere führte erneut zu großen Diskussionen. Viele Leute sehen in der Verwaltungsart der Oostvaardersplassen Tierquälerei und kritisieren, dass die Tiere ihrem Schicksal überlassen werden. Die Kritiker fordern eine Zufütterung der Tiere im Winter. Einige Tierschützer brachten in diesem Jahr schließlich selbstständig Futter in das Naturgebiet. Aufgrund des gesellschaftlichen Drucks lenkte die Provinz Flevoland ein und ließ die Tiere zufüttern.

Am Sonntag versammelten sich Viehhalter, Pferdezüchter, Jäger, Tierfreunde und andere Kritiker, um ihren Protest zu bekunden. Einige hundert Demonstranten bildeten einen Autozug und sprachen sich dagegen aus, dass die Tiere ihrem Schicksal überlassen werden und scharenweise sterben.  Gleichzeitig fand ein Trauermarsch für die verstorbenen Tiere in Lelystad statt, der von der Stichting Welzijn Grote Grazers (dt. „Stiftung Wohlergehen großer Weidetiere“) organisiert wurde. Die Vorsitzende, Yvonne Bierman, berichtete von einem gewachsenen Interesse der Gesellschaft seit Ende Februar, als die hohe Sterberate öffentlich wurde. Zusammen gingen die Demonstranten am Sonntag schwarz gekleidet durch die Innenstadt Lelystads. Der Pferdezüchter Gerald Trip, der am Autozug teilnahm, bezeichnete die Tiere der Oostvaardersplassen als „gehaltene Tiere“, die immer Zugang zu Wasser und Futter haben müssten. In Deutschland, Österreich und Dänemark würden Tiere, die in der Wildnis leben, immer zugefüttert, wenn der Winter besonders hart sei. Es sei nur in den Niederlanden so, dass die Menschen mit Sanktionen rechnen müssten, wenn sie diese Tiere füttern würden, so Trip.

Joke Bijl von der staatlichen Forstverwaltung kann die emotionalen Reaktionen der Kritiker verstehen. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass die Natur nun einmal so funktioniere. „Ein Gebiet bestimmt die ökologische Belastbarkeit selbst, wer am klügsten mit dem Futter umgeht, überlebt.“, so Bijl. Das Wort „Hunger“ projiziere zu Unrecht menschliche Gefühle auf die Tiere. Im Sommer würden die Tiere viel essen, was ihnen dann durch den Winter helfe. Dies würde von den Demonstranten als „hungern“ bezeichnet, dabei sei es ein natürlicher Prozess. Sobald die Tiere den Anschein machten, zu leiden, würden sie erschossen.

Der Wortführer der zuständigen Abgeordneten der Provinz Flevoland stellte klar, dass man sich vor Jahren für diese Verwaltungsart entschieden habe und dass sie seitdem mehreren Gerichtsverhandlungen standgehalten habe. Die in den Oostvaardersplassen lebenden Tiere seien wilde Tiere, deshalb bestünde keine Sorgepflicht. Das sei die Vorgehensweise der staatlichen Forstverwaltung, und so werde es auch weiterhin gehandhabt. Ende des Monats werde jedoch ein Gutachten der Kommission eingereicht, die sich mit der Problematik auseinandersetzt. Ob das Gutachten zu einem anderen Umgang mit dem Tiersterben führt, müsse sich dann zeigen.   


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